Take your own AND your patient's pulse

17.07.2015
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Ich habe mal wieder Spätdienst und muss somit auch die Notaufnahme „bedienen“. In den frühen Abendstunden kommt der Anruf aus der Notaufnahme. Eine Patientin, 85 Jahre alt, warte auf mich im Behandlungszimmer – mit plötzlich aufgetretenem Kribbeln im linken Arm sowie Kraftlosigkeit.

Sofort gehen mir einige Differentialdiagnosen durch den Kopf. Das Häufigste eben, denn Häufiges ist häufig, wie ich mich aus dem Studium erinnern kann. Da in dem Alter und bei den plötzlich – oder um es medizinisch auszudrücken, apoplektiform – aufgetretenen Symptomen ein Schlaganfall die wahrscheinlichste Ursache ist, mache ich mich natürlich sofort auf in die Notaufnahme.

Dort angekommen erwartet mich eine nette alte Dame in Begleitung ihres Sohnes. Ich bitte sie, mir zu erläutern, was sie in die Notaufnahme führt. Die Patientin berichtet mir von einer plötzlich aufgetretenen Schwäche und Kribbelparästhesien im gesamten linken Arm. Achja, Schmerzen hätte Sie in dem Arm auch gehabt. Aufgrund eines Vorhofflimmerns nehme Sie Phenprocoumon ein.

Von der Anamnese her könnte alles weiterhin auf einen Schlaganfall hindeuten. Nur die Schmerzen, die passen nicht so recht in diese Schilderung.

Symptomorientiert gehe ich die Untersuchung an und schaue mir zuerst den linken Arm an. Auf den ersten Blick fällt eine Blässe des gesamten Arms sowie eine livide Verfärbung der Finger auf. Als ich den Arm anfasse ist er kalt, wesentlich kälter im Vergleich zum rechten Arm. Wie war das gleich mit den Ps nach Pratt, denke ich mir. Jedenfalls habe ich ein P mit Sicherheit noch ausgelassen, den Puls. Sowohl der Puls der A. radialis wie auch der A. ulnaris ist links nicht auffindbar, auf der Gegenseite dafür sehr kräftig. Erst im Bereich der A. brachialis links lässt sich der Puls tasten.

Damit wäre die Diagnose klar. Schlaganfall ist es im weitesten Sinne ja schon. Glücklicherweise ist die Ischämietoleranz des Arms länger. Wenn ich mich aus dem Studium richtig erinnere, sind es zwei Stunden.

Da ich der Patientin nicht weiterhelfen kann, sage ich dem Gefäßchirurgen Bescheid, spreche mit der Patientin über die Diagnose und verabschiede mich.

Bildquelle: XiXinXing, thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.07.2015.

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