Oh Helene, du hast so schlaue Beene.

10.07.2015
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Nerds aus dem Fraunhofer-Institut haben einen neuen Strumpf entwickelt, der nicht nur bewegungslos am Fuß rumhängt, sondern etwas tut: Er misst. Das kommt vor allem Diabetikern zugute, deren periphere Sensibilität häufig durch eine Neuropathie herabgesetzt ist.

In Deutschland kommt es infolge des diabetischen Fußsyndroms jährlich zu etwa 40.000 Amputationen. Experten gehen davon aus, dass ein großer Teil dieser Eingriffe nicht notwendig wäre, wenn es gelänge, die auslösenden Druckschäden am Fuß zu vermeiden. Da gibt es jedoch ein kleines Problem: Die Eigenwahrnehmung vieler Diabetiker ist krankheitsbedingt eingeschränkt, die Schmerzempfindung deutlich herabgesetzt. Die Patienten nehmen Druck- und Scheuerstellen einfach nicht rechtzeitig wahr. Sind erst einmal Dekubitalulzera entstanden, ist eine Wundheilung oft nur mit erheblichem Aufwand und guter Compliance des Patienten zu erreichen. 

An dieser Stelle setzt das Modell eines neuartigen Strumpfs an, der neulich vom Fraunhofer-Institut vorgestellt wurde. Er ersetzt die fehlende Nervenfunktion durch Sensoren, die in das Gewebe des Strumpfs eingelassen sind. Im Gegensatz zu anderen Systemen, die sich in der Regel auf die Druckmessung der Schuhsohle beschränken, erfasst die Fraunhofer-Socke die Druckverhältnisse am gesamten Fuß quasi in 3D. Dadurch kann die Druckverteilung am Fuß sehr genau bestimmt werden. 

Als Sensoren setzen die Forscher flexible Silikonelastomere ein, die mit Graphit beschichtet sind. Sie können in das Textilgewebe integriert werden. Leitfähige elastische Fasern im Strumpf führen die elektrischen Signale von den Sensoren zu einem kleinen Transmitter, der die Daten an ein Smartphone oder Tablet funkt. Auf dem läuft eine Software, die den Diabetiker automatisch warnt, wenn etwas nicht stimmt. 

Kann man die Socke schon im Falke Shop kaufen? Leider nein. Noch sind einige Probleme zu lösen. Der Prototyp ist zum Beispiel noch nicht bei 30, 60 und 95 Grad waschbar, sondern kann nur mit Desinfektionsmitteln behandelt werden. Auch bei der Atmungsaktivität hapert es noch gewaltig. Aber die Forscher sind dran. Wenn es die Strümpfe gibt, kaufe ich mir ein Paar für den Off-Label-Einsatz. Dann kann ich endlich messen, wie fest ich anderen Leuten in den Hintern treten kann ;-)

Artikel letztmalig aktualisiert am 21.07.2015.

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Nachtrag: Die ersten Sensorsocken kann man schon kaufen. Die Firma Sensoria verkauft bereits Messsocken für Läufer. Wir haben sie gekauft und werden berichten.
#5 am 12.12.2015 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
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Sehr geehrte Frau Rumbaur, ihr Sinn für Humor scheint leider nicht sehr ausgeprägt zu sein.
#4 am 21.07.2015 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
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Shopwerbung???!?
#3 am 18.07.2015 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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Gast
#2 am 14.07.2015 von Gast
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... aber dann bitte auch gleich mit dem entsprechenden Sound. Rums..
#1 am 14.07.2015 von Dr. med. Dorothea Menges (Ärztin)
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