‚Muttis‘ Arzneimittel-Verschreibungsverordnung und ‚Karl Lagerfeld‘

27.06.2015
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Welcher „Vollpfosten“ hat bloß Bundesgesundheitsminister (BGM) Hermann Gröhe und der GROKO-Bundesregierung mit „Mutti“ an der Spitze eingeflüstert, Ärztinnen und Ärzte in Deutschland wären zu blöde, ein Rezept nach GKV-Vordruck-Muster 16 oder auch Privatrezepte korrekt auszufüllen?

Name, Vorname, Berufsbezeichnung, Anschrift der Praxis bzw. der Klinik und Telefonnummer standen schon auf allen Rezepten meines damaligen Chefs, PD Dr. med. Klaus Schüttemeyer, bei dem ich 1975 in der chirurgischen Ambulanz anfing.

Selbst Medizin-bildungsferne Sozialversicherungs-Fachangestellte, der Spitzenverband Bund (Spibu) und der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) wissen, dass zusätzlich eine lebenslange Arzt-Nummer (LANR) - diese war übrigens nach der Wiedervereinigung nur 5-stellig und wurde in den neuen Bundesländern einfach doppelt vergeben - und zusätzlich eine Betriebsstätten-Nummer (BSNR) auf jedem Kassenrezept vermerkt sein müssen. 

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GKV-Rp. Vordruck Nr. 16 Abbildung © Praxis Dr. Schätzler

Die Tatsache, dass Rezepte von Veterinärmedizinern, rein privatärztlich tätigen Humanmedizinern und unerfahrenen Klinik-Kollegen handschriftlich oftmals eh' unleserlich sind bzw. keine der o. g. Pflichtangaben tragen, ist von uns Vertragsärzten allerdings nicht mit zu verantworten. 

m_1435431221.jpg Hautklinik-Rp. ohne Patienten- und sonstige Einträge

Abbildung © Praxis Dr. Schätzler

Doch welcher prominente „Besserwisser“ und übrigens auch komplett salzlose „Besseresser“, der selbst so gerne Bundesgesundheitsminister geworden wäre, hätte denn der Bundesregierung das mit den unvollständigen Rezepten „stecken“ können? Um damit uns alle tagtäglich budgetiert, mengenbegrenzt, regressiert, dressiert und trotzdem diszipliniert arbeitenden Vertragsärzte zu desavouieren?

Da brauche ich keinen Telefonjoker, wer die im Bundesgesetzblatt am 29.12.2014 veröffentlichte und zum 1.7.2015 wirksame Arzneimittelverschreibungsverordnung, die auch für Medizinprodukte gilt, mit „verbrochen“ hat: Es ist kein geringerer als unser „Karl Lagerfeld“ der Gesundheits- und Krankheitsepidemiologie, der Professor mit der Fliege Dr. med. Karl Lauterbach.

Sein eigenes Schicksal berührt uns sehr: Nachdem er jahrelang nicht nur von den eigenen Fraktionskollegen/-innen der SPD selbst gehänselt wurde, er sei ja eigentlich gar kein richtiger Arzt, weil er nicht mal ein Rezept ausstellen dürfe, hatte er dann im Jahr 2010 endlich die Approbation als Arzt beantragt und auch erhalten.

Pikant und brisant bleibt schlussendlich trotz 2014 umfangreich novellierter und dann zum 1.7.2015 in Kraft tretender, bundesweit gültiger neuer Arzneimittel-Verschreibungsverordnung ein klitzekleiner Schönheitsfehler: Denn das gute alte Kassenrezept als Vordruck Muster 16 (1.2013) wird in der Apotheke nicht einfach zur Abrechnung elektronisch eingelesen und dem Patienten wie bei allen Privat- und Selbstzahler-Rezepten zurückgegeben, sondern zu Weiterleitung an die Apotheken-Rechenzentren einfach „eingesackt“. Unsere ärztliche Signatur wird als Dosierungsempfehlung hoffentlich auf die Packung geschrieben oder aufgeklebt. Aber ob der Patient überhaupt das richtige Medikament bekommen hat, entzieht sich damit seiner direkten persönlichen Kontrolle.

Die vorher angeblich so wichtige Telefonnummer der Praxis, der Vorname des Arztes, Berufsbezeichnung, Anschrift der Praxis bzw. der Klinikambulanz verschwinden im Orkus des Apotheken-Rechenzentrums und sind damit nie mehr verfügbar. Was für ein Schildbürgerstreich!!!

Quelle: 

http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?start=%2F%2F*[%40attr_id%3D%27bgbl114s2371.pdf%27]#__bgbl__%2F%2F*[%40attr_id%3D%27bgbl114s2371.pdf%27]__1435321935623

Bildquelle: Purée de tomate aus Frankreich Abbildung © Praxis Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.06.2015.

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Gast
Als Apotheker freut man sich über jedes korrekt ausgefüllte Rezept. Man ist ja mit kleinen Dingen zufrieden
#3 am 30.06.2015 von Gast
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Um Privatversicherte m i t Beihilfeanspruch ging es mir hier nicht. Diese haben in der Tat z w e i Abrechnungsstellen und brauchen ihre Behandlungs-Dokumente i. d. R. doppelt. Wie unschwer zu erkennen ist, ging es mir um die Tatsache, dass PKV-Versicherte, Selbstzahler und Patienten mit grünem Rezept diese, ob in Kopieform oder Original, in der Apotheke z u r ü c k erhalten. GKV-Versicherte, deren korrekt ausgefüllte rote Kassenrezepte nach neuster Arzneimittel-Verschreibungsverordnung Pflichinformationen tragen, gucken dabei in die Röhre, wenn sie den Vornamen ihre Arztes nicht mehr memorieren können - ihr Rezept ist futsch. Das können privat versicherte MdB, Ministerialbeamte, Gesundheitspolitiker und die oberen Chefetagen der Krankenkassen natürlich nicht wissen. MfG
#2 am 28.06.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Bei privat Versicherten mit Beihilfe wurde schon immer das Originalrezept von der Krankenkasse "kassiert" und das Duplikat von der Beihilfestelle wieder an den Abrechnenden zurück gesandt, so daß immer auch im Nachhinein die ganze Verschreibung ersichtlich war. Dies wurde nun 2015 geändert: die Beihilfestelle sendet nur noch die Rechnungsduplikate zurück, die Rezept-Duplikate werden einbehalten. Mein Stamm-Apotheker macht mir nun auf Bitten immer zwei Kopien des Rezeptes, sodaß ich immer noch eine Kopie in den Unterlagen habe. Der Sinn dieser Maßnahme seitens der Beihilfestellen erschließt sich mir nicht, an den Portokosten kann es nicht liegen...
#1 am 28.06.2015 von Gast
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