Alles außer Tabletten!

25.06.2015
Teilen

Abends um… kurz vor Bestellschluss.

Junger Mann in der Apotheke mit einem Rezept vom Spital. Er reicht es mir mit folgenden Worten:

„Meine Frau kann keine Tabletten schlucken. Keine. Nicht einmal ganz kleine. Sie hatte einen Unfall und einen gebrochenen Arm – wir waren im Spital und das ist das Rezept, das sie mir mitgegeben hat.“

Uh – ja. Mir können Sie das offensichtlich problemlos sagen, dass Tabletten nicht gehen… aber hätten sie das nicht schon im Spital können? Das Rezept sagt, dass sie das nicht haben.

Auf dem Rezept steht:

Irfen 600mg (das sind Tabletten) 1-1-1

Dafalgan 1g (undefiniert welche Form) 1-1-1

Pantoprazol 40mg (wieder Tabletten) 1-0-0

Novalgin 500mg 1-1-1 in Reserve (wieder Tabletten, wenn so aufgeschrieben)

Und nun: suche. Und zwar schnell! denn in 5 Minuten ist Bestellschluss und sie hat sicher Schmerzen.

Irfen ersetzen war noch einfach: Brufen Granulat. Dafalgan auch: Dafalgan 1 g gibt’s in Brausetabletten, Novalgin gibt’s in Tropfenform (und dann umrechnen, wie das mit der Dosierung ist) fällt alles unter „galenische Form an das Patientenbedürfnis angepasst“… und jetzt das Pantoprazol…

Ich bin wirklich erfreut, als ich sehe, dass das es ein Pantoprazol von einer (einzigen) Firma in Brausegranulatform gibt – das habe ich bisher weder gesehen noch gebraucht (die Pantoprazol sind auch so sehr kleine Tabletten).

Nicht so erfreut bin ich, als ich das bestellen will und die Meldung zurück bekomme, dass das nicht lieferbar ist. Das einzige lösliche Pantoprazol.

Was jetzt?

Wirkstoffwechsel. Vom Nexium (Esomeprazol) weiss ich, dass es da auch ein Granulat gibt, das habe ich schon einmal gebraucht.

AUCH nicht lieferbar! Mist.

Gut – beim Nexium sind das auch MUPS Tabletten – die kann man wenn schon nicht lösen, zumindest suspendieren. Das gibt eine ziemlich krümelige Angelegenheit zum trinken – ich hoffe, das geht bei ihr.

Also habe ich am Schluss die Esomep MUPS abgegeben (das Generikum vom Nexium) … und das Spital danach über meine „Anpassungen“ des Rezeptes informiert.

Das war in ihren Augen auch okay … tatsächlich sind sie ziemlich Dankbar, wenn man ihnen so einen Teil der Arbeit abnimmt. Das ausgestellte Rezept ist ziemlich Standard, meine Ersatzmöglichkeiten hier legal (keine Ahnung, wie kompliziert so ein Fall in Deutschland geworden wäre, wo nur definierte Generika von der Krankenkasse übernommen werden und ein Wirkstoffaustausch … so sinnvoll und nötig er hier auch ist wohl nicht so möglich gewesen wäre.).

So wird die Arbeit doch interessant :-) (auch wenn ich auf die Nicht-Lieferbarkeit verzichten könnte).

P.S: Tipps zum Tabletten und Kapseln schlucken findet ihr hier.

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.07.2015.

29 Wertungen (3.9 ø)
4013 Aufrufe
Pharmazie
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gast
Jetzt sollte doch die große Stunde des Apothekers schlagen, wer sonst versteht mehr von "Galenik". Novalgin wird z.B. besser als Tropfen vertragen.
#3 am 02.07.2015 (editiert) von Gast
  1
Gast
Ich lasse Menschen, die in Extremsituationen behaupten, keine Tabletten schlucken zu können, einfach sterben. Bisher haben es sich Alle anders überlegt.
#2 am 30.06.2015 von Gast
  12
In Deutschland? Vollretax im Patientensinne, d.h. Rezept beliefert, Patient versorgt und mit seiner Kasse zufrieden (der bekommt ja auch nicht mit, dass diese nicht zahlt). Und wenn man nach 3 Einsprüchen doch durchkommt, fehlt der Vorname oder die Telefonnummer des Arztes... irgendwas geht immer. Ausnahme: Notdienst, da geht noch ein bisschen was...
#1 am 30.06.2015 von Florian Jacobi (Apotheker)
  7
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Es kommt eine Kundin in die Drogerie, die nach einem Produkt fragt, von dem ich noch nie gehört habe. Nachdem ich im mehr...
Die Rezeptkopie haben wir gefaxt bekommen im Rahmen einer Rundwarnung, dass es (und ähnliche) gefälscht sind. Das mehr...
Ich hatte einen Physiklehrer, der häufiger mit den Leuten spielte, indem er ihre Fragen wörtlich nahm. Mit der Zeit mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: