Fehlgeburt - Frühes Abschied nehmen

24.06.2015
Teilen

Gerade innerhalb der ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft kommt es häufig zu einer Fehlgeburt. Viele Frauen belastet der Verlust extrem. Sie fühlen sich unendlich traurig, hilflos und alleingelassen.

Heute besucht mich Frau K. in der Fachstelle für Kinderwunschberatung.

Sie ist Mitte 30, verheiratet und seit mehr als 6 Jahren ungewollt kinderlos.

Bei ihrem letzten Besuch hat sie mir freudestrahlend erzählt, dass die letzte ICSI positiv verlaufen ist und sie nun wieder schwanger ist.

Wieder schwanger: Die letzten 3 Schwangerschaften endeten mit einer Fehlgeburt.

Wir freuen uns zusammen und sind uns sicher, dass es nun diesesmal definitiv klappen muss und wird!

Doch dem ist nicht so: Frau K. hatte vor wenigen Tagen wieder eine Fehlgeburt.

Ich kenne Frau K. mittlerweile schon fast 2 Jahre und nun sitzen wir zusammen, um ein weiteres Mal Abschied zu nehmen. 

Sie kämpft mir ihren Tränen und sucht nach Gründen, warum die Schwangerschaft wieder nicht intakt war.

Dieses Mal endet ihre Schwangerschaft in der 9. Schwangerschaftswoche.

Frau K. belastet der Verlust extrem. Sie fühlt sich unendlich traurig, hilflos und alleingelassen.

Ihre Kinderwunschzeit entwickelt sich immer mehr zu einem Albtraum, dabei wünscht sie sich nur sehnlichst ein Kind.

Vor allem aber kommt sie wenig mit den Kommentaren ihrer Umwelt klar.

Sätze wie: "Das wird schon irgendwann richtig klappen" oder "besser so früh eine Fehlgeburt als später ein behindertes Kind" treffen sie wie ein Schlag ins Gesicht.

Schätzungen zufolge enden 10 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt, 80 Prozent davon innerhalb der ersten zwölf Wochen.

Vielen Frauen fällt es schwer, das Ereignis zu verarbeiten - dennoch wird selten darüber gesprochen.  Selbst sehr nahestehende Menschen verstehen das Ausmaß des Schmerzes und der Trauer oft wenig.

Es wird erwartet, dass die Frau schnell wieder in den Alltag zurückfindet und möglichst bald wieder funktioniert.

Wie Abschied nehmen?

Die Bestätigung einer Fehlgeburt oder dass das ungeborene Kind nicht mehr lebt oder bald sterben wird, verändert alles im Leben angehender Eltern.

Alle Vorstellungen und Pläne über das gemeinsame Leben stürzen in sich zusammen. Die bereits aufgebaute Beziehung zerreißt schmerzhaft ohne dass ein wirkliches Kennenlernen möglich war.

Ungeborene Kinder hinterlassen kaum Spuren auf dieser Welt. Umso wichtiger ist es, sorgsam mit den Spuren umzugehen:

Betroffene Eltern müssen wissen, dass alles, was sie jetzt noch an Eindrücken ihres Kindes sammeln können als Erinnerung für ein ganzes Leben reichen muss!

Frau K. verlässt mit rot verweinten Augen meine Fachstelle. Wir haben gemeinsam getrauert und versucht das Gegebene auszuhalten. Wir haben Ideen für Abschiedsrituale gesammelt und nach Kraftquellen gesucht.

 

 

Bildquelle: thinkstockphotos.de

Artikel letztmalig aktualisiert am 24.06.2015.

6 Wertungen (5 ø)
522 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gast
Das Thema beschäftigt mich auch mehrmals die Woche. Leider fehlt mir meistens die Zeit, um darauf wirklich einzugehen.
#1 am 24.06.2015 von Gast (Ärztin)
  0
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Wenn der Kinderwunsch zur Belastung wird Wenn ein Paar über lange Zeit einen Kinderwunsch hat, der sich nicht mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: