OP-Allerlei

20.06.2015
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Eine Biopsie macht hin und wieder Sinn. Dass man sechs Wochen auf das Ergebnis warten muss, nicht immer. Schon garnicht, wenn sich herausstellt, dass die Gewebeprobe eingetrocknet war.

Das OP-Programm an einem Mittwoch - kein besonderer, aber ein wie immer spezieller Tag.

1. Punkt auf dem OP-Plan: Leistenhernie links. Verklebt, seit Jahren nicht versorgt, ich alleine mit der Schwesternhelferin. Schlechte Beleuchtung, weil von den vier Einzelbirnen in der Lampe drei kaputt sind. Stumpfe, zu große Schere, keine Übersicht. Nichts anderes an Nahtmaterial als Seide zum Adaptieren der Hinterwand, was bekanntermaßen nicht so lange hält wie ein (teures) Netz und Gewebereizungen macht. Sehr unzufrieden. Der Patient hingegen sehr dankbar.

2. Großes Lymphom linke Halsseite, die Biopsiestelle blutet und blutet. Kein Formalin zum Wegschicken der Gewebeprobe ist zu finden. Dickinson, der verlässlichste Pfleger vor Ort, verspricht,  „bis zum Ende des Tages“ danach zu schauen, er ist sich sicher, eine Quelle auftun zu können. Ich glaube ihm, weil ich ihn schätze. Und hoffe, dass das Präparat nicht eintrocknet. Was es dann doch tat. 1 Monat später die Nachricht, es sei nicht verwertbar gewesen. Also eine neue Biopsie und einen weiteren Monat Wartezeit für den vermutlich schwerkranken Patienten.

3. Die Biopsie eines großen Milztumors bei einem sechsjährigem Mädchen ist geplant. Das ganze Kind klapperdürr, nahezu nur noch aus Bauch bestehend. Der Kollege will in den Bauch schauen und eine Gewebeprobe wegschicken. Er macht einen kleinen Oberbauchschnitt, schneidet ein Stückchen Gewebe heraus und dann geschieht, was wir unbedingt vermeiden wollten: es blutet sprudelnd aus der Schnittstelle, jeder Stich, um eine Naht zu setzen erzeugt eine neue Fontäne. Gleichmütig saugt der assistierende Pfleger Blutlachen weg. Schließlich mit einem sterilen Handschuh und einem Stapel Gaze komprimiert und den Bauch samt Material zugenäht. Hoffend, es blute nicht weiter.

4. Thoraxdrainage bei einem überaus kachektischen Tuberkulosepatienten geschoben, dem der Eiter bereits aus einer Fistel an der Seite tropft. Dünner wäre sicherlich tot.

5. Thoraxdrainage bei einer schönen, jungen, aber leider HIV-positiven Patientin gelegt, die gesamte rechte Thoraxhälfte ist mit eitriger Flüssigkeit gefüllt.

6. Schwangere mit Bridenileus im 8. Monat. Hier geht alles gut.

 

Bildquelle (Außenseite): Paul Sableman, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.06.2015.

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#1. Haben sie mitbekommen, es geht hier um Chirurgie in einem Entwicklungsland? Man kann dankbar sein, dass zumindest Strom für die eine Lampe vorhanden ist. Die Umstände sind eben nicht so wie in Deutschland. Und die Patienten können gleich gar nichts dafür. Den Patienten hilft es wenig, wenn die wenigen Ärzte dann nicht arbeiten. Deshalb: Klasse Arbeit! Weiter so!
#3 am 23.06.2015 von Florian Burkhart (Student der Humanmedizin)
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Gast
Vielleicht nochmal gucken, wo das so beschriebene OP-Allerlei sich zugetragen hat.. Meine Hochachtung, Mama Daktaria, dafür, auch unter solchen Bedingungen weiterzumachen.
#2 am 22.06.2015 von Gast
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Gast
Selbst schuld, zur medizinischen Arbeit kann ich leider nichts sagen, aber - wenn 3 Birnen in der 4er Lampe kaputt sind und wenn kein entsprechendes Material wie Schere oder Verbandsmaterial (Netz) zur verfügung steht - Arbeit verweigern,
#1 am 22.06.2015 von Gast
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