Blüten und Mythen über die Vermeidung von Tierversuchen

17.06.2015
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In OrthoPress fand ich einen Artikel über die Vermeidung von Tierversuchen durch Gewebekulturen. Zum einen wurde in Aussicht gestellt, dass man anhand von Gewebekulturen überhaupt keine Tierversuche mehr benötige und das man daran arbeite eine Kultur zu designen, die alle Eigenschaften eines Organismus im Kleinem simuliere.

Also Neurone, Immunzellen, Muskelzellen, Bindegewebe usw. und das damit die Verwendung von Tierversuchen unnötig würde.

Ich sage - unmöglich.

Also auf gut Deutsch - ich erschaffe ein kleines Frankensteinmonster, um keine Maus nehmen zu müssen. Ethisch vertretbar? Fraglich. Machbar? Sehr unwarscheinlich. Sinnvoll? Eher nicht.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag keine Tierversuche und habe immer Zell- und Gewebekulturen vorgezogen, wenn es um molekulare Details des Mechanismus ging oder einfache Dosis-Wirkungs-Beziehungen. Aber wir sprechen in diesem Fall von Gewebekulturen aus einzelnen Organen, die auch nur eine Aussage auf diese Zellen erlauben. Einen Organismus selbst zu basteln, der sowohl ein funktionierendes Nervensystem als auch hormonell, vegetativ und natürlich auch immunologisch alle Fragen gleichzeitig lösen kann, das ist doch eher eine Horrorvorstellung als erstrebenswert! Und ja, leider braucht man für die systemischen Fragen immer einen Organismus, der alles hat, aber dann ist mir eine Labormaus immer noch lieber als so ein zusammengestückelter Zellklumpen mit funktionierendem Nervensystem - denn ohne funktioniert die ganze Sache ohnehin nicht.

Also, was war jetzt dieser Artikel? Ein Gag? Nein, er kam seriös geschrieben daher. Aber undurchdacht von A-Z. Und was nutzt einem ein solches Geschöpf? Würden die Tierschützer nicht auch dahinter kommen, dass das Ding doch irgendwie auch denken kann? Weil es muss ja mindestens so viele Nervenzellen geben, dass ein neuronales Netzwerk simuliert werden kann. Und wer fragt bitte, woher die Zellen für solch ein Ungetüm stammen? Werden Tierschützer jubeln, wenn sie erfahren, dass diese Zellen aus Tieren stammen müssen? Oder will man Menschen für diese Zwecke Neuronen aus dem Hirn entfernen? - Ach ja, Stammzellen gibt's ja auch noch, also gleich ein paar Föten dafür verwenden?

Nein, diese ganze Diskussion ist unsinnig und wirft mehr ethische Fragen auf als die Nutzung von Tieren, die für diesen Zweck gezüchtet wurden. Müssen es so viele Tierversuche sein? Nein, ganz sicher nicht. Müssen die Versuchstiere schlecht gehalten und behandelt werden? Auch ganz sicher nicht. Aber nach meinem Verständnis werden wir sie ebenso weiter brauchen, wie wir andere Nutztiere zum Leben brauchen. Zurück ins Mittelalter will doch niemand wirklich, wo es nur und ausschließlich Geistheilung und Kräuter gab.

Oder doch?

Bildquelle: Matej Kastelic / thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 24.06.2015.

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