Empfängnisverhütung

13.06.2015
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Nach dreizehn Schwangerschaften bittet eine Patientin um Sterilisation. Kein Thema, warum erst jetzt, könnte man meinen...

Eine Mutter von zwölf Kindern stellt sich vor, müde, ausgelaugt. Acht der Kinder leben noch, die anderen sind gestorben. Sie ist vierzig Jahre alt und zum dreizehnten Mal schwanger, hat aber seit drei Tagen Blutungen.

Im Ultraschall ist kein Kind mehr zu sehen, nur noch Blutgerinnsel, Gewebereste. Wir planen die Ausschabung, damit die Blutungen aufhören. Sie fragt, ob sie sich hier sterilisieren lassen könne. Die Gynäkologin verneint. Nur im Rahmen eines Kaiserschnitts, da werde das elastisch gehandhabt. Wir seien ja ein katholisches Krankenhaus. Hier werde keine Empfängnisverhütung angeboten. Auch keine Kondome. Sie sei auch ganz froh darüber, die ganze Familienplanung verschlinge viel Beratungszeit. Sie lacht.

Vorsichtige Anfrage meinerseits. Warum so streng – alles oder nichts? Warum keine individuellen Lösungen?

Wer seien wir denn, meint sie, Afrika die Empfängnisverhütung als Problemlösung anzubieten? Als weißer Mensch zu denken, dieser Kontinent könne nach unseren Vorstellungen funktionieren? Ob nun zwölf oder dreizehn Schwangerschaften – sei das wesentlich?

Einwand meinerseits: Ist nicht aber ein rigoroses ‚Nein‘ zu diesem Thema auch eine Art von Bevormundung? Ist nicht die Beratung zur freien Wahl eine menschengemäßere Variante? Wohl gemerkt, es geht hier nicht um Schwangerschaftsabbruch, sondern erstmal nur um Empfängnisverhütung? Und, noch in einem stillen Nebensatz erwähnt, es gibt Möglichkeiten, reichlich, vor den Toren des katholischen Krankenhauses, in vielen kleinen Gesundheitsstationen. Aber man muss sie bezahlen. Und manche sind nicht ungefährlich.

Stunden-, tage-, wochenlang könnte man darüber streiten...

Bildquelle (Außenseite): Karyn Christner, flickr / CC by

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.06.2015.

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Jan
Zum Glück gibt es jetzt FP 2020(Familienplanung 2020) über 200 Millionen Frauen haben kein Verhütungsmöglichkeiten.Die Bill Gates Stiftung will dies ändern bis 2020.Nocxh eine Frage ,wieso wurde der Mann nicht vasektomiert(sterilisiert)?Ich bin seit 10 Jahren sterilisiert,ein Minieingriff.Danach weiterhin super Libido.
#8 am 13.02.2016 von Jan (Gast)
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Gast
Wenn die Patientin, die die vielen Schwangerschaften offenkundig bereits krank machen, von sich aus darum bittet, kann ja wohl nicht die Rede davon sein, dass Weiße versuchen, Afrikaner nach ihren Vorstellungen funktionieren zu lassen!
#7 am 30.06.2015 von Gast
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Gast
wir gleichen das ja in Deutschland mit zu wenig Kindern aus, die können dann alle rüberkommen.
#6 am 17.06.2015 von Gast
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Gast
der katholischen christlichen Kirche geht es doch immer nur ums Geld,und sonst nichts.Was haben die denn mit Nächstenliebe zu tun?Oder mit den Problemen anderer? Die doch nicht,der Eingriff würde Geld kosten und die Kinder die nicht geboren werden,zahlen dann keine Kirchensteuer..........bin nicht in diesem Verein und habe die Kirche ebenfalls verlassen.
#5 am 16.06.2015 von Gast
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Roland Polaczek
Ja, da darf man wirklich mal die Frage stellen, welche Religion hier rückständig ist!!!
#4 am 16.06.2015 von Roland Polaczek (Gast)
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Gast
Sie ist 40 ,nicht 14 Jahre alt...
#3 am 16.06.2015 von Gast
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Gast
Wie kann man denn mit 14 Jahren 8 Kinder ausgetragen haben? Laut Bericht leben ja 8 noch. Das ist unvorstellbar. Aber sie war ja 13mal schwanger. Wann soll sie das erste Kind bekommen haben? Mit 6 Jahren?
#2 am 16.06.2015 von Gast
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Kinderarzt
tja, und das ist einer der Gründe, warum ich mich entschieden habe, die katholische Kirche zu verlassen... Ende der Diskussion für mich... hilft der armen Frau aus dem Artikel erstmal aber auch nicht weiter, leider :-(
#1 am 15.06.2015 von Kinderarzt (Gast)
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