Irland und die 'Homo-Ehe'

26.05.2015
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Schon erstaunlich, dass die Bevölkerung der Irischen Republik klar und mit eindeutiger Mehrheit von 62 zu 38 Prozent in einer Volksabstimmung f ü r die Gleichstellung von Homo-Ehen mit heterosexuellen Eheschließungen votierte. Was könnten die Gründe und sozialpsychologischen Erklärungsmuster dafür sein?

Die Republik Irland hat neben der katholisch geprägten Stammbevölkerung der Provinz Ulster (Nordirland-GB) eine der höchsten Geburtenraten in ganz Europa. Als ich früher oft 2 x jährlich in Westport/Clew Bay und später bei Sneem/Ring of Kerry war (unser Sohn und seine Freundin studierten in Dublin und Galway), fiel der Kindersegen im Vergleich zu Deutschland immer wieder auf.

Sozialpsychologisch ist das vielleicht der Grund, weshalb sich das Blatt auf einer so katholisch geprägten Insel (striktes Abtreibungsverbot - mit entsprechendem Tourismus nach GB) gewendet hat: Etwa jeder 10. Mensch outet sich irgendwann in seinem Leben in homosexueller Orientierung; die Transsexualität ('wrong body syndrome') ist wesentlich seltener. Aus meiner allgemeinmedizinisch-hausärztlichen Praxis kann ich das nur bestätigen.

Wenn nur 2 Nachbarfamilien jeweils 5 Kinder haben (in Irland durchaus typisch), dann teilen alle diese 14 Menschen die persönliche Erfahrung von Homosexualität, egal ob männlich oder weiblich, in ihrem unmittelbaren sozialen Nahbereich. Und dort kann sich im G e g e n s a t z zu Vereinzelungs- und Vereinsamungstendenzen (!) reproduktionsmäßig gestörter post-industrieller Gesellschaften eine unmittelbare Erfahrung von Toleranz, Offenheit, Legalisierungswunsch und Menschenrechts-Bewusstsein entwickeln, der a l l e n Menschen unabhängig von Rasse, Klasse, Herkunft, sexueller, emotionaler, ethisch-sozialer oder religiöser Orientierung die Möglichkeit einer gleichberechtigten eingetragenen Partnerschaft gibt. So einfach ist das!

Bildquelle (Außenseite): Brian Mullender, flickr

Bildquelle: Irisches Hochland bei Killarney © Praxis Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.06.2015.

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Gast
Da ja kein "westlicher Mensch" Homosexualität verbietet, geht es doch nur wieder scheinheilig um finanzielle Privilegien, also auf Deutsch bei uns das "Ehegattensplitting". Es beruht auf den Grundgesetz des "Schutzes der Familie" einzig und allein als ein Minimalausgleich für die gesellschaftlich NOTWENDIGE Kindererziehung. Ehegattensplitting (einschließl. "Versorgungsausgleich" hat keinerlei gesellschaftliche und damit moralische Rechtfertigung für kinderklose Paare. "Alleinerziehung" ist schon eine Belastung für das Kind, Homoeltern eher noch schlimmer. Wenn auch nicht verboten, dann keines falls förderberechtigt. mfG
#11 am 31.05.2015 von Gast
  15
@ #7 Dr. Klaus Umbreit: Etwas Ähnliches habe ich mir bei Ihrer vorausgegangenen Diktion schon gedacht - einfach sinn-frei "Nietzsche" in den Raum werfen und fertig? Doch Ihr Philosoph konnte bei mir nur zu Pennäler-Zeiten meine Sinne kurz benebeln. Steht er doch in einer Reihe mit Charles Mackay's "Ungewöhnliche populäre Irrtümer und Massenwahn" (1841); Henry David Thoreau's "Die Masse erreicht niemals das geistige Niveau ihres herausragendsten Mitglieds, sondern sinkt vielmehr auf das unterste individuelle Niveau in ihren eigenen Reihen"; Thomas Carlyle's "Ich glaube nicht an die kollektive Weisheit individueller Ignoranz". Friedrich Nietzsche selbst toppte das Ganze noch mit: "Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes - aber bei Gruppen die Regel"!
#10 am 31.05.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  2
Diese elitären, anti-demokratischen Philosophien von genialen Führern, Denkern und Lenkern vs. "dämlichem" Plebejer-Volk (vgl. Bertold Brecht „Die Plebejer proben den Aufstand“) sind mit ihren Menschenrechts-, Frauen-, Gruppen-, Religionen- und Demokratiebewegungen-verachtenden Grundeinstellungen Wegbereiter für Nationalsozialismus, Despotismus, Diktaturen, Völkermord und Vertreibung Andersdenkender geworden. Die Philosophie Nietzsches ist und bleibt mit einer gewissen "Herren-Menschen"-Kultur verwoben.
#9 am 31.05.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  2
UroDoc
Die antiquierten Ansichten von Herrn Umbreit ermöglichen es, dass von einigen Homosexualität immer noch als quasi therapierbare Störung/Krankheit angesehen wird mit verheerenden psychischen Folgen für die Betroffenen, die sich einer solchen "Umerziehung" unterwerfen. Der Volksentscheid der Iren kann ein Schritt dahin sein, Homosexualität als das zu sehen, was sie ist: eine normale Variante der sexuellen Orientierung.
#8 am 31.05.2015 von UroDoc (Gast)
  2
Die Antworten finden Sie bei Nietzsche. (Oder wollen Sie den auch "niedermachen"?) Darüber hinaus erübrigt sich jeder Kommentar.
#7 am 31.05.2015 von Dr. Klaus Umbreit (Arzt)
  8
@ #4 Dr. Klaus Umbreit (Arzt): 'Wer lesen kann ist klar im Vorteil!' - Sorry, Kollege Umbreit, wenn ein Kommentator wie #2 Dr. rer. nat. Jürgen Boxberger (Biologe) auch noch im Konjunktiv wörtlich schreibt: "Ich würde sagen, der Volksentscheid ist ein Ausdruck kollektiver Weisheit." Dann ist das noch lange kein Grund, den Kollegen so apodiktisch niederzumachen - vielleicht weil er (nur?) Biologe ist?? Denn wenn Sie Ihren Leitsatz: "Lieber Herr Doktor! Es gibt keine "kollektive Weisheit"!" auch nur ansatzweise literarisch oder wissenschaftlich belegen könnten, hätten Sie es doch getan - oder?
#6 am 30.05.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  2
Beim ersten Kommentar #3 von Dr. Klaus Umbreit fällt eine eher antiquierte, eindimensional-freudianische Kausalitätsbezogenheit mit der Erklärung, "Die Homosexualität ist erst einmal eine narzisstische Orientierung", auf. Denn das wäre eine sexuell rein Ich-bezogene Störung mit übersteigerter Selbst-Liebe, ohne auf Bedürfnisse der Partner/Partnerinnen emotional schwingungsfähig eingehen zu können (Freud'sches Triebmodell vs. Interaktionsmodell). Auch kennen fast alle Iren, die per Volksabstimmung für oder auch gegen die Gleichstellung gestimmt haben, die aus verstaubten viktorianischen, großbürgerlich-dekadenten Zeiten stammende Institution "Kindermädchen" gar nicht mehr. Dass "das Kindermädchen dem kleinen Jungen durch Manipulationen Lustgefühle entlockt" entspricht nicht der sozialpsychologischen Realität bio-psycho-sozial-sexueller Entwicklungs- und Reifungstheorien bzw. –Forschungen, sondern gehört bei allem Respekt vor den Forschungsleistungen in die Freud’sche Mottenkiste. Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
#5 am 30.05.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  1
zu #2 Lieber Herr Doktor! Es gibt keine "kollektive Weisheit"!
#4 am 30.05.2015 von Dr. Klaus Umbreit (Arzt)
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Die Homosexualität ist erst einmal eine narzisstische Orientierung. Das "Erwachen" der Sexualität als eine Art der Kommunikation ist meistens durchaus auf Gleichgeschlechtlichkeit bezogen. In einigen Fällen frühkindlichem Sexualempfinden können Abweichungen vorliegen (z. B. wenn das Kindermädchen dem kleinen Jungen durch manipulationen Lustgefühle entlockt), so dass früh eine verstärkte Heterosexualität programmiert wird. Von der naturgemäßen Gleichgeschlechtlichkeit findet dann in der Adoleszenz eine Umorientierung statt. Im Sexualzentrum ist genetisch keine Homosexualität "vorgesehen". Wenn die ersten Lusterlebnisse (meist bei früher Genital-Ausbildung) in die Zeit der physiologischen Gleichgeschlechtlichkeit fallen, so ist ein homosexueller Werdegang im Bereich des "Normalen". Gesellschaftlich wird abzuwarten sein, ob eine Kindererziehung bei gleichgeschlechtlichen Paaren die heterosexuelle Entwicklung behindert.
#3 am 29.05.2015 von Dr. Klaus Umbreit (Arzt)
  16
Ein ganzes Volk mit Geistesgestörten gleichzusetzen traut man sich wohl nur aus der Anonymität heraus. Ich würde sagen, der Volksentscheid ist ein Ausdruck kollektiver Weisheit. Aus Sicht der Biologie ist Homosexualität bei Menschen wie übrigens auch bei vielen Tierarten "normal". Jeder Mensch ist organisch zunächst Männlein und Weiblein zugleich. Die entsprechenden Organvorstufen sind bereits embryonal angelegt. Es ist also nicht so , dass "Gott das nicht gewollt" hätte, wie in der ultrareligiösen Ecke behauptet wird (in deren Reihen es ebenfalls von Gott angeblich nicht gewollte Homosexuelle gibt). Nehmen wir es doch einfach als Biodiversität, als Vielfalt des Lebens. Es könnte alles so entspannt und locker sein ohne weltanschauliche Scheuklappen und religiöse Denkverbote. Danke, Herr Schätzler, für dieses nötige Stück Aufklärung.
#2 am 29.05.2015 von Dr. rer. nat. Jürgen Boxberger (Biologe)
  1
Gast
Die Iren entscheiden wie die Irren, bei aller Toleranz wohin soll das noch führend?
#1 am 28.05.2015 von Gast
  47
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