Glücksspiel mit der Gesundheit

26.05.2015
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Immer mehr versuchen via Internet an (rezeptpflichtige) Medikamente zu kommen. Die Gründe dafür sind vielfältig: manchen ist es zu peinlich dafür vorher zum Arzt zu gehen, oder sie wollen sparen: Geld oder Zeit. Dass das arg auf Kosten der Gesundheit gehen kann, scheinen immer noch viele nicht zu wissen.
Eigentlich sollte einem ja die eigene Vernunft sagen, dass da etwas nicht stimmen kann, wenn man einfach so (und soviel man will) rezeptpflichtige Medikamente ohne Arztrezept zu “Schnäppchenpreisen” per Knopfdruck bestellen kann. Aber … die Menge der am Zoll dann beschlagnahmten und untersuchten Produkte zeigt, dass das nicht so ist.
Geschätzte 95% der abgefangenen Medikamente sind Fälschungen. Und die können echt allesenthalten. Als Beispiel dieses Bild (von Pfizer, via Dr. Schweim) von Ponstan Tabletten:

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Hier mal: keinerlei Wirkstoff, stattdessen Borsäure, gefärbt mit gelber Strassenfarbe (bleihaltig) und Überzug mit Fussbodenwachs. Fein. Wie gesagt, da kann alles drin sein – auch Wirkstoffe, die man wegen übler Nebenwirkungen ausser Handel genommen hat, manchmal auch gar nichts, manchmal tatsächlich der richtige Wirkstoff – nur in der falschen Dosierung … deshalb nenne ich es ein Glücksspiel mit der Gesundheit.
Der österreicherische Apothekerverband hat aktuell dazu auf facebook eine Aktion laufen, die man verfolgen kann: Fakes don’t care (But we do).

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.06.2015.

12 Wertungen (4.33 ø)
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Pharmazie
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Ka-Eff
Frau Sander, wenn ich nicht den Weg zum Onkel/zur Tante Doktor wähle, kann das verschiedene Gründe haben. Entweder, ich kriege das Medikament (oft aus sehr gutem, nachvollziehbarem Grund) nicht verordnet oder es geht um ein "grünes" oder "blaues" Rezept, für das Kostenträger i. d. R. nicht aufkommen. Machen Sie sich doch einfach mal kundig, was der Zoll so in Internationalen Postzentren aus dem verkehr zieht. Entweder geht es in den Lifestyle-Bereich oder es geht um private Off-Label-Use der illegalen Art. Florian Jacobi hat das schon ganz toll erklärt. Und das machen sich dann die "ganz schwarzen" Schafe zunutze, die aus "sicheren" Ländern irgend etwas verschicken. Wenn ich nicht ein paar mal in der Woche eben solche dubiosen Angebote über Potenzpillen, Wunder-Abnehmmittel usw. mit blumigsten Versprechen per Spam-Mail erhalte, dann stimmt was nicht... Sie verstehen?
#7 am 02.06.2015 von Ka-Eff (Gast)
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Nachtrag: Ein zweiter nicht weniger wichtiger Punkt ist die Scham und/ oder die Bequemlichkeit der Käufer. Natürlich ist es viel einfacher, diese Medikamente anonym von daheim zu bestellen, als mit seinem Leiden zum Arzt und dann noch in die Apotheke zu gehen - für mich absolut nachvollziehbar, und wäre ich nicht vom Fach würde ich sicher auch darüber nachdenken. Dass der Laie in der Regel völlig unbedarft bestellt und eine echte online Apotheke nicht von einer falschen unterscheiden kann, kann man ihm nicht vorwerfen. Die Freigabe zum Handel mit Medikamenten im Internet wird von den Profitierenden propagiert und gefördert.
#6 am 29.05.2015 von Florian Jacobi (Apotheker)
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@Frau Sander: Ich verstehe Ihre Frage so, dass Sie sich wundern, warum der Patient nicht den Weg über die Apotheke wählt, da muss er ja im besten Fall nur eine Zuzahlung zu einem sonst viel teureren Medikament leisten. In vielen Fällen (ich denke, in den 1. Welt Ländern sogar in fast allen Fällen) werden im Internet eher die Lifestyle Medikamente bestellt, also Gewicht verlieren, Genitalien stärken, Haupthaar auffüllen, diese Geschichten. All das gibt es zwar auf Rezept, muss aber voll bezahlt werden, da diese Medikamente natürlich, außer in bestimmten Sonderfällen, weder von gesetzlichen noch von privaten Krakenkassen übernommen werden.
#5 am 29.05.2015 von Florian Jacobi (Apotheker)
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@Ka-Eff: Ich glaube sie haben mich missverstanden! Das ist mir mehr als klar! Ich verstehe nur nicht, warum man versucht Medikamente anderweitig zu besorgen, wo das schon ordentlich "in die Tasche geht"! Das wären dann höchstens Medi-Junkies, die sich des illegalen Geschäftes bedienen! Und bei Online- Apotheken kann man rezeptpflichtige Medikamente auch nur mit Rezept bekommen!" Schnäppchenpreise"...das scheint mir weit hergeholt...gewisse Medikamente ( gerade Schmerzmittel ) sind doch viel teurer für besagte Patienten...besonders auf irg. ominösen Seiten! Im Ausland ( Holland und wo auch immer) funktioniert das natürlich anders! Aber da bekommt man soweit ich weiß nicht alles ohne Rezept...ansonsten bedarf ich der Aufklärung! Ist schon unverantwortlich genug, dass hochpotente Schmerzmittel über die Ladentheke wandern...und das sogar in Drogerien! Habe es selbst in Nordholland gesehen!
#4 am 27.05.2015 von Marie Sander (Studentin der Pharmazie)
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Ka-Eff
Frau Sander, normalerweise gibt es für den Patienten Rezeptpflichtiges in D nur auf Rezept und aus entsprechender Quelle. Alles andere erfüllt irgend einen Straftatbestand (Arzneimittelrecht, Chemikalienrecht, Ausenhandelsrecht usw.).
#3 am 26.05.2015 von Ka-Eff (Gast)
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?? Normalerweise sind rezeptpflichtige Medikamente doch im Internet wesentlich teurer für den Patient...
#2 am 26.05.2015 von Marie Sander (Studentin der Pharmazie)
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Ka-Eff
Eigentlich tendiert man jetzt zu Aussagen mit dem Tenor, dass Geiz Verstand vernichte, man gefälligst bei "zuverlässigen Quellen" und vor Ort einkaufen solle, usw. usf. etc. pp. Dumm nur: Hier in Deutschland sind auch schon Fälschungen in Apotheken aufgetaucht. Dies ist aber nicht den Apothekern oder deutschen Großhändlern bzw. den Herstellern anzulastenn. Das Deutsche Sozialrecht zwingt (oder zwang) Apotheker mit § 129 Abs. 1 Nr. 2 SGB V unter gewissen Umständen zur quotierten Abgabe von (Re)Import-Medikamenten. Somit ist der gewöhnliche und bisher noch zuverlässige Vertriebsweg Hersteller (- Großhandel) - Apotheke - Patient unterbrochen worden und "Dreck" in Verkehr gekommen (allerdings glücklicherweise dann doch nicht beim Patienten gelandet). Inzwischen sind wohl Packungen mit eindeutigen Codes versehen, die ein in Verkehr kommen falscher verhindern. Also, bleiben wir aufmerksam!
#1 am 26.05.2015 von Ka-Eff (Gast)
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