Komplikationen von Intimpiercings

19.05.2015
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Genitale Piercings haben in den letzten Jahren an Popularität gewonnen: 1-3% aller Erwachsenen sollen derartigen Intimschmuck tragen. Daher wird auch der Urologe immer häufiger mit diesem Phänomen und seinen Folgen konfrontiert.

Die eingeborenen Stämme Borneos und der Philippinen sollen die Erfinder des Apallang sein, einen oberhalb der Harnröhre quer durch die Glans verlaufenden Piercings, dessen Ursprung unbekannt ist. Möglicherweise lag der Wunsch nach einer Penisvergrößerung mit dem Ziel zugrunde, die Partnerin stärker sexuell zu stimulieren. Doch während in diesen Ländern im Zuge christlicher und muslimischer Missionierung die Praxis des Intimpiercings zurückgegangen ist, hat dessen Popularität in der westlichen Zivilisation zugenommen und ist längst keine kulturelle Randerscheinung mehr.

Die persönlichen Gründe, sich piercen zu lassen, sind vielfältig: Der Wunsch nach sexueller Befriedigung und Einzigartigkeit gehören wohl zu den häufigsten. Mit zunehmender Verbreitung wurde die Technik in den vergangenen Jahren auch sicherer, zumal das Bewusstsein der Kunden über die Risiken geschärft wurde. Im Mittel sind die Kunden 28 Jahre alt und haben sich häufig ein Jahr oder sogar länger mit ihrer Entscheidung Zeit gelassen.

Nichtsdestotrotz treten immer wieder Komplikationen auf, angefangen mit Infektionen, Blutungen, allergischen Reaktionen und Nervenverletzungen über Narbenbildungen (z.B. Urethrastrikturen), sexuellen Missempfindungen, Ausreißen des Piercings oder Harnröhrenperforationen (z.B. durch Durchwanderung) bis hin zur Fournier-Gangrän und in seltenen Fällen Plattenepithelkarzinomen. Es wird geschätzt, dass die kumulative Komplikationsrate von Intim- und Brustwarzenpiercings bei bis zu 10-15% liegt. Leider wird bei Auftreten von Problemen häufiger erst der Piercer, das Internet, der Rat von Freunden oder der "gesunde Menschenverstand" konsultiert, bevor der Arzt aufgesucht wird.

Gründe hierfür sind wahrscheinlich falsch verstandene Scham, Zweifel an der Fachkompetenz des Mediziners auf diesem speziellen Gebiet, der Wunsch, das Piercing nicht entfernen zu müssen, sowie Angst vor Vorwürfen.

Tatsächlich kann es bei einem infizierten Piercing sinnvoller sein, dieses in situ zu belassen, da es wie eine Art Drainage funktionieren kann. Auch kann eine lokale Entzündung ohne eitrige Sekretion schwer von einer Allergie zu unterscheiden sein. Trotzdem kann es hilfreich sein, sich als Arzt mit den üblichsten Verschlussmechanismen von Piercingschmuck auszukennen, um ihn im Notfall nicht zwangsläufig zerstören zu müssen. Doch auch vor ärztlichen Eingriffen müssen Piercings nicht in jedem Fall entfernt werden, da der Kanal sich binnen Stunden, manchmal sogar schneller verschließen kann.

Bildquelle (Außenseite): Priscila Guimarães, flickr

 

Bildquelle: „Prince Albert piercing“ von Orbiterdictum at en.wikipedia

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.06.2015.

83 Wertungen (4.42 ø)
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M. Köhler
genau diese Statements von Vorverurteilung, in diesem Beispiel von Herrn Graf sind es die Geschädigte davon abhalten einen Arzt zu konsultieren. Ich muss die Beweggründe für das Handeln einer Person im einzelnen nicht verstehen, und ich muss diese Meinung auch nicht teilen, aber ich habe sie zu respektieren und zu akzeptieren! Das ist die Grundordnung unserer Freien Gesellschaft.
#7 am 13.09.2016 von M. Köhler (Gast)
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Intimpiercings sind eine ziemlich sinnlose und kontraproduktive Angelegenheit, glaube ich. Man sollte den Menschen generell von so etwas abraten.
#6 am 30.06.2015 von Michael Heins (Arzt)
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S. Graf
"De gustibus non est disputandum" - aber es ist sehr traurig, wenn (wohl nur kalendarisch) erwachsene Menschen nach einem Jahr der Entscheidungsfindung immer noch dumm genug sind, sich piercen (oder auch tätowieren) zu lassen: Besonders tiefgehend können die Recherchen jedenfalls nicht gewesen sein, sonst würde das Risikobewustsein über das fragwürdige Schönheits- bzw Sexualideal die Oberhand gewinnen. Mein Mitleid hält sich daher in engen Grenzen. "Wenn´s der Kuh zu wohl wird, geht sie auf´s Eis" - Piercings und Tattoos sind in unserer Gesellschaft hässliche Wohlstands-Insignien.
#5 am 28.05.2015 von S. Graf (Gast)
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DocCheck News Redaktion
Liebe Leser, vielen Dank für Ihre Kommentare. Bitte beachten Sie jedoch die Netiquette und diskutieren Sie sachlich und themenbezogen. Ihre DocCheck News Redaktion
#4 am 27.05.2015 von DocCheck News Redaktion (Gast)
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Gast
Also dafür dass dies hier eine med. Fachseite sein sollte, lässt die Ausdrucksweise nicht auf höheren Bildungsstand der Kommentatoren schliessen. Ihr seid wohl auf der falschen Seite gelandet!!! Sehr schade!!!
#3 am 26.05.2015 von Gast
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Gast
zu #1 weißt du denn nicht, was Piercing an diese Körperstellen heißt? Bitte nur gucken, berühren verboten! Das wird immer mehr.
#2 am 26.05.2015 (editiert) von Gast
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Michael
Text von der Redaktion gelöscht.
#1 am 26.05.2015 (editiert) von Michael (Gast)
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