Ist es das richtige?

11.05.2015
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Diese Frage kam vor ein paar Tagen auf Facebook bei einer anderen Apothekerin auf:

Scheinbar gesunde Frau kommt mit Rezept über Cefuroxim 500 12 Tbl.


”Soll es für die Blase sein?” frage ich.


“Nein, meine Beine sind so schlapp. Ich habe einen grippalen Infekt.” antwortet die Frau.


“Haben Sie auch Fieber oder andere Beschwerden?”

“Nein, nur müde Beine.”

Ich bin jetzt echt sprachlos, was soll man da Beraten??????
 “Der Doktor hat Ihnen großen Mist aufgeschrieben. Ich empfehle Ihnen ….. “ geht ja nun auch nicht.

Kleine Erklärung vorneweg für medizinische Laien: Cefuroxim ist ein Breitband-Antibiotikum. Es wirkt gegen Infektionen mit Bakterien. Gegen Viren wie bei den meisten Erkältungen nützen sie auch gar nichts. Es sollte nur eingesetzt werden, falls wirklich nötig – und nach Möglichkeit auch spezifisch gegen empfindliche Bakterien.  Der Grund dafür ist auch, dass sich Resistenzen bilden können – dann wirkt das Antibiotikum irgendwann nicht mehr. Als Antibiotikum hat es auch klassische Nebenwirkungen, da es häufig nicht nur die Bakterien kaputt macht, die es bekämpfen soll, sondern auch die, die nützlich für uns sind – zum Beispiel im Darm. Darum gibt es häufig Durchfall. Oder die in der Vaginalflora, darum gibt das nach Antibiotikumgabe gelegentlich Pilzinfektionen dort. In keiner Packungsbeilage wird sich aber finden, dass das gegen müde Beine wirkt. Und vom Wirkmechanismus her ist es auch nicht „off label“ dafür sinnvoll einzusetzen.

Also zurück zum Fall: Der Arzt verschreibt etwas, das keinen Sinn macht / nicht für diese Anwendung zugelassen ist … und in der Apotheke wird das bemerkt. Da gäbe es noch mehr Beispiele: Hustenmittel, obwohl kein Husten vorhanden, sondern nur Halsschmerzen, Tamsulosin (Mittel gegen benigne Prostatahyperplasie) bei einer Frau oder Silbertraubenkerzenextrakt (Mittel in der Menopause) bei einem Mann …

Wie soll man reagieren?

Man will ja nicht den Patienten gegen den Arzt aufhetzen. Oder den Arzt gegen die Apotheke aufbringen. … das spiegelt sich dann in Kommentaren der Apotheker wieder wie:

Den Doc muß ich dafür nicht anrufen. Der meint das schon ernst.

Und der Arzt blafft einen dann an “Ich hab mir schon was bei der Verschreibung gedacht”…. Danke für das nette Gespräch!

Ja, der Arzt hat das Verschreibungsrecht. Ja, er hat sich dabei wahrscheinlich etwas gedacht. Es gibt so etwas wie “off label use”  – das Tamsulosin zum Beispiel wird gelegentlich bei Harnsteinen auch bei Frauen eingesetzt, damit die besser abgehen. Vielleicht hat er auch nur etwas aufgeschrieben, weil der Patient unbedingt etwas wollte – und es einfach nichts gescheites gibt. Dann ist das wohl eine Art modernes Placebo.

Aber ich finde in so einem Fall, wo auffällt, dass Medikament und für was es wirken soll (die Indikation) einfach nicht zusammenpassen, da sollte die Apotheke den Arzt anrufen und nachfragen. Dafür sind die Apotheken da. Wir sind nicht nur Medikamentendispenser, wir sind medizinische Fachpersonen und unsere Aufgabe ist es sicher zu stellen, dass das richtige Medikament beim richtigen Patient landet und richtig angewendet wird. Das 4 Augen Prinzip hat seinen Grund.

Und ich finde, wenn der Arzt sich dabei was gedacht hat – dann kann er uns das „was“ ja auch sagen. Oder?

Das ist meine Meinung. Aber jetzt hätte ich gerne Eure Meinung dazu – in 3 kleinen Umfragen:

Eine für Apotheker / PTA / Pharmaassistentinnen und  Eine für Patienten

hier:  http://pharmama.ch/2015/05/11/ist-das-das-richtige/

und

Eine für Ärzte (was empfindet ihr dabei): hier abstimmen:  

http://pharmama.ch/2015/05/11/wie-empfindet-das-der-arzt/

Abstimmen noch bis  nächsten Montag möglich.

Artikel letztmalig aktualisiert am 21.05.2015.

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Pharmazie
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Gast
Gast#12 ich bin gegen das schon krankhafte Ärzte-bashing auch hier auf docCheck. Und der "moralische Unterton" dabei von Laien ist wirklich das letzte. In den Nachrichten der Tagesschau ARD konnte man gestern hören, wieviel "Verdacht" auf Ärztefehler die Kostenträger 2014 wieder festgestellt hatten, mit 2-maliger Erwähnung, dass die Dunkelziffer erheblich höher sei. Richtig formulieret hätte die Meldung lauten müssen: Dass der Verdacht auf ärztliche Fehler in den ganz überwiegenden Fällen falsch gewesen ist. Und bei den Antibiotika ist das nicht anders!!! Ich habe mindestens so viel Bekannte und Erfahrung mit Ärzten wie Sie, da das zufällig mein Beruf ist.
#13 am 21.05.2015 von Gast
  3
Gast
Bin Patient in Deutschland. Ich habe meinem jetzigen Hausarzt (meine alte Ärztin ging in Ruhestand) zu Beginn unserer Beziehung extra gesagt, dass ich nicht wegen einer Krankschreibung zu kommen pflege (das sage ich dann schon, wenn ich mich arbeitsunfähig fühle) und auch nicht um bei jedem (viralen, fungiziden, bakteriellen) Pipifax ABs haben möchte. Wir verstanden uns auf Anhieb. Ich weiß auch aus meinem Bekannten- und Verwandtenkreis, wie schnell und unnötigerweise ABs verordnet werden, weil (insbesondere bei Privatpatienten) sich sonst die Patienten nicht ausreichend betüttelt fühlen. Ich kenne die Probleme, dass Patienten oft nach ABs "verlangen" auch von befreundeten Ärzten und Apothekerinnen. Die ABs werden dann auch oft nur den ersten Tag eingenommen - ganz toll. Allgemein: ich bin für jeden (egal ob Arzt, Apotheker, ...) dankbar, der aufmerksam ist und Fehler anderer (auch von mir) bemerkt und schlimmeres verhindert.
#12 am 21.05.2015 von Gast
  1
@Arzt(Gast) Danke. Auch für die Erläuterungen. Ich wollte hier nicht einen Fehler "breittreten" (das mit dem Antibiotikum war nur ein Beispiel), eher auf ein Kommunikationsproblem aufmerksam machen, das zwischen Apotheke und Arzt auftreten kann .. und das hauptsächlich selbstgemacht ist durch negative Reaktionen auf Anrufe - und die daraus folgenden negativen Gefühle auf beiden Seiten, die in der Zukunft Anrufe, naja, erschweren.
#11 am 19.05.2015 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
  1
Arzt
Ergänzung, jedenfalls ist ein freundliche Anruf immer eine gute Idee, ich würde mich als Arzt darüber freuen :-)
#10 am 19.05.2015 von Arzt (Gast)
  0
Arzt
"Pharmamama" war ein Verschreiber, Ehrenwort, ich entschuldige mich dafür. Und vermutlich hat der Kollege mit dem Rezept einen Fehler gemacht, aber warum noch breittreten??? Ist das so schwer zu verstehen? Ihr Eindruck ist imho falsch (populistisch), ich habe wirklich mehrfach erlebt, gerade bei Kindern, dass heute ZU WENIG gegeben wird. Und dass Ärzte UND Apotheker gemeinsame Feinde haben. Ich kennen persönlich keinen Dr. der wegen einem "banalen Infekt", der oberen Luftwege, Schnupfen etc. Antibiotika gibt. Und es ist nicht besonders schwer einen serösen "Katarrh" von einem deutlichen Eiterfluss zu unterscheiden und auch bei der Volkskrankheit COPD, also Menschen, die z.-T. schon die Sauerstoffflasche brauchen, gibt es oft fast dramatische Besserung wenn man mal ein Antibiotikum gibt. Und hier muss es schon Cefuroxim sein, denn z.B. die häufigen Moraxella-Kokken in den Bronchien sind schon primär zu 90 % auf Penicilline resistent. Gruß
#9 am 19.05.2015 von Arzt (Gast)
  0
@Gast 3: ich weiss nicht, ob die Frage von einem Apotheker kommt. Wenn, dann würde mich das wundern. Wir haben etwas mehr Stunden in der Ausbildung was Rezeptierende angeht als die Ärzte selber (und in Deutschland wegen den unendlich vielen gesetzlichen und Krankenkassen-Vorgaben, die an ein Rezept gestellt werden noch mehr, schätze ich). Dass die Dosierung auf die Packung des Kunden direkt drauf gehört unterstütze ich vollständig! Die Packungsbeilagen heute sind ja wirklich abschreckend.
#8 am 18.05.2015 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
  1
@ Gast 4: So ist das heute - wir werden mit Informationen bombardiert, richtigen und falschen - und die Leute haben zunehmend Mühe, da die richtigen / korrekten herauszupicken. Auch die Antibiotikadiskussion ist schon lange kein interner Streit mehr - und es ist auch ganz sicher keiner zwischen Apotheker und Arzt. Richtig: es werden nicht mehr so viele Antibiotika unnötig verschrieben -aber es gibt das immer noch von einzelnen Ärzten. Oft auch (ich verstehe das) weil sie einknicken und das Patientenwunsch ist. Das einfach als nichtexistent abzutun halte ich auch für falsch. Das "Pharmamama" zeigt mir übrigens deutlich genug wer sie sind :-) - der Name ist Pharmama.
#7 am 18.05.2015 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
  1
Reichlich (leider) DocCheck-üblich Hetz-Kommentare. Schade. @ Gast 5: Nein, ich bin nicht drauf angewiesen, als Apothekerin und auch sonst nicht - das ist ein Privatblog. Was bedeutet denn hier schon angewiesen? Bekomme ich Geld dafür? Huh? Mehr Patienten?
#6 am 18.05.2015 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
  1
Gast
Seit wann macht man eine Laienabstimmung über eine medizinische Frage, sind Sie als Apothekerin darauf angewiesen?
#5 am 17.05.2015 von Gast
  3
Arzt
In dieser Arzt- und Medizin- einschließlich Apotheken-feindlichen Zeit ist es völlig bescheuert, auch noch völlig überflüssigen "internen Streit" in die Öffentlichkeit zu tragen. deshalb ist Nr. #1 zuzustimmen. Ich bin ärztlich tätig und weis das diese lächerliche Laientrommelfeuer gegen Antibiotika ausgerechnet bei Humanmedizinern in Deutschland schon längst überflüssig ist, weil heute NICHT mehr zu viel davon verschrieben wird, bei Kindern eher zu wenig, die können sich ja nicht wehren. Und da muss nun so eine "Pharmamama" sich einen anonymen Fall aus facebook herauspicken um diesem falschen mainstream nachzulaufen. Die noch nicht einmal ein Rezept lesen kann.
#4 am 17.05.2015 von Arzt (Gast)
  5
Arzt
#2 Ist das tatsächlich die Frage eines Apothekers? Um Apotheker, die früher noch Rezepte selbst hergestellt haben, heute nicht zu überfordern, ist auch die Eingangsformel Rp. (recipe = nimm, oder man nehme), wovon das Wort Rezept abgeleitet ist, heute nicht mehr obligatorisch, da eh nur noch Fertigpräparate verkauft werden, allerdings MUSS Stückzahl oder Packungsgröße vermerkt sein (neben anderem) Das auch heute von mir noch verwendete "S." nach dem Medikament heist SIGNATUR und ist leider auch nicht mehr obligatorisch und ist eine Anweisung wie und wieviel der Patient nehmen soll: z.B. "1/2 Tablette zum Mittagessen". Diese Signatur muss der Apotheker auf die Packung schreiben und das dem Pat. ggf. noch einmal erklären, wenn es der Dr. noch nicht gemacht hat. Ich halte das eigentlich für unverzichtbar, sonst muss die wichtige Dosierung evtl. aus der ellenlangen juristisch formulierten Packungsbeilage mühsam herausgeraten werden. Freundliche Grüße
#3 am 17.05.2015 von Arzt (Gast)
  4
Gast
Was bedeutet denn das S.? Hatte auch schon einen Arzt der bei Penicillin V für das "V" eine (römische Fünf) gelesen hat.
#2 am 16.05.2015 von Gast
  3
Arzt
Was soll das petzen gegen ihre besten Kunden, wollen Sie sich wichtig machen? Was steht schon im facebook! Wenn ich einen Apotheker nach einem Mittel frage, sind sie meist ratlos. Was das S. unter einem Medikament bedeutet, wissen die meisten auch nicht mehr
#1 am 15.05.2015 von Arzt (Gast)
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