PR: Enddarmkrebs: Mehr Lebensqualität dank neuer OP-Technik

11.05.2015
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04.05.2015 - Chirurgen der Universitätsmedizin Mainz sind Vorreiter bei neuer OP-Technik – „Jens-Kirsch-Preis“ für Validierung der Methode.
                  

In Deutschland erkranken jährlich rund 20.000 Menschen an Enddarmkrebs. Dass der Tumor radikal entfernt und der Schließmuskel gleichzeitig erhalten werden kann, ist der große Wunsch der meisten Patienten. Der Erhalt eines funktionsfähigen Schließmuskels gelingt jedoch nicht immer. An der Universitätsmedizin Mainz kommt seit 2014 ein neues minimal-invasives Verfahren zum Einsatz. Hierbei entfernen Chirurgen den Enddarmtumor mit Unterstützung der Videoendoskopie. Bei allen bislang hierorts mit dieser Methode operierten Patienten ließ sich der Tumor vollständig entfernen und der Schließmuskel erhalten. Für ihre Erkenntnisse bezogen auf die neue sogenannte Hybrid-TAMIS TME-Methode erhielten die Chirurgen der Universitätsmedizin Mainz jetzt den „Jens-Kirsch-Preis“ der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie. TAMIS steht für transanale minimal-invasive Chirurgie, TME bezeichnet die Totale Mesorektale Exzision (Entfernung des Mesorektums).

 

Seit den 1980er-Jahren setzte sich weltweit eine OP-Methode durch, bei der der von Krebs befallene Enddarm zusammen mit dem ihn umgebenden Fett-, Binde- und Lymphgewebe (Mesorektum) in einem offenen Eingriff entfernt wurde. Das Risiko eines lokalen Krebsrückfalls ließ sich hierdurch erheblich senken. Diese als Totale Mesorektale Exzision (TME) bezeichnete operative Technik lässt sich mittlerweile minimal-invasiv durchführen. Das standardisierte Verfahren kommt in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Hauke Lang) seit 2008 zum Einsatz.

Bei bestimmten Patienten existieren allerdings Risikofaktoren, aufgrund derer sich ein Tumor mit der konventionellen TME-Technik oft nicht vollständig und zugleich schließmuskelerhaltend entfernen lässt. Zu diesen Risikofaktoren zählen: Adipositas, ein enges Becken, eine Prostatavergrößerung, ein voluminöses Mesorektum oder ein ausgedehnter Tumor mit wenig Abstand zur Beckenwand oder Beckenbodenmuskulatur. Bei diesen Risikopatienten kann die neue videoendoskopisch unterstützte und besonders exakte Hybrid-TAMIS TME-Technik – quasi als Erweiterung der TME-Technik – helfen. Dies ließ sich an 24 ausgewählten Personen mit diesem Krankheitsbild zeigen. „Keiner der Risikopatienten musste per se den Verlust des Schließmuskels und somit einen dauerhaften künstlichen Darmausgang in Kauf nehmen“, sagt Professor Dr. Werner Kneist von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie (AVTC) der Universitätsmedizin Mainz. Er zählt neben Privatdozent Dr. Andreas Rink (ehemals Universitätsmedizin Mainz, jetzt Klinikum Leverkusen) zu den diesjährigen Gewinnern des mit 3.000 Euro dotierten Jens-Kirsch-Preises. Die mit dem Jens-Kirsch-Preis ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeit entstand in Kooperation mit dem Klinikum Leverkusen.

Das besondere an der neuen Methode ist eine Kombination aus zwei Operationszugängen. Dabei wird das Enddarmkarzinom minimal-invasiv und videoendoskopisch unterstützt operiert – und zwar sowohl vom Bauchraum („von oben nach unten“) als auch vom Analkanal aus („von unten nach oben“). Das Aufeinandertreffen dieser beiden sogenannten Präparationsebenen findet in einem weniger engen Bereich des „Beckentrichters“ deutlich oberhalb des Beckenbodens statt. Das unterscheidet die neue OP-Methode von der bisherigen TME, bei der die Operation in einem für Risikopatienten kritischen Bereich unweit des Enddarmausgangs allein vom Bauchraum aus erfolgt. Das Besondere am TAMIS-Zugang ist, dass die Präparation in der Tiefe des Beckens über eine natürliche Körperöffnung (Anus) unter stark vergrößerter videoendoskopischer Sicht nach „oben“ – in einen weit vom Schließmuskel entfernt gelegenen Bereich – vorangetrieben wird. Dabei kommen eine gut beleuchtete abgewinkelte Kameraoptik und spezielle Instrumente für die minimal-invasive Chirurgie zum Einsatz.

„In Deutschland ist die Universitätsmedizin Mainz einer der Vorreiter, was den Einsatz und die wissenschaftliche Bewertung der Hybrid-TAMIS TME-Methode angeht“, unterstreicht der Direktor der AVTC, Univ.-Prof. Dr. Hauke Lang. „Ich bin überzeugt, dass die Hybrid-TAMIS TME-Methode in naher Zukunft nicht nur deutschlandweit das Repertoire spezialisierter Tumorchirurgen ergänzen wird. Diese innovative Operation kann in schwierigen Situationen eine radikale Tumorentfernung unter Erhalt der Kontinenz und damit einer besseren Lebensqualität ermöglichen.“

Kontakt

Prof. Dr. Werner Kneist, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131  17-2063, E-Mail: werner.kneist@unimedizin-mainz.de

Pressekontakt

Oliver Kreft, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz, Telefon 06131  17-7424, Fax 06131  17-3496, E-Mail:  pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Bildquelle: Universitätsmedizin Mainz

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.05.2015.

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