PR: #Elternprotest richtet eine Petition an den GKV-SV

04.05.2015
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Übernahme der Kosten für Hebammen unabhängig vom Geburtsort und Geburtstermin sichern!

Die Petenten, Christina Baris, Julia Fertig, Hanno Köhncke und Michael Benecke vom Verein "Mother Hood - Bundeselterninitiative zum Schutz von Mutter und Kind während Schwangerschaft, Geburt & 1. Lebensjahr" richten sich mit dieser Petition an Dr. Doris Pfeiffer, die Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-SV) (1).

Erstmals wollen die gesetzlichen Krankenkassen aus der umfassenden Versorgung der Frauen mit Hebammenhilfe aussteigen. Aus diesem Grund scheiterten am 28. April die Vergütungsverhandlungen zwischen dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) und dem Deutschen Hebammenverband (DHV).

Geht es nach dem Willen des GKV-SV, der alle gesetzlichen Krankenversicherungen vertritt (AOK, Techniker, DAK, Barmer etc.), dürfen sich Frauen künftig nur noch unter sehr eingeschränkten Voraussetzungen für eine außerklinische Geburt als Kassenleistung entscheiden. Das Überschreiten des errechneten Termins ist dabei das umstrittenste Kriterium.

Forderung

Daher fordern die oben genannten Eltern, stellvertretend für alle gesetzlich Versicherten, Dr. Doris Pfeiffer auf, bis zum 1. Juli 2015 dafür Sorge zu tragen, dass auch weiterhin uneingeschränkt alle Kosten für die Versorgung mit Hebammenhilfe – auch und gerade in der Geburtshilfe – durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden – und zwar unabhängig vom Geburtsort und Geburtstermin!

Erst schreiben die Krankenkassen den Frauen vor, wo sie gebären sollen und als nächstes wollen sie bestimmen, wie. Die Konsequenz könnte sein, dass Kaiserschnitte zukünftig die normale Form der Geburt sein werden. Eine Entwicklung, wie sie auch Prof. Peter Husslein, Leiter der Geburtshilfe im AKH Wien in der TV-Dokumentation "Meine Narbe" (2) eindrücklich prognostiziert.
Auch heute ist es schon so, dass Frauen bzw. Familien sich oftmals nicht völlig frei für den Geburtsort ihrer Wahl oder die Art der Geburt entscheiden können. In vielen Kliniken gelten strenge Richtlinien, die oft keine wissenschaftliche Grundlage haben. Ein dauerhaftes CTG ist dafür nur ein Beispiel. Im Vordergrund stehen Wirtschaftlichkeit und die Angst vor Schadensersatzansprüchen. Auch deshalb steigt die Anzahl der Kaiserschnitte seit Jahren stetig an. Erst an zweiter Stelle geht es um die Sicherheit der Babys und Mütter.

Das Petitionsteam ist entsetzt, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frauen und Familien derart mit Füßen getreten wird. Sie fordern, dass Auswahlkriterien zur Empfehlung von Geburtsort und Geburtsart (Spontangeburt, Kaiserschnitt) wissenschaftlich belegt (evidenzbasiert) sein müssen. Die letzte Entscheidung treffe immer die Frau im Rahmen einer kompetenten, angstfreien Aufklärung durch Fachpersonen, wie Hebammen und Ärzte. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Hebammen entsprechend ihrer Ausbildung die Spezialistinnen für Geburtshilfe sind. Viele Geburtshelferinnen haben wegen der gestiegenen Betriebskosten durch die Haftpflichterhöhungen der vergangenen Jahre die Geburtshilfe aufgegeben. Immer mehr Frauen finden bereits heute keine Hebamme mehr für die Vorsorge und Betreuung im Wochenbett. Deshalb muss jede weitere Maßnahme unterbleiben, die diesen Berufsstand noch weiter in seiner freien Tätigkeit einschränkt. Ansonsten geht wichtiges Fachwissen rund um die gesunde Geburt in den kommenden Jahren unweigerlich verloren. Der Beruf der Hebammme wird dadurch grundlegend verändert, findet auch Katharina Jeschke, Verhandlungsführerin des Deutschen Hebammenverbandes (3). Hebammen werden von der Expertin zur Erfüllungsgehilfin einer rein wirtschaftlich optimierten Geburtshilfe.

Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, Chefarzt der Geburtshilfe am St. Joseph-Krankenhaus Berlin, die natürliche Geburt als immatrielles Weltkulturerbe schützen will (4). Als erfahrener Geburtshelfer zieht er bei gesundem Verlauf der Schwangerschaft die natürliche Geburt ohne Eingriffe von außen vor.

Schwangere haben längst aufgehört, guter Hoffnung zu sein. Ängste, oft verursacht durch die zahlreichen aber nicht notwendigen Untersuchungsmöglichkeiten, bestimmen die Schwangerschaft.

Wenn nun die Krankenkassen mit ihrer Entscheidung auch noch vermitteln, es sei gefährlich bspw. den errechneten Termin um auch nur einen Tag zu überschreiten, wird sich dies auch auf klinische Geburten auswirken. Schon heute wird bei 90 Prozent aller Geburten medizinisch eingegriffen, ohne dass es in vielen Fällen wirklich nötig ist. Der bereits bestehende Trend zur frühen Einleitung, verbunden mit weiteren Eingriffen bis hin zum Kaiserschnitt wird dadurch verstärkt. Lediglich drei Prozent aller Kinder kommen am errechneten Termin zur Welt. Da eine gesunde Schwangerschaft zwischen 38 und 42 Wochen dauert, wird von einer Übertragung im medizinischen Sinne erst ab ET+14 gesprochen. Bisher konnten die Frauen mit ihren Hebammen und/oder Ärzten nach ausführlicher Aufklärung frei wählen, wo sie gebären wollen. Nach den Vorstellungen der Kassen ist dies bald vorbei – zumindest wenn die Frauen auf Erstattung durch die Krankenkasse angewiesen sind. Dies spricht den Frauen und Männern ab, verantwortliche Entscheidungen für ihre Kinder und sich zu fällen.

(1) https://www.change.org/p/geburt-darf-keine-privatleistung-werden-gegen-die-wirtschaftlich-optimierte-geburt?source_location=trending_petitions_home_page&algorithm=curated_trending

(2) http://www.3sat.de/page/?source=/dokumentationen/181286/index.html

(3) https://www.hebammenverband.de/aktuell/nachricht-detail/datum/2015/04/30/artikel/verhandlungen-mit-den-krankenkassen-sind-nach-einschaetzung-des-hebammenverbandes-gescheitert/

(4) https://www.hebammenverband.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&g=0&t=1430781105&hash=ee8d8038ed30ef7d7598bcc60d4e1ae48e74f5a8&file=fileadmin/user_upload/pdf/Aktuelles/131210_PI_SJK_Normale_Geburt_Kulturerbe.pdf

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.10.2015.

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