Ach das ist doch noch gut

28.04.2015
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Heute kam ein junger Mann zu mir. Seit Tagen erkältet, aber es ging ihm nun schon von alleine besser, eigentlich wollte er nur eine Krankschreibung. Und ein Rezept. Für seinen Hustensaft, auf den er so schwört. Er zeigte mir dann eine kleine, etwas schmuddelige Flasche, die er wieder haben wollte.

Es war ein homöopathisches Hustenmittel, allerdings schon etwas älter. Mindesthaltbarkeitsdatum: 10/1999. Der Patient war nur ein Jahr älter, als die Flasche abgelaufen war. Aber seit seiner Kindheit und Jugend hat er immer diese Hustentropfen aus dieser Flasche genommen und immer haben sie geholfen. Nun nach über 16 Jahren ist sie doch einmal leer. Nach dem Haltbarkeitsdatum hat da keiner geguckt.

Und ich muss sagen, privat verbrauche ich auch ohne Sorge abgelaufene Medikamente. So wie ich auch die meisten abgelaufenen Lebensmittel noch verbrauche, außer sie zeigen deutliche Spuren von Ungenießbarkeit. Umso mehr tut es mir in der Seele weh, wenn wir aus versicherungstechnischen Gründen die abgelaufenen Muster und Probepackungen wegschmeißen müssen, obwohl sie ja eigentlich noch vollkommen in Ordnung sind.

Das ist bares Geld, was dort aussortiert wird, genau wie im Krankenhaus, wo die abgelaufenen Medikamente auch entsorgt werden. Ebenso ist es mit Medikamenten, die der Patient – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr benötigt. Entweder, weil sie abgesetzt oder umgestellt wurden, oder der Patient verstorben ist. Oft bleiben so viele Medikamente übrig, gerade im ambulanten Bereich, wo die großen N3-Packungen verschrieben werden. Meist werden diese dann entsorgt. Die Apotheke nimmt sie nicht zurück, außer um sie auch zu entsorgen, wir dürfen sie eigentlich auch nicht weitergeben.

Dabei steckt in diesen vielen Medikamenten, die entweder gerade abgelaufen sind oder nicht mehr benötigt werden, bares Geld. Geld, das man den Patienten und auch dem Gesundheitssystem sparen könnte, und das an anderer Stelle auch benötigt wird. Schade, dass es hier in Deutschland (noch) kein System gibt, diese alten Medikamente zu recyceln und sie weiter zu nutzen.

Bildquelle: Alan Levine, flickr / CC by-sa

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.08.2015.

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Gast
An #17: Vielleicht ist das Sprühvolumen ebenfalls ein wenig geringer, bei gleichbleibender Wirkstoffmenge? Damit bliebe die Anzahl an Sprühstößen nämlich gleich. Das müssten Sie schon genauer recherchieren, bevor Sie hier gleich wieder den bösen Pharmafirmen alles in die Schuhe schieben.
#18 am 13.08.2015 von Gast
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Gast
Ja, da ist viel Wahres. Die Pharma will auf ihre Rendite kommen und scheint dabei recht innovativ vorzugehen. Heute wollte ich wie bisher üblich Nitrolingual Pumpspray von G. Pohl-Boskamp in "meiner" Apotheke haben. Mir wurde gesagt, dass es diese Firma nicht mehr gäbe, ich müsse das Produkt eines anderen Anbieters nehmen und bekam Nitrangin Pumpspray von Actavis Deutschland. Zu Hause angekommen, stellte ich beim Vergleich der Inhaltsangaben fest, dass die N1-Packung des "alten" Anbieters 20,9 ml Spray enthielt, der "neue" Anbieter aber nur 15,0 ml in der N1 hatte. Da ich als Zuzahler für beide jeweils 5 Euro der netten Angestellten geben muss, hat sich für mich als Chroniker das Präparat um ca. 28% verteuert. Da kam mir spontan wieder die Frage in den Sinn: Welche Motivation gibt es für die Pharma ihre Patienten gesund zu machen? Bernd Graupner
#17 am 22.06.2015 von Gast
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Gast
Paula: Unsere zurückgegeben Medikamente werden sortiert und gesammelt. Die nicht abgelaufenen und in einwandfreier Verpackung vorliegenden Medikamente werden gespendet also nicht weggeworfen. Der Rest ist verfallenen und in so schlechtem Zustand, dass niemand den wollte: Abgerissene Blister, angebrochene Packungen und wer weiß wo die Packungen lagen. Viele verdreckt schon beschriftet. Diese werden von Entsorgungsfirmen abgeholt. Dafür bezahlt die Apotheke teuer. Die Entsorger verbrennen das entsprechend den Vorschriften. Bitte bei denen nachfragen!
#16 am 23.05.2015 von Gast (Apothekerin)
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Gast
Verzeihung, #10, ich meinte die # 9 !
#15 am 17.05.2015 von Gast
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Gast
Liebe # 10, Nur nicht über den Hausmüll entsorgen! Nur ein bestimmter Teil davon wird doch bisher "thermisch entsorgt", also verbrannt! Der größte Teil der "Pillen" landet von den Deponien über Regen und Grundwasser in Flüssen, Seen und im Meer. Oder über das Abwasser aus den Haushalten. Die Meerestiere leiden unter den dadurch bedingten Schäden, letztlich wir Menschen als "letztes Glied in der Nahrungskette". Wenn es nicht ohnehin schon hier und da im Trinkwasser angekommen ist. Aber: was macht die Apotheke als Entsorger damit? Verbrennen ? Bei wässerigen Zubereitungen auch ? Sag es bitte, oh Apotheker!
#14 am 17.05.2015 von Gast
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Gast
Es gibt schon Untersuchungen über die eigentliche Haltbarkeit von Medikamenten, verdient nur die Pharmaindustrie nicht mehr dran..... http://www.endtimesreport.com/Prescription_longevity.html
#13 am 01.05.2015 von Gast
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Dieser Flakon 10/1999 hat die Kraft eine Panazee und die Unerschöpflichkeit eines Jungbrunnes. Ach, was gäbe ich für nur einen einzigen Tropfen dieses sagenhaften Heilmittels. Doch gibt es Hoffnung für den so uberaus jugendlich erscheinenden Mann. Warum wohl hat sich der heilkräftige Trank erschöpt? Die Emanation des Heiltranks hat über 16 Jahre die Wandungen seines seines Gefäßes durchdrungen und ist mit dem Äther EINS geworden. Das Gefäß 10/1999 ist nun ein Gral. Füllen Sie den Gral 10/1999 mit reinem Wasser und der Patient wird bei sparsamen Gebrauch in den folgenden 16 Jahren bei richtigem Gebrauch ohne ärztliche Bemühungen gesunden. Sie aber, verehrte Kollegin, werden ihn nach 16 Jahren verwundert ansehen und keinerlei merkliche Alterung feststellen.
#12 am 01.05.2015 von Dr. med. Martin P. Wedig (Arzt)
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Gast
Hallo Mädel, ich bin Bernd und du sprichst mir aus der Seele. Es gibt da noch "andere Menschen" (Bundeswehr, die Bundespolizei sowie den Zivil- und Katastrophenschutz.) Schau mal hier: § 71 AMG Ausnahmen. Mach weiter so. Viele Grüße von Bernd, HP
#11 am 01.05.2015 von Gast
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Gast
..ja in Griechenland sind mittlerweile 3 Millionen ohne Krankenversicherung! Und da soll weiter eingespart werden!
#10 am 30.04.2015 von Gast
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B. Graf
Den Chemiefirmen ist die Abholung von abgelaufenen oder ungebrauchten Medikamenten zu teuer geworden. Es gibt auch kaum noch Sammelstellen. Medikamente müssen über den Hausmüll entsorgt werden (Tabletten bitte etwas verstecken, damit Kinder nicht auf die Idee kommen, sie zu essen). Sie werden durch die "thermische Behandlung" des Hausmülls unschädlich gemacht. Mich wundert es nicht, dass das Trinkwasser zunehmend Medikamentenrückstände enthält. In Griechenland, wo die medizinische Versorgung katastrophal ist, werden Medikamente gesammelt und an jene weitergegeben, die sich keine Medikamente leisten können.
#9 am 30.04.2015 von B. Graf (Gast)
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Gast
Dass mit dem Wegwerfen noch brauchbarer Medikamente viel "bares Geld" weggeworfen wird, trifft so allgemein nicht zu. Die Preise für die Medikamente sind insb. im Falle noch laufenden Patentschutzes Phantasiepreise und spiegeln nicht die Herstellungskosten wieder. Falls übriggebliebene Medikamente weiter verwendet würden, wäre wohl auch nichts gespart, die Pharma will ja auf ihre Rendite kommen und die Preise würden flux erhöht. Einzig die Umwelt würde durch Wiederverwendung profitieren!
#8 am 30.04.2015 von Gast
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Gast
Auch durch das Sammeln abgelaufener Medikamente an festgelegten oder certifizierten Stellen ist meiner Ansicht nach das Problem von Rückständen in Boden, Wasser oder Luft und damit vermehrte Resistenzbildung nicht aus der Welt (Lagerung auf Deponien, Verbrennung?). Mit der Festlegung von geringer Nutzungsdauer (28 Tage oder einmalig bei Anbruch) muß viel zu viel entsorgt werden.
#7 am 30.04.2015 von Gast
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Bei der Rücknahme von Medikamenten zur Weitergabe besteht immer das Risiko einer „Falschlagerung“ durch den Rückgeber. Eine Rückgabe zur ordnungsgemäßen Entsorgung ist allemal besser die „Haushaltsüblichen“ Entsorgungswege zu nutzen.
#6 am 30.04.2015 von Gerhard Wilhelm (Diätassistent)
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Gast
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum die Apotheke diese Medikamente zurücknehmen sollte und sie dann nicht vernichten sollte. Mehr kann sie damit auch nicht anrichten. Man kann nach abgelaufener Haltbarkeit einfach keine Aussagen über ausreichende Dosiergenauigkeit oder Sicherheit des Arzneimittels mehr treffen, da dafür keine Daten vorliegen. (Der Hersteller legt das Haltbarkeitsdatum anhand seiner Stabilitätsuntersuchungen fest, da er dafür haftbar gemacht werden kann. Daher haben brandneue Arzneimittel auch oft eine geringere Haltbarkeit, die sich später ändert bzw. ggf. verlängert.) Bei der Rücknahme von Medikamenten kommt noch dazu, dass man nicht weiß, was der Patient mit seinem Medikament angestellt hat und wie er es gelagert hat. Dabei denke ich an die "Medizinschränke" im Badezimmer.
#5 am 29.04.2015 von Gast
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HuiBuh
Das wirtschaftliche System basiert ja gerade auf dem Prinzip des Noch-mehr-Produzierens (unter möglichst immer günstigeren Bedingungen...). Derzeit schmeißen wir schon ziemlich viel weg, fragt sich, wie das wohl in ein paar Jahrzehnten sein wird, so dieses krude Wirtschaftsprinzip, in dem Geld zwar reine Spekulation, umgekehrt allerdings die Spekulation kein Geld ist, beibehalten wird. Allerdings: Wo will man die Datumsgrenze bei Medikamenten setzen - steht hier doch meist mehr auf dem Spiel als bei manch anderem? Privat und bei weniger kritischen Medikamenten habe ich keine Bedenken, wenn diese auch nach MHD genutzt werden, doch generell könnte ich mir das nicht vorstellen. Klar könnte man bei Großpackungen einige Tabletten o.A. durchtesten und anschließend die Packung verwerfen oder weiterverwenden, aber das lässt sich wohl aufgrund unterschiedlicher Hürden nur schwerlich realisieren. PS: Auf Privatrezept gibts vermutlich fast alles ;P
#4 am 29.04.2015 von HuiBuh (Gast)
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Gast
Gibt es keine Sammelstellen für solche übrig gebliebenen Medis, die nicht oder nur kurz abgelaufen sind? Man könnte sie doch evtl. über Hilfsorganisationen in die 3. Welt verschenken. Sammeln über Apotheken, die sie über den Großhändler an eine zentrale Sammelstelle bündeln, wo wirkstoff- und wirkstärkengleiche Medikamente sortiert werden.
#3 am 29.04.2015 von Gast
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Gast
Eine große Hilfe für den Alltag wäre auch, wenn medizinische Produkte - vom Verbandpäckchen bis zur Pillendose - nur noch jährlich ablaufen würden statt monatlich!
#2 am 29.04.2015 von Gast
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Im Grunde haben Sie absolut recht. Insbesondere gilt dies bzgl der abgelaufenen homöopathischen Arzneien, die im Grunde nie ablaufen bzgl schädlich werden (aber gem. der geltenden Meinung auch nur Spökenkram sind)! Bei chemischen Coctails vom Bayer und Co wäre ich da allerdings deutlich vorsichtiger. Aber was soll's - Es wird eh kein Pharma Lobbyist unseren Politikern erzählen, dass ein "Zweitmarkt" für ungenutzte Medikamente die Kassen entlasten würde... und ausserdem: wer sollte hier die Regeln aufstellen und wo sind die Grenzen? Dennoch: Netter Gedankengang P.S. Seit wann gibt es homöopathischen Hustensaft auf Rezept?
#1 am 29.04.2015 von Ingo Benda (Heilpraktiker)
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