PR: Erfolg auf Droge? – Hirndoping in Studium und Beruf nimmt zu

13.04.2015
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08.04.2015 - Universitätsmedizin Mainz und Johannes Gutenberg-Universität Mainz untersuchen Hintergründe für Konsum von leistungssteigernden Substanzen.

Um belastbarer im Job zu sein, nehmen laut des aktuellen DAK-Gesundheitsreports immer mehr Beschäftigte in Deutschland verschreibungspflichtige Medikamente ein, ohne dass dafür eine medizinische Indikation vorliegt. Sie dopen ihr Gehirn mit Substanzen zur geistigen Leistungssteigerung, Bekämpfung von Nervosität oder zur Stimmungsverbesserung. Dieses sogenannte „Pharmakologische Neuroenhancement“ betreiben jedoch nicht Top-Manager in großem Umfang, sondern eher Beschäftigte mit einer einfachen Arbeit und einem unsicheren Arbeitsplatz. Doch wie kommt ein Mensch überhaupt auf die Idee, Medikamente oder Drogen einzunehmen, um mehr leisten zu können? Wo informieren sich die Konsumenten über die Substanzen? Welche Rolle spielen Ärzte und Apotheker beim Thema "Hirndoping"? Und welche die Medien? Diesen und weiteren Fragen widmen sich Wissenschaftlicher der Johannes Gutenberg-Universität und der Universitätsmedizin Mainz im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts "Pharmakologisches Neuroenhancement - Zwischen planbarem Wissenstransfer und nicht intendierten Rückwirkungen". Ziel ist es, den Wissenstransfer systematisch zu untersuchen und hinsichtlich seiner gesellschaftlichen Auswirkungen zu analysieren. Die Forschungsergebnisse sollen der Prävention von Hirndoping dienen.
Für die Studie suchen die Forscher noch volljährige Teilnehmer, die bereits verschreibungspflichtige Medikamente und/oder illegale Drogen zum Hirndoping eingenommen haben, ohne dass dafür eine medizinische Indikation vorlag. Interessierte können sich per E-Mail melden an befragung-pne@uni-mainz.de .

Doping – ein Thema, das meist mit Leistungssport in Verbindung steht. Doch es dringt zunehmend auch in andere Lebensbereiche vor. Und zwar vor allem dort, wo es um die geistige Leistungsfähigkeit und die Verbesserung des emotionalen Befindens geht – also in Ausbildung und Beruf. Scheinbar nach dem Motto „Im Vergleich zu Ritalin ist Koffein kalter Kaffee“ greifen die Konsumenten nach verschreibungspflichtigen beziehungsweise illegalen Substanzen. In dem Glauben, dass diese ihre Leistung vermeintlich stärker steigern können, als die bis dato üblichen und legalen Mittel, unterschätzen sie die Gefahr von Nebenwirkungen und betreiben Hirndoping. Aber warum? Ist der Druck der Arbeitswelt und ihren Anforderungen Stand zu halten zu hoch? Hat sich die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung von Leistung geändert? Oder das Anspruchsniveau? Welche Ängste haben die Menschen? Was veranlasst sie, ihr Hirn zu dopen? Was wissen sie über die Möglichkeiten, aber auch über die Risiken des Hirndopings? Wie bekannt sind die Wege, sich derartige Substanzen zu verschaffen? Woher haben sie ihre Kenntnisse?

Um diese Fragen zu beantworten, arbeitet das interdisziplinäre Studienteam, bestehend aus Wissenschaftlern der Medizin, Soziologie, Philosophie und den Medienwissenschaften, mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden. Zentrales Forschungsinstrument sind qualitative Interviews mit Konsumenten von Medikamenten beziehungsweise illegalen Substanzen. Zusätzlich zu diesen Einblicken in die Biografie und Beweggründe der „Hirndoper“, befragen die Forscher Journalisten, Ärzte und Apotheker, und sie analysieren die Medien. Das von Univ.-Prof. Dr. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, und Univ.-Prof. Dr. Oliver Quiring, Leiter des Lehr- und Forschungsbereichs für Kommunikationswissenschaft am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, geleitete Projekt verfolgt das Ziel, den Wissenstransfer erstmals systematisch zu untersuchen und hinsichtlich seiner gesellschaftlichen Auswirkungen zu analysieren. Es hat eine Laufzeit von zunächst drei Jahren und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

 

Weitere Informationen zum Projekt: http://www.neuroenhancement.uni-mainz.de/

Kontakt:
Dipl.-Soz. Christiana Bagusat
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Telefon: 06131 39-20791, E-Mail: bagusat@uni-mainz.de  
Internet: www.unimedizin-mainz.de/Psychiatrie

Pressekontakt
Barbara Reinke,
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz
Telefon 06131  17-7428, Fax 06131  17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Bildquelle: Universitätsmedizin Mainz

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.04.2015.

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