Dr. med. Detektiv

24.03.2015
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Es erstaunt mich manchmal immer noch, wieviel detektivisches Gespür man als Arzt aufbringen muss. Nicht nur bei der Diagnosefindung, auch wenn Patienten ab und an Symptome „vergessen“, wichtige Fakten verschweigen oder Befunde etc. abhanden gekommen sind.

Seit geraumer Zeit haben wir einen Patienten, der wiederholt mit isolierten Hyponatriämien und Durchfall bei aber normalen restlichen Blutwerten sogar mehrmals im Krankenhaus gelandet ist. Trotz intensivster interdisziplinärer Diagnostiken und Untersuchungen wissen wir immer noch nicht, woher diese „Anfälle“ kommen.

Mittlerweile nehmen wir an, dass es von etwas herrühren muss, was der Patient von außen zuführt – leider ist er nicht sonderlich gesprächig und kooperativ, so müssen wir noch weitergraben. Ein anderer Fall von Detektivarbeit diese Woche war die Geschichte der „verloren gegangenen“ Atteste für eine wochenlange Sportbefreiung.

Leider stellte sich am Ende heraus, dass die noch schulpflichtige Patientin nicht nur mir gegenüber nicht ehrlich war, sondern auch ihren Lehrern gegenüber. Was dazu führte, dass sie sich damit zwar ein paar Wochen durchmogeln konnte, es aber am Ende doch rausgekommen ist. Aber ohne Spürarbeit unsererseits und Kontrolle der gefälschten Atteste und Nachfragen in der Schule wäre dieser Betrug nie aufgeflogen.

Auch spannend ist die Suche nach Gründen von eventuellen Medikamentenunverträglichkeiten oder das angebliche Nicht-anschlagen von Medikamenten. So habe ich vor einiger Zeit durch längeres Nachfragen rausgefunden, dass die Patientin, bei der die Novamintropfen angeblich überhaupt keine Wirkung gehabt haben, statt 30 Tropfen nur 3 Tropfen Novamin eingenommen hatte. Solch eine kleine Dosis hatte natürlich überhaupt keine Wirkung. Andererseits ließ sich ein AV-Block III° auf eine übermäßige Einnahme von bestimmten Medikamenten zurückführen, wo der Patient einfach mal selbstständig beschlossen hatte, viel hilft viel, das gilt ja auch für Medikamente.

Der größte Teil der Detektivarbeit als Arzt ist aber die Ursachensuche für bestimmte Symptome. Woher kommen diese seit 3 Monaten bestehenden Kopfschmerzen? Haben sie überhaupt eine organische Ursache? Oder ist der Stress? Oder dass der Patient 18h am Tag vor einem Bildschirm verbringt? Klar, viele Erkrankungen sind nicht so schwer zu erkennen. Grippaler Infekt, LWS-Syndrom, Magen-Darm-Virus zum Beispiel, sowas ist meist leicht zu erkennen.

Aber die Fälle, wo es eben nicht nach Lehrbuch geht, oder die Dinge eigentlich ganz klar erscheinen, dann sich aber doch ganz anders entwickeln, das sind die spannenden Fälle, und auch mit ein Grund, warum ich so gerne als Arzt arbeite.

Bildquelle: Christian Reimer, flickr / CC by-sa

Artikel letztmalig aktualisiert am 10.05.2015.

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Gast (Allgemeinärztin)
An Studentin der Pharmazie. Woher nehmen sie sich bitte das Recht, vor allem als Studentin der Pharmazie, abwertend über Allgemeinärzte zu sprechen: "Leider sind die meisten Allgemeinärzte mit einem Patienten mit komplexer Symptomatik überfordert"...Solche abwertenden und thematisch deplazierten Aussagen sind nicht hilfreich.
#3 am 10.05.2015 von Gast (Allgemeinärztin) (Gast)
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Gast
Leider sind die meisten Allgemeinmediziner mit einem Patienten mit komplexer Symptomatik schnell überfordert. Dedektivarbeit (und überhaupt die Freude daran den Fall aufzudecken und zu erforschen ), das würde ich mir mehr wünschen. Nur leider hat kaum ein"Allgemeinmediziner" ( o.A.) die Zeit sich so intensiv mit einem Patienten zu beschäftigen. Schade!
#2 am 25.03.2015 von Gast (Studentin der Pharmazie)
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Ist das Durchfall?? Die Hyponatriämie lässt fast einen alten Patienten vermuten. Sollte das wirklich so sein, ist die Angabe "Durchfall" sehr oft, sehr oft ist diese aber auch falsch. Es handelt sich dabei meistens nicht um mehreren, flüssigen Stühle, sondern um meist flüssige, ungewollte Stuhlabgänge. Meistens handelt es sich um eine Stuhlinkontinenz, aufgrund deren es zu Abgang von flüssigerem, meist breiigem Stuhl kommt. Die Behandlung besteht in die Einnahme eines Dulcolaxzäpfchens morgens. Ist das so?
#1 am 25.03.2015 von Jürgen Pflanzer (Arzt)
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