PR: Erhöhen CTs im Kindesalter das Krebsrisiko?

26.02.2015
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24.02.2015 - Universitätsmedizin Mainz veröffentlicht Studie zu möglichen Folgen von Computertomografie-Untersuchungen

Laut Studien aus Großbritannien, Australien und Taiwan erhöhen Computertomografie-Untersuchungen im Kindesalter das Risiko später an Krebs zu erkranken. Ob dieser Zusammenhang auch in Deutschland festzustellen ist, hat das Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz zusammen mit dem Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS untersucht.

Die Studie widmet sich der konkreten Frage, ob Kinder, die mindestens eine diagnostische CT-Untersuchung durchlaufen haben, häufiger an Leukämie oder einem Hirntumor erkranken als Kinder, die nicht mit diesem bildgebenden Verfahren untersucht wurden. Für beide Tumorarten gilt Strahlenexposition als Risikofaktor. Die Auswertung der Studiendaten ergab, dass 39 Kinder frühestens zwei Jahre nach dem ersten CT ein Tumorleiden entwickelt hatten. Die Forscher hatten theoretisch rund 21 Krebsfälle erwartet. Die Ergebnisse der sogenannten KiCT-Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Radiation and Environmental Biophysics“ publiziert.

Unter der Projektleitung von Univ.-Prof. Dr. Maria Blettner, Leiterin des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen, und Dr. Lucian Krille (ebenfalls IMBEI) analysierten die Wissenschaftler für die Studie Daten von rund 45.000 Kindern im Alter bis 15 Jahren. Die Kinder waren zwischen 1980 und 2010 mindestens einmal mit einer Computertomografie (CT) diagnostisch untersucht worden und zum Zeitpunkt der CT-Untersuchung nicht an Krebs erkrankt. Die Besonderheit dieser deutschen multizentrischen Kohortenstudie liegt darin, dass die Forscher nicht nur das Deutsche Kinderkrebsregister (DKKR) als Datenbasis nutzten, sondern auch radiologische Befundtexte aus 20 Krankenhäusern auswerteten. Die Auswertung des Datenmaterials erfolgte einerseits hinsichtlich einer vergleichenden Darstellung der Krebsinzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) zwischen Kohorte und Allgemeinbevölkerung sowie anderseits der Krebsinzidenz in Abhängigkeit von der individuellen Dosis an Strahlenexposition. Ziel der Forscher war es, das Krebsrisiko bei einer niedrigen Strahlenbelastung von etwa 10- 50 mSv(Sievert) beziffern zu können, das durch den Kontakt mit ionisierender Strahlung bei Computertomografien entsteht.

Die individuelle Strahlenexposition bestimmten die Forscher anhand von Datenbeständen klinischer, radiologischer Institute. Durch einen Abgleich mit dem Deutschen Kinderkrebsregister konnten sie die neu an Krebs erkrankten Kinder identifizieren. Die Auswertung des Datenmaterials zeigte, dass mehr Fälle zu beobachten waren als erwartet, bei allerdings sehr kleinen Zahlen: Sieben Patienten mit einer Krebserkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS) bei 5,2 erwarteten, 12 statt der erwarteten sieben Leukämiepatienten und 20 Patienten, die unter einer anderen Tumorart litten, waren als Kind computertomografisch untersucht wurden.

Aus dem Vergleich von beobachteten und erwarteten Erkrankungszahlen errechneten die Forscher das sogenannte standardisierte Inzidenzverhältnis (SIR-Standardized Incidence Ratio). Demnach wurden insgesamt 1,87-mal so viele Fälle beobachtet wie erwartet, für ZNS beträgt dieser Quotient 1,35 und für Leukämien 1,72. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung sind die beobachteten Werte also leicht erhöht.

„Diese Werte müssen jedoch vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass Menschen, bei denen als Kind eine CT-Diagnostik erforderlich war, vermutlich einen ohnehin insgesamt schlechteren Gesundheitszustand hatten bzw. haben, als Personen, die ihr ganzes Leben keine CT-Untersuchung gebraucht haben“, erläutert Prof. Blettner. Und betont: „Erfreulicherweise gehen deutsche Ärzte mit CT-Untersuchungen bei Kindern sehr verantwortungsvoll um. Dies zeigen die im internationalen Vergleich eher moderaten CT-Verordnungszahlen bei jungen Patienten in Deutschland.“ Die Leiterin der Sektion Kinderradiologie der Universitätsmedizin Mainz und Co-Autorin der Studie, Univ.-Prof. Dr. Gundula Staatz, ergänzt: „Dennoch sollten die Mediziner stets überlegen, ob eine Diagnose mittels CT unbedingt erforderlich ist oder ob auch andere diagnostische Verfahren wie beispielsweise die Kernspintomografie in Frage kommen.“

Informationen zur Studie und zur Publikation:
http://www.imbei.uni-mainz.de/ct-studie
Krille, L., et al. (2015). Risk of cancer incidence before the age of 15 years after exposure to ionising radiation from computed tomography : results from a German cohort study. Radiation and Environmental Biophysics, Published , 1–12. doi:10.1007/s00411-014-0580-3

Kontakt
Prof. Dr. Maria Blettner,
Leiterin Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz,
Tel. 06131 / 17-3252, Fax 06131 / 17-2968,
E-Mail: Blettner@uni-mainz.de

Prof. Dr. Hajo Zeeb,
Wissenschaftliche Leitung Studienzentrum Nord, Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS,
Tel. 0421 / 218-56902, Fax 0421 / 218-56941,
E-Mail: zeeb@bips.uni-bremen.de

Pressekontakt
Barbara Reinke,
Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Tel. 06131 / 17-7428, Fax 06131 / 17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz  
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.300 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz ausgebildet. Mit rund 7.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Universitätsmedizin zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Bildquelle: frankieleon/flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.02.2015.

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