Multi-resistente Fernreise-Souvenirs in Klinik und Praxis!

15.02.2015
Teilen

Multi-resistente Keime kommen nicht aus heiterem Himmel und werden ausschließlich von unsachgemäß hantierenden, "unhygienischen" Krankenhaus- und Praxismitarbeitern auf arglose Patienten übertragen. Sondern diese Keime müssen selbst auch irgendwo her kommen. Sie werden wohl zu einem relevanten Anteil von a u ß e n in Klinik und Praxisräume hinein getragen.

Der englische Fachbegriff 'communicable diseases' trifft es: Übertragbare Krankheiten, die durch interagierende, kommunizierende Personen übertragen werden. 


Bill Ramsey (1959)  «Souvenirs Souvenirs

kauft ihr Leute kauft sie ein, denn sie sollen wie das Salz in der Lebenssuppe sein.
Von der Gitarre eine Saite, die Elvis schlug und den Verschluss der Bluse, die die Lollo trug…« 


Jeder Landwirt aus einem Tiermastbetrieb, jeder Krankenhausbesucher mit Straßenschmutz an den Schuhen, jeder Tierhalter, egal ob Hund, Katze, Maus, Pferd o. ä., jeder Klempner, Müllwerker und Entsorger, aber auch Lehrer, Erzieher und alle, die mit vielen Menschen beruflich oder privat zu tun haben, könnten Träger von potenziell multiresistenten Keimen sein? Sogar Menschen, die nur kontaminiertes Putenfleisch kaufen, gehören zum Kreis der "Verdächtigen"?

Antworten lieferten Infektiologen und Mikrobiologen aus Leipzig mit  Daten von Fernreisenden: Die Erreger werden oft mit nach Hause gebracht (J Med Microbiol 2015; 305: 148). Über 12 Monate wurde in einer infektiologischen Studie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) das Risiko des Erreger-Imports durch Fernreisen untersucht. "Wir konnten dabei erstmals für Deutschland in einer größeren Kohorte zeigen, dass fast ein Drittel der Reisenden nach der Heimkehr aus Gebieten mit hoher Erregerdichte tatsächlich Träger multiresistenter Erreger ist", so Dr. Christoph Lübbert, Leiter des Fachbereichs Infektions- und Tropenmedizin am UKL.

In den Arbeitsschwerpunkten Gastroenterologie, Infektiologie und Tropenmedizin ergab eine Datenanalyse von 225 Reisenden zwischen Mai 2013 und April 2014 vor und nach einer Fahrt in Gebiete mit hohem Vorkommen multiresistenter Erreger (MRE): "Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany".  C. Lübbert et al. belegten, dass Fernreisende häufig multiresistente Keime beherbergen können, wenn sie in ihr Heimatland zurückkehren.

Zum Vergleich am Uniklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel: Seit Mitte Dezember ist bei 31 Patienten der Klinik das Bakterium Acinetobacter baumannii in multiresistenter Form nachgewiesen worden. Es waren bis dato 13 Todesfälle zu beklagen, wovon in 9 Fällen der Keim als Todesursache ausgeschlossen werden konnte. Das ist mit den Leipziger Erkenntnissen vergleichbar: Der Keim wurde zuerst im Dezember 2014 durch einen Schleswig-holsteinischen Urlauber, der nach einem Unfall in der Türkei nach Kiel verlegt wurde, eingeschleppt. Infektiologische Angaben aus der Türkei dazu fehlten. Bei einer nächtlichen Not-Operation des Patienten sei es dann zur Ausbreitung des Acinetobacter baumannii gekommen. 

 

Bildquelle: ALASKA-Souvenir Copyright Praxis Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.02.2015.

11 Wertungen (4.45 ø)
1186 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Doch heute sind auch die Hausbesuche gemeinsam mit meiner medizinischen Fachangestellten (MFA) anders als sonst. mehr...
Lidewine Daniels et al. hatten 528 Patienten mit computertomografisch gesicherter und erstmals aufgetretener mehr...
Ob dies nun zutrifft, wurde in der Studie „Effects of Human Maternal Placentophagy on Maternal Postpartum Iron mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: