Cannabis mit medizinischem 'Biss'

05.02.2015
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Der eine, Arztkollege und Politiker Dr. Harald Terpe, Grünen-Sprecher für Drogenpolitik, fordert "schwer kranken Menschen die Genehmigung zum Eigenanbau von Cannabis" zu erteilen, vergisst dabei aber wesentliche, lebenspraktische Hürden:

Denn wie soll jemand, der schwer krank, Teilhabe-gemindert, Mobilitäts-, Belastungs- und Schmerz-eingeschränkt ist, die relativ komplizierte und aufwändige Cannabis-Logistik bewerkstelligen? Oder ist er dann gar nicht so schwer krank? Soll bei der "Verordnung häuslicher Krankenpflege" nach GKV-Vordruckmuster 12a etwa der Pflegedienst diese Aufgabe mit übernehmen? Was ist, wenn der Cannabis-Eigenanbau nur minderwertige Erntequalität bringt, unsachgemäß weiterverarbeitet oder unwirksam wird? Wenn der Patient bettlägerig seinen "Stoff" gar nicht mehr erreichen und ernten kann? 

Die anderen haben als Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), MdB Hilde Mattheis (SPD), MdB Burkhard Blienert (SPD), MdB Jens Spahn als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, MdB Gerda Hasselfeldt (CSU), MdB Kathrin Vogler (Linke), MdB Frank Tempel (Linke) und "last but not least" Grünen-Chef Cem Özdemir mit seiner Hanf-Pflanze auf dem Balkon offenkundig zu viel im "Handbuch für biodynamische Selbstversorger" gelesen: 

Antibiotika werden doch auch nicht mehr zu Hause, im Wintergarten, auf Balkon, Terrasse oder im Gewächshaus in der Petrischale (Nobelpreis A. Fleming für die Penicillinentdeckung) gezüchtet. Sondern wie bei allen Medikamenten kommt es auf Qualität, Standardisierung, exakte Dosierung und Galenik an. Damit wird ausschließlich auf medizinisch-schmerztherapeutische Effekte fokussiert. Denn es geht nicht um Permissivität oder Förderung von Drogenkarrieren ("legalize it"?), sondern um die Erweiterung palliativ- und schmerzmedizinischer Handlungsoptionen. 

In meiner hausärztlichen Praxis habe ich in Einzelfällen mit (teurem) Tetrahydrocannabinol (THC) als Dronabinol (ATC A04AD10) und seinen antiemetischen, appetitstimulierenden, schmerzlindernden, entzündungshemmenden, muskelentspannenden, dämpfenden und psychotropen Eigenschaften als Heil- und Linderungsversuch gearbeitet, wenn mögliche Alternativen unwirksam waren. Cave: Es wirkt zentral sympathomimetisch. Die Wirkung setzt in ca. 60 Minuten ein. Psychotrope Effekte halten 4-6 Stunden, die Appetitstimulation bis zu 24 Stunden an. Das Betäubungsmittelrezept (BTM) kann mit dem Rezepturarzneimittel folgendermaßen ausgestellt werden: 

BTM-Rezeptur für Dronabinoltropfen in Neutralöl 2,5 %: 
Dronabinol    0,25 g 
Neutralöl ad 10,00 g NRF 11,4 (Oleum neutrale Miglyol 812) 

Dosierung einschleichend beginnend mit 2 x 3 Tropfen (2 x 2,5 mg) tgl. 

Zur Beachtung: In der GKV n i c h t erstattungsfähig (Regress!). Ausschließlich privat verordnungsfähig. Dosierung gemäß schriftlicher Gebrauchsanweisung. 
Die höchstmögliche Verschreibungsmenge beträgt 500 mg Dronabinol pro Monat. 
Hersteller von Dronabinol: Bionorica Ethics und THC Pharm.  

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

 

Bildquelle: Repro Copyright Praxis Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.03.2015.

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Gast
Man kann auch eine alkoholische Lösung zur Verdampfung verordnen (500 mg 10 ml 5% ) auch eine Kostenerstattung bei den GKV ist mittlerweile bei Tumor leiden oftmals möglich. In letzter Zeit kommen auch immer mehr PAtienten mit anderen Diagnosen bei den Krankenkassen eine Kostenübernahme bestätigt. Auf www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de findet man im Downloadbereich Vorlagen und Hilfestellungen um Patienten eine Ausnahmegenehmigung für wesentlich preiswertere Cannabisblüten (im vergleich zu privat gezahlten Dronabinol) zu verschaffen. Viele Informationen aus medizinischer Sicht findet man auch im Hanfblättchen Blog hier auf Doccheck: http://news.doccheck.com/de/blog/551-das-hanfblaettchen-cannabinoide-fach-und-sachgeschichten/
#10 am 11.07.2016 von Gast
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Gast
Ach: Missbrauch!? Lächerlicher Einwand! Halb Deutschland nimmt Pillen gegen jede kleine "Unpässlichkeit", "Mothers little Helper"... It's little yellow Pill = Valium = Benzodiazepine! Suchterzeuger Nr. 1 Von Schmerzmittelabhängigkeiten mal ganz zu schweigen, s. @Gast, Stud.d.Medizin, Tilidin und andere.... Da trinke ich mir doch lieber ein Tässchen Tee und tu ne Cannabis-Blüte rein oder backe mir ein paar Plätzchen, zumal ne Überdosierung fast unmöglich ist, vorher schläft man einfach ein - und wird dann am nächsten Tag ausgeschlafen wach, hat keinen dicken Schädel und es geht einem auch sonst gut! 😉 Die haargenaue Dosierung kann man also ruhig dem Patienten überlassen, wenns genug ist, dann hört der von selbst mit weiterem Konsum/Einnahme auf!
#9 am 14.03.2015 von Gast
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Gast
ff. Ausserdem half ihm Cannabis - wie bekannt und im Artikel angegeben - gegen seine Schmerzen, der Appetit wurde angeregt, die Stimmung angehoben und er verhalf zu besserem Schlaf, dadurch wurden auch Medikamente eingespart, die seine Leber noch mehr strapaziert hätten! Das er so lange leiden musste hatte nichts mit Drogenkonsum zu tun, sondern mit einer zu spät erkannten HEP C, die er sich unbemerkt eingefangen hatte und die mit Leberkrebs endete. Wenn in solch schweren Krankheitsfällen ein bisschen Cannabis hilft, dann ist das für mich schon fast ein Wundermittel der Natur! Vielleicht versteht so mancher jetzt mein Engagement FÜR die Freigabe - lieber Cannabis konsumieren, als Alkohol!
#8 am 14.03.2015 von Gast
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Gast
Ich bin seit Jahren Verfechter der Legalisierung von Hanf und das hat nichts mit "Freigabe von Drogen für Alle" zu tun, dann müsste zuerst der Alkohol verboten werden, der die Sozialgemeinschaft so schädigt, dass der "Aufstand", der wegen Cannabis gemacht wird, völlig lächerlich ist! Mich ärgert schon, dass so viele Steuergelder für die komplett gescheiterte Drogenpolitik und die damit verbundene Kriminalisierung rausgeschmissen werden, zumal das Suchtpotential von Cannabis im Vergleich zu Alkohol unverhältnismäßig geringer ist! Gleichzeitig durch den Wegfall der Illegalität hätten Kranke sehr viel einfacher Zugang zu Cannabis und auch die Medikation würde sicherlich deutlich billiger! Also eine weitere Kostenersparnis...von den zu erwartenden Steuereinnahmen ganz zu schweigen! Mein eigener verstorbener Mann baute im Hinterhofgarten Cannabis an, und die Pflanzen gediehen,bei erneuter Bettlägerigkeit wurden die Pflanzen von den Nachbarn gegossen! 😉😁
#7 am 14.03.2015 von Gast
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Gast
Es heißt:" Man befürchtet missbräuchliche Anwendung...."! Ein Hohn..wie sieht es mit Tilidin und Co aus? Eine Gefahr der missbräuchlichen Anwendung besteht bei vielen Medikamenten.Wenn man mit korrekten Dosierungen unter ärztlicher Kontrolle arbeitet, sollte dies nicht passieren! Eigenanbau fördert da eher die missbräuchliche Anwendung ...so sehe ich das!
#6 am 24.02.2015 von Gast (Studentin der Pharmazie)
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Gast
:-D Mehr kann ich nicht sagen! Blödsinn mit dem Eigenanbau! Ich stimme ihnen voll und ganz zu! Ich stelle ja auch nicht mein eigenes Opioid zu Hause her!
#5 am 24.02.2015 von Gast (Studentin der Pharmazie)
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Mir geht es als Hausarzt eben nicht um den Eigenanbau, sondern um zuverlässig funktionierende, pharmazeutisch exakte Dosierungen bei Schmerzen und Palliation. Deshalb mein Hinweis auf eine Dronabinol-Rezeptur Arznei mit Cannabis, die bedauerlicherweise im GKV System n i c h t erstattet wird.
#4 am 21.02.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Ebert
Eigenanbau heißt eben nicht, dass jeder gebrechliche seine Plantage hochziehen muss. Mehrere Anbauwillige könnten sich aber in einem lizensierten Verein organisieren und Anbau und Abgabe nach amerikanischem Vorbild kontrollieren lassen. Finanziell profitieren könnten davon nur wenige, das ist euer eigentliches Problem. HANF GEGEN MS
#3 am 13.02.2015 von Ebert (Gast)
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Hans
Dronabinol enthält nicht alle Wirkstoffe der Hanf-Pflanze, deren Kombinationscodes sind noch lange nicht gelöst. Daher sollte eher ein Gesamtextrakt die erste Wahl sein! Um niemanden zu benachteiligen.
#2 am 13.02.2015 von Hans (Gast)
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Gast
Wenn der Hanf-"Eigenanbau zu therapeutischen Zwecken" reguliert wird, werden auch in Deutschland lizensierte Unternehmen zuverlässige, standardisierte Produkte herstellen können. Wichtig dabei, die Medizin sollte nicht nur als allerletzte Möglichkeit zugänglich und finanziert sein. Auch ich als MS-Patient profitiere von der Pflanze Hanf, indem die Schubraten seit Konsumbeginn nicht mehr messbar sind. (Kein Kortison mehr seit 7 Jahren) Dass Patienten eine potentiell wirksame Medizin untersagt wird, ist ein Verbrechen. Nicht ich begehe mit der Selbstmedikation eines.
#1 am 13.02.2015 von Gast
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