PR: Weltweit nur ein Hersteller und jetzt dramatische Preissteigerung bei Krebsmedikament

04.02.2015
Teilen

Berlin, 30. Januar 2015 - Anfang des Jahres ist der Preis für Carmustin, einem unersetzbaren Medikament bei der Vorbereitung von Patienten für eine Stammzelltransplantation, unangekündigt auf mehr als das Dreifache gestiegen. Der Vorgang zeigt die weiterhin bestehende Anfälligkeit der medikamentösen Versorgung von Krebspatienten, vor allem bei älteren Substanzen außerhalb des Patentschutzes.

Seit mehreren Jahren gibt es wiederholt Lieferengpässe bei Medikamenten gegen Krebs und andere Erkrankungen. Die Gründe sind vielfältig. Sie reichen von Problemen bei der Herstellung bis zu Rückgaben von Zulassungen aus wirtschaftlichen Gründen. Das Krebsmedikament Carmustin wird seit mehr als 40 Jahren in der Behandlung von bösartigen Tumoren eingesetzt. Es ist heute ein fester und unersetzbarer Bestandteil bei der Vorbereitung von Patienten zur Blutstammzelltransplantation. Vor allem Kinder und Erwachsene mit aggressivem Lymphknotenkrebs sind betroffen. Der frühere Inhaber des Medikamentes hatte die Lizenz für Carmustin 2013 an eine indische Firma verkauft. Sie ist jetzt der weltweit einzige Hersteller.

Im Februar 2014 wurde Carmustin in Deutschland vom Markt genommen. Seitdem wird es über eine englische Vertriebsfirma importiert.

Ohne Vorankündigung stieg nun der Preis am 2. Januar 2015 auf mehr als das Dreifache, von etwa 300 Euro auf über 900 Euro pro Ampulle. Für Trans-plantationszentren bedeutet das eine finanzielle Mehrbelastung von bis zu 300.000 Euro pro Jahr und mehr. Prof. Dr. Mathias Freund, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.: „Eine solche kurzfristige, finanzielle Belastung ist durch die Vergütungen im DRG-System nicht aufzufangen. Diese Risiken können nicht von den Krankenhäusern getragen werden. Medikamente dieser Art müssen über Zusatzentgelte finanziert werden und über Pauschalen.“

Die Ursachen der Probleme bei Carmustin sind identisch mit denen, die in der Vergangenheit zu Lieferengpässen von Medikamenten geführt haben. Die DGHO fordert von der Politik Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungssicherheit mit Krebsmedikamenten. Die Verengung des Weltmarkts bei Carmustin auf nur einen Hersteller ist ein weiteres Warnsignal, das zum Handeln auffordert.

DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. besteht seit mehr als 75 Jahren und hat heute über 2.900 Mitglieder, die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, der Wissensdatenbank, der Durchführung von Fachtagungen und Fortbildungsseminaren sowie ihrem gesundheitspolitischen Engagement fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen und Patienten im Fachgebiet.

 

Bildquelle: DGHO

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.02.2015.

1 Wertungen (5 ø)
411 Aufrufe
Pharmazie, Pharmakologie
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Unser Dank geht an die ganze Expertengruppe unter Koordination von Prof. Griesinger und namentlich an Dr. Eberhardt mehr...
Das Verfahren zu Nivolumab (Opdivo®) im neuen Anwendungsgebiet ist das vierte Verfahren zu immunologisch wirksamen mehr...
Ein Ergebnis des Pharmadialogs ist die Installation eines Arztinformationssystems zu Ergebnissen der frühen mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: