Podex, zur Sonne, zur Freiheit!

27.01.2015
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Praxisinhaber aufgepasst. Die Novelle der Arbeitsstättenverordnung, die der Bundestag Anfang März beschließen soll, hat es in sich. Wer seinen Mitarbeitern in Zukunft Toiletten ohne Tageslicht anbietet, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

In Deutschland haben sich Generationen von Ministern in Gesetzesblättern und Verordnungen verewigt. Das ist systemimmanent: Denn der einzige sichtbare Output einer Behörde ist bekanntlich Papier. Andrea Nahles, ihres Zeichens Arbeitsministerin, will hier keine Ausnahme machen. Mit der neuen "Verordnung zur Änderung von Arbeitsschutzverordnungen" wird durch den Einsatz der streitbaren SPD-Frau nun endlich ein Körperteil emanzipiert, das am Arbeitsplatz bisher nie die Chance hatte, aus dem Fenster zu sehen: Der Hintern. 

In der Änderungsvorlage heißt es unter Ziffer 3.4 schlicht: "Arbeitsräume, Sanitär-, Pausen- und Bereitschaftsräume, Kantinen, Erste-Hilfe-Räume und Unterkünfte müssen ausreichend Tageslicht erhalten und eine Sichtverbindung nach außen haben." Lies: Toiletten oder Teeküchen brauchen bald ein Fenster. Wenn keines da ist, verhält man sich als Arbeitgeber ordnungswidrig. Was dann drohen könnte, lässt sich im Bußgeldkatalog zur Arbeitsstättenverordnung nachlesen.

Ich werde den Betrag schon mal zur Seite legen. Sie sollten das auch tun, wenn Sie kein Klo mit Aussicht haben. Oder Sie greifen zu einer der folgenden Lösungen:

Damit hätten Sie das Tageslichtproblem gelöst. Schwieriger wird es mit der Sichtverbindung. Hier kann - in enger Absprache mit Ihrem Vermieter - ein leistungsstarker Fassadenbohrer Abhilfe schaffen. Das Arbeitsministerium hilft Ihnen sicher bei der Auswahl geeigneter Geräte. 

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.04.2015.

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Nicht zwingend - denn beim Dixie könnte man die Tür auflassen, um die Sichtverbindung nach außen herzustellen. ;-)
#19 am 05.02.2015 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
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Gast
Das dürfte dann wohl auch das Aus darstellen für alle Dixi-Klos, die ja auch kein Fenster haben. Sonst hätte ich als Praxisimmobilienbesitzer ein Dixi auf den Parkplatz stellen lassen. Übrigens: die ersten zwei Helferinnen haben schon ihre Kündigung angedroht, wenn sie nach Sonnenuntergang die (fensterlose) Toilette nicht mehr benutzen dürfen - nach dem Verordnungsentwurf ist Tageslicht zwingend erforderlich!
#18 am 02.02.2015 von Gast
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Hier wird der Schwachsinn zur Methode ! Zum Auswandern bin ich leider schon zu alt. Aber ich werde mich für die verbleibenden 10 Jahre sehr wohl wappnen, um diesem und den zukünftigen Ungeheuerlichkeiten aufrecht entgegentreten zu können. Liebe Edelsozis und rot/sozialistisch weichgespülte Christdemokraten: Versorgungssicherheit und Gute medizinische Versorgung im Patientensinne auf breiter Basis schafft man mit solchen und ähnlichen Maßnahmen sicherlich nicht ! Euch sicherlich gleichgültig, Ihr seid ja eh privatversichert !
#17 am 01.02.2015 von Dr. med. Jürgen Matthes (Arzt)
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Lassen Sie es mich rustikal sagen: Fenster auf dem Scheißhaus? Wer braucht so etwas? Lüftung, sauberes Klo, Heizung, Waschbecken, das dürfte doch wohl reichen. Wir haben auf 4 von 5 Klos unserer Praxis zwar Fenster, aber was der Sinn dieser Verordnung sein soll, das erschließt sich wohl nur den Jecken im Ministerium. Außer der Krümmung der Banane bzw. der Salatgurke habe ich bisher keinen größeren Schwachsinn gelesen. Die nächste Verordnung folgt auf dem Fuß: sitze ich friedlich auf dem Klo, könnten ja Spanner mir bei meinem Geschäft zusehen. Also ist der Arbeitgeber wieder dran, diese Möglichkeit zu verhindern, denn das wäre ja sonst Stalking. Dieser Teil des Gesetzentwurfes zeigt mal wieder, mit was für einem Schwachsinn sich hochbezahlte Volksvertreter beschäftigen, um ihre überhöhten Diäten rechtzufertigen.
#16 am 01.02.2015 von Dr. med. Martin Lorenz (Arzt)
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Gast
Es ist schlicht die Realität, die ich erlebe. Lassen Sie es 70 Personen an einem 9-Stundentag sein, besser wird es dann auch nicht.
#15 am 31.01.2015 von Gast
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Gast
Kurz zu Frau Nahles-Den Abschluss Magistra Artium in den Fächern Neuere und Ältere Germanistik sowie Politikwissenschaft,der Arbeitstitel ihrer geplanten Doktorarbeit lautete Walter Scotts Einfluss auf die Entwicklung des historischen Romans in Deutschland. Daher stammen wohl ihre strotzenden Einfälle und Ideen. Einem Beruf ist sie bisher nie nachgegangen. Stets im Mittelpunkt stand wohl ihr politischer Gestaltungswillen, weniger der nach tatsächlicher Arbeit.
#14 am 31.01.2015 von Gast
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Gast
Teil 2:Praxisinhaber kommt als ein Beispiel in die Medien- als weiterer Beweis der Unglaubwürdigkeit und hohen Kriminalisierungsrate der Deutschen Ärzteschaft. KV ist verpflichtet, diese Praxis aufzukaufen und ihrem KV eigenen Konzern Patiomed zuzuführen. Der Einkaufswert wird nach dem griechischen Modell wegen der nicht qualitätsgerechten opportunistischen Praxisführung auf die Höhe eines Mindestlohneinkommens (8,50 Euro Stundenlohn) beziffert und später an den Höchstbietenden Medizinkonzern verkauft.Der die ehemalige Praxis betreibende Leistungserbringer (es gibt, glaube ich, keine Ärzte mehr) wird zwecks Rehabilitativer Erziehung zu Sozialarbeit vorzugsweise auf dem Land verurteilt. Ersatzweise als Angestellter Leistungserbringer in einem ländlichen MVZ (JanzWeitWeg- Gruppe) für nicht unter 5 Jahre. Anschließend wird die Rehabilitation überprüft in einem Testverfahren, dem die Arbeitsstättenrichtlinie 37/1, die Richtlinie VDI 6000, die Bundesrats-Drucksache 509/14 vs. 509/1/14, und die an der Wand des ihr unterstellten Staatssekretärs Dogmen (Titel- Du sollst nur auf Deine Arbeit- und Sozialministerin A. Nahes hören) zugrunde liegen.
#13 am 31.01.2015 von Gast
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Gast
Übersetzt: kein Tageslicht, kein WC. Im Dunkeln kein Pipi. Praxisöffnungszeiten nach dem Mondkalender. Manche Wintertage ist ganz zu. Termingarantien: Die im Dunkeln sieht man nicht... . Wird im Düstern gearbeitet: Korruptionsverdacht! Sofortige Meldung an die Krankenkasse, die Strafantrag stellt wegen Abrechnungsbetrugs!
#12 am 31.01.2015 von Gast
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Die Anzahl der Toilettenräume in Betrieben sind in Deutschland durch die Arbeitstättenrichtlinie ASR 37/1 sowie die Richtlinie VDI 6000 geregelt. Ich weiß nicht, wo sie das Beispiel mit 2 Kabinen für 100 Personen hernehmen - möglicherweise aus einer alten Klassenkampffibel. Eine Baugenehmigung bekommen sie dafür jedenfalls nicht.
#11 am 31.01.2015 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
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Angestellter
Guten Tag, der Beitrat strotzt vor Unverständnis für diese Thematik. Vielleicht auch daraus resultierend, dass Sie nicht andere "Örtlichkeiten" mit Massenbetrieb in Unternehmen kennen. Sie sollten einfach mal ein WC ohne Fenster aufsuchen, dass für ca. 100 Personen zur Verfügung steht. 2 Kabinen, 2 Bedürfnisstände (natürlich diese ohne Trennwand). Nach 10 Stunden und bei Leuten mit extrem geruchsintensiver Verdauung, werden Sie es vorziehen, lieber es sich zu verdrücken als in diese Gaskammer reinzugehen. Einmal davon abgesehen... Lüften hilft auch, die Keimbelastung zu reduzieren. Ich wünsche viel Spaß, wenn ein Mitarbeiter Norovirus mitbringt und dann sukzessive die Belegschaft reduziert wird. Ich empfehle Ihnen einen Ausflug in die Wirklichkeit deutscher Unternehmen. Grüße, JS
#10 am 31.01.2015 von Angestellter (Gast)
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Klingt verdächtig nach dem Manifest des Semikolon-Bundes. Time to say good buy...
#9 am 31.01.2015 von Dr.med. Dorothea Menges (Ärztin)
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I stand corrected. Im Bundesrat scheint es noch Leute mit Verstand zu geben. Das Tageslichtgebot soll jetzt nur noch für Pausenräume und Kantinen gelten - falls das Arbeitsministerium nicht noch mal querschießt. Denn soweit ich mit Gesetzgebungsverfahren vertraut bin, kann das BMAS noch mit einer Gegenäußerung reagieren. Die Sache ist also noch nicht vom Tisch. Frau Nahles will tatsächlich Tageslicht auf dem Klo einführen - nachzulesen auf der Seite des BMAS.
#8 am 31.01.2015 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
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Gast
Der Artikel ist wirklich toll geschrieben, ich habe aber leider den starken Verdacht, dass es eine "Ente" ist: der Entwurf der Verordnung wurde vom Bundesrat am 19.12.2014 nämlich mit zahlreichen Änderungen gegenüber dem Ministeriumsentwurf verabschiedet - vergleiche Bundesrats-Drucksache 509/14 vs. 509/1/14 (einfach googlen), bei letzteter ist Seite 9 Nr. 14 entscheidend! Die "podices populi" werden daher wohl weiter ausreichend belüftet, aber nicht natürlich beleuchtet werden müssen, und die "Aussichten" für arbeitstätige Gesäße bleiben dann doch wohl eher "oval"... (übrigens, im extra verlinkten Bußgeldkatalog konnte ich - bezeichnender Weise - zum Stichwort "Tageslicht" gar kein Bußgeld finden...) Allzeit "erhellende Sitzungen" wünscht ein Medizinrechtler
#7 am 30.01.2015 von Gast
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Gast
Wer in seinem Kopf das Personal in einer Praxis nur als Kostenfaktor erlebt und diese nicht als Praxisteam das mit maßgeblich den Ärzte/Ärztinnen in deren Arbeitsfeld unterstütz, entlastet und reibungslose Abläufe ermöglicht, der wird sicher diesen "Kostenfaktoren" nicht mehr als ein luft- und lichtloses Loch als Pausenraum und Toilette zugestehen. Das hat gewisse Ähnlichkeiten wie in der extensiven Geflügelhaltung.
#6 am 30.01.2015 von Gast
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Gast
Sehr treffend und sehr gut!
#5 am 30.01.2015 von Gast
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Was Ideologen alles für Schwachsinn produzieren, wundert mich nicht. Die Mehrzahl aller Toiletten in Gewerberäumen hat kein Fenster Es wundert mich nur, daß unsere Wirtschaft trotzdem noch so gut läuft. Wie lange noch? Aber, es gibt ja Lösungen: Dixi-Clo mit Tageslicht vor die Praxis stellen oder: Es gibt jetzt so Tüten zum Pipimachen im Auto ( http://www.pipi-leicht.de/) Da schicken wir jetzt unsere Mitarbeiterinnen in ihr oder auch unser Auto, das hat doch Tageslicht. Oder Busch vor die Praxis pflanzen, da kann man auch gleich frische Luft schnappen Aber: was macht man, wenn es dunkel wird und kein Tageslicht mehr da ist. Gilt dann auch die Straßenlaterne? Oder besser: gar keine Toilette anbieten, daß kostet weniger Bußgeld als eine Toilette ohne Tageslicht Wer hat noch Vorschläge?
#4 am 30.01.2015 von Dr. med. Gerhard Walter (Arzt)
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Hm. Warten war bei Gesetzgebungsverfahren noch nie die richtige Antwort.
#3 am 30.01.2015 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
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Gast
Auf die Durchführungsverordnung warten! Es kann sein, dass die Toilette kein Sanitäraum und eine Teeküche kein Pausenraum im Sinne des Gesetzes ist.
#2 am 30.01.2015 von Gast
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Da fehlt eigentlich nur noch: "Betriebsstätten wie Geldtresore, Bankschließfächer, Vorrats- und Weinkeller, Lagerräume und Tiefaragen müssen ausreichend Tageslicht erhalten und eine Sichtverbindung nach außen haben." ;-)
#1 am 29.01.2015 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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