App der Woche: SmartPilot Xplore

08.01.2015
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Patienten sicher in den Schlaf schicken: Die Berechnung von Anästhetika und ihrer Wirkung ist Präzisionsarbeit. Dosierungsverhältnisse, Zugabezeitpunkte, Interaktionen von Anästhetika - alles muss exakt eingehalten werden, um Komplikationen zu vermeiden. Lässt sich das komplexe Verfahren simulieren? Die App SmartPilot Xplore kann diese Frage möglicherweise bejahen; wir haben sie getestet.

Anästhesisten und Studenten bietet die App SmartPilot Xplore von Dräger eine gute Möglichkeit, ihr Wissen auch außerhalb der Praxis umzusetzen und zu erweitern. Denn praxisbezogene Übungen lassen sich im Alltag zwar durchrechnen, dynamisches Lernen und die Anwendung ist außerhalb der Praxis  jedoch schwer umsetzbar.

Der SmartPilot simuliert eine Narkose inklusive Vorbereitung und Durchführung. Sie kann in Echtzeit abgespielt werden und gibt eine Live-Situation recht wirklichkeitsgetreu wieder. Dabei geht es vor allem darum, die Interaktion und den Verlauf der Narkose deuten und regulieren zu können.

So funktioniert's:

Vorbereitung der Narkose

Die Narkose-Visualisierung lässt sich auf jeden Patienten adaptieren. Dazu werden zunächst dessen Stammdaten eingegeben (Alter, Größe, Gewicht, Geschlecht). Fallbeispiele lassen sich allerdings nicht speichern. Vor allem für den Lerneffekt wäre das eine hilfreiche Option; man kann lediglich den vorherigen Fall wiederaufnehmen, einen neuen Anlegen oder mit einem "Standardpatient" beginnen (65 J./17 5cm/80 kg/m).
Im nächsten Schritt wird die Medikation ausgewählt. SmartPilot bietet neben Propofol die Analgetika Alfentanil, Fentanyl, Remifentanil und Sufentanil. Bis zu drei Anästhetika lassen sich kombinieren. Nach der jeweiligen Medikamentenauswahl, deren Konzentration entweder per Preset übernommen oder individuell eingestellt werden kann, erfolgt die Einstellung der Dosierung und der Zeitabgabe.
Alle notwendigen Schritte lassen sich hier anpassen. Bolus oder Infusion der Anästhetika sowie der Zeitpunkt und die dazu jeweilige Mengenangabe (Bolus: ml, mg, mg/kg // Infusion: ml/h, mg/h, mg/kg/h). Im zugehörigen Kontrollfenster wird anhand der eingestellten Parametern eine direkte Verlaufskurve erstellt, die in einem 2-dimensionalen Graphen die Konzentration im Blut (y-Achse) zum aktuellen Zeitpunkt und im weiteren Verlauf (x-Achse) anzeigt.
Im Verlauf der simulierten Narkose kann durch einen längeren Touch auf das entsprechende Analgetikum eine neue Dosierung hinzugefügt werden. 

   m_1421159104.jpg     m_1421159105.jpg        

Während der Narkose

Ist die Medikation eigestellt, läuft die Simulation in Echtzeit ab. Des weiteren kann die Simulation auch mit zwei- bis 64-facher Geschwindigkeit abgespielt und an jedem Punkt angehalten werden. Es lassen sich über die zwei Graphen (siehe unten) folgende Daten ablesen:

- Anzeige des Noxious Stimulus Response Index (NSRI) als Trendgraph und Zahlenwert
- Effektkompartiment-Konzentration (Ce) der Medikamente in ISO-Farben dargestellt
- Anzeige der pharmakokinetische Modelle (nur iPad)
- Vorschau der Medikamentengabe „What-If“ integriert (nur iPad) 

- „Time to TOSS“-Anzeige integriert (nur iPad)

m_1421159417.jpg

SmartPilot Xplore visualisiert damit die Interaktion der Narkosemittel punktgenau und zeigt den kommenden Verlauf an. Die rechte Hälfte des Screens zeigt das kombinierte Verhältnisse von Propofol und Remifentanil Äquivalent; zusätzlich zeigt die App die Quelle des pharmakokinetischen Modells.

Fazit:

Die App ist überzeugend konzipiert und auch intuitiv zu handhaben. Für den Grad an Übersichtlichkeit der Graphen ist ein iPad sicherlich von Vorteil. Die Darstellung auf dem iPhone ist zwar mit einer Umschaltfunktion zwischen Medikationsgraph und kombiniertem Äquivalent umschaltbar, trotzdem ist allein aufgrund der Screengröße das iPad hier angenehmer. Außerdem fallen bei der Darstellung auf dem iPhone einige Anzeigen weg (siehe oben). Die Option, Fälle speichern zu können und erneut abzurufen fehlt leider auch. Das wird wiederum von der Möglichkeit die Simulation im Zeitraffer abspielen zu lassen ein wenig aufgefangen, da sich Fälle ohne große Zeitverluste einfach nochmals durchspielen lassen.


 

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.02.2015.

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