Schmerzmittel bei Daueranwendung oft ohne Zusatznutzen

10.12.2014
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Starke Schmerzmittel, die über einen längeren Zeitraum gegen chronische Schmerzen eingenommen werden, haben den gleichen Effekt wie eine Behandlung ohne Medikamente. Dies ist das Ergebnis einer umfangreichen Meta-Analyse von Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Technischen Universität Darmstadt.

Unter chronischen Schmerzen, die nicht auf einen Tumor zurückgehen, leidet nahezu ein Viertel der Deutschen. Ursache können beispielsweise rheumatische Erkrankungen wie Arthritis, Erkrankungen des Nervensystems oder Probleme mit Rückenmuskulatur und Wirbelsäule sein. Die Möglichkeiten zur Behandlung dieser Schmerzen reichen von psychologischen und physiotherapeutischen Verfahren über leichte Schmerzmittel bis hin zu starken opioidhaltigen Medikamenten.

Schmerzmittelwirkung kein Dauerbrenner

Das Ziel der Wissenschaftler war es, einen Überblick zu den Langzeitwirkungen der unterschiedlichen Behandlungsarten von chronischen Schmerzen zu erstellen. Sie bewerteten die Ergebnisse aus insgesamt 3.647 Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften. Letztendlich untersuchten die Forscher die Daten von 10.742 Patienten. „Die Ergebnisse unserer Analyse haben uns selbst überrascht. Langfristig gesehen sind die Wirkungen von Schmerzmitteln klinisch unbedeutend im Vergleich zu einem Placebo“, erklärte Prof. Christoph Stein, einer der Studienautoren. „Man erzielt also über einen langen Zeitraum hinweg mit starken Schmerzmitteln die gleiche Wirkung wie mit physiotherapeutischen und psychologischen Verfahren“, ergänzte er.

Schmerzmittel bei Daueranwendung nebenwirkungsreicher

Schmerzmedikamente, die über einen langen Zeitraum eingenommen werden, können schwere Nebenwirkungen hervorrufen, beispielsweise an den Nieren und im Magen-Darm-Trakt. Die Ergebnisse der Meta-Analyse legen nahe, bei der Behandlung chronischer Schmerzen vor allem auf solche schädlichen Schmerzmedikamente zu verzichten. „Bei der Behandlung chronischer Schmerzen, die nicht durch einen Tumor hervorgerufen werden, sollte zukünftig ein breiterer Ansatz im Vordergrund stehen, also einer, der nicht nur die medizinischen, sondern auch die psychosozialen und physiotherapeutischen Aspekte berücksichtigt“, betonte Prof. Stein abschließend.

Welche zum Teil evidenten Alternativverfahren zur Schmerzlinderung zum Beispiel bei Arthrosepatienten angewendet werden können, lesen Sie hier: http://ideen-und-wissen.blogspot.de/2014/11/alternative-arthrosemittel-was-wirklich.html

 

Quelle: Reinecke H, Weber C, Lange K, Simon M, Stein C, Sorgatz H. Analgesic efficacy of opioids in chronic pain - recent meta analyses. Br J Pharmacol. doi: 10.1111/bph.12634

Bildquelle: gosheshe, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.12.2014.

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Gast
Opiate sind wirksam!
#2 am 19.12.2014 von Gast
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Gast
Nun ich bin Schmerzpatientin ( am ehesten beschreibbar mit neuropathischen Schmerzen durch Veränderungen an der Wirbelsäule) und habe versucht, die Schmerzmedikation abzusetzen, weil ich so die Idee hatte: "Die wirken nicht soo stark, ich kann auch ohne." Schon nach einer Woche habe ich sie wieder angesetzt - ich habe es vor Schmerzen schlicht nicht mehr ausgehalten. Wie soll ich physiotherapeutische oder psychologische Verfahren bewältigen, wenn ich die ganze Zeit heulend im Bett liege? Ich verstehe es so, dass die Schmerzmedikation erstmal überhaupt die Basis für die anderen Behandlungen ist!
#1 am 12.12.2014 von Gast
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