Problemfall Harninkontinenz: Land unter in Deutschland?

14.11.2014
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Bis zum Jahr 2040 wird der Anteil der Menschen, die älter als 65 Jahre sind, auf über 25 % ansteigen. Zeitgleich sinkt aber die Zahl der Mediziner bei uns um bis zu 37.000. Bei den 60- bis 79-Jährigen leidet bereits heute mehr als die Hälfte der Menschen an einer überaktiven Blase; 30 bis 40 % von diesen klagen über Harninkontinenz. Wird die Harninkontinenz damit in Deutschland zum Problemfall?

Mit zunehmendem Alter - und meist noch dadurch verstärkt, wenn ein älterer Mensch ins Senioren- oder Pflegeheim geht - steigen die Harninkontinenzraten drastisch an. In einigen Häusern sind bis zu 90 % der Senioren davon betroffen; eine Häufung findet sich vor allem bei Frauen. Bereits heute sind Pflegekräfte vielfach mehr mit dem Trockenlegen von Patienten beschäftigt als mit ihren eigentlichen Routineaufgaben. Erschwerend kommt hinzu, dass Harninkontinenz noch immer als ein Problem der Alten gilt und in der öffentlichen Meinung als klassisches Tabuthema angesehen wird.

Droht im Rahmen der Harninkontinenz ein Dammbruch?

Zukünftig mehr betroffene Patienten zu haben, ist nicht das einzige Problem am Horizont. Aktuelle Hochrechnungen des Deutschen Krankenhausinstituts zeichnen ein düsteres Bild: Bis 2019 werden mehr als 37.000 Ärzte in Praxen und Krankenhäusern fehlen, sollte sich der Ärztemangel wie bisher entwickeln. Solange sich weiterhin 35 % derer, die ihr Medizinstudium in Deutschland beginnen, später nicht als Ärzte betätigen, wird diese Entwicklung wohl nur schwer aufzuhalten sein.

Von Ärztemangel bis Harninkontinenz

Doch was heißt das nun ganz konkret für die Harninkontinenz? Immer mehr Patienten stehen immer weniger ausgebildeten Ärzten gegenüber. Wer soll denn dann zukünftig die Betroffenen versorgen? Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft und ihr 1. Vorsitzender, Prof. Dr. Klaus-Peter Jünemann, stellten anlässlich der Tagung der Gesellschaft in Frankfurt am Main einen konkreten Lösungsansatz vor: Speziell ausgebildete Kontinenzschwestern – nach österreichischem Vorbild und mit Zusatzqualifikation – könnten anstelle eines Arztes inkontinente Patienten versorgen. „Wir müssen ja das Rad nicht neu erfinden. Österreich hat bereits seit einiger Zeit Erfahrung mit solchen Qualifizierungsprogrammen für Kontinenzschwestern“, merkte Prof. Jünemann weiter an. Und warum kann das nicht jede Schwester einfach tun? „Nun, die Krankenschwestern und Pfleger müssen in der Lage sein, einfachste differentialdiagnostische Schlüsse zu ziehen“, so Prof. Jünemann, „Wir benötigen Fachleute für diese Aufgabe.“

Um dieses Ziel schließlich auch erreichen zu können, bedarf es noch so mancher Anstrengung. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft kann nicht allein politische Änderungen und Nachbesserungen bei der Ausbildung von medizinischem Personal bewirken. „Deshalb werden wir verstärkt mit Verbänden der Urologen, Gynäkologen und Viszeralchirurgen zusammenarbeiten.“, so Prof. Jünemann zum Abschluss.

Quelle:

Pressekonferenz anlässlich des 26. Jahreskongresses der Deutschen Kontinenz Gesellschaft am 14.11.2014 in Frankfurt am Main

Bildquelle (Außenseite): FreakOut, thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.01.2015.

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Gast
ich muß in der nacht 10 mal aufs wc und tags über auch noch
#10 am 13.01.2015 (editiert) von Gast
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Chirurg
#8 ist völlig korrekt für Frauen. Bei Männern ist es dagegen nicht die Inkontinenz, sondern der Harndrang mit (mehrfacher) Nykturie, ein ganz anderes Problem, fast das Gegenteil, aber ebenso subjektiv "deprimierend". Hier kann man nicht einfach operieren, ein enger Zusammenhang mit der benignen Prostatahypertrophie besteht offensichtlich NICHT. Körperliche (sportliche) Fitness insbesondere auch der Wirbelsäule scheint hier eine große Rolle zu spielen.
#9 am 29.11.2014 von Chirurg (Gast)
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zu# nicht weniger, sondern mehr Op´s überwiegend bei Frauen mit allgemeiner Beckenbodensenkung, wahrscheinlich kennst du das gar nicht. Heilen, nicht jahrelang erfolglos herumdoktern, sollte das Ziel sein. Die Frauen fallen dir dann um den Hals, wenn sie endlich wieder kontinent sind.
#8 am 29.11.2014 von Gast (Gast)
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Gast
Frühzeitiges Blasentraining kann einiges verbessern, aber bei Erkrankungen leider nicht aufheben. oft wird aber aus Zeitdruck u. - mangel lieber ein Katheter gelegt, als mit Patienten/Bewohnern ein Blasentraining durchgeführt. Dazu könnte unterstützend auf alternative Medizin ausgewichen werden, aber dann könnten sich viele auf lange sicht ja nichts mehr dazu verdienen! Wie wär`s mit mehr Personal u. dafür weniger Op`s u. weniger Medikamente! Die Alternativ Medizin hat seit vielen Jahren mehr Möglichkeiten als die Schulmedizin! Auch wenn dies oft von einigen Personen vorschnell abgewertet wird.
#7 am 25.11.2014 von Gast
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Dr. rer. nat. Marcus Mau, was mich immer etwas irritiert, wenn junge unwissende Menschen das "Altwerden" immer so als Katastrophe darstellen.
#6 am 20.11.2014 von Gast (Gast)
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das soll man nicht "pflegen" sondern wegoperieren, zeitgemäß endoskopisch.
#5 am 20.11.2014 von Gast (Gast)
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unterwegs findet man schwierig Toiletten ,oder solche die 50 Cent kosten? Das wo man häufig muß ? Auch ein Faktor der auch am Arbeitsplatz (manchmal weite Wege und unabkömmlich );-
#4 am 18.11.2014 von Bürgerin Marina Bausmer (Nichtmedizinische Berufe)
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Die Überschrift ist schon richtig. Daß man/frau mit vorrückendem Alter irgendwann tröpfeln, war schon immer so. Die Fragen sind, ab wann das passiert, in welchem Umfang, wieso genau und ob unsere Medizin etwas Konkretes dagegen unternehmen kann. Wenn ich mir die Urologischen Fachärzte da so betrachte, habe ich meine Zweifel. Insbesondere, wenn ein Kassenpatient undicht wird. Und daß die stationäre Pflegesituation schlimm ist und immer schlimmer werden wird, wissen doch alle. Die Inkontinenz ist nur ein kleiner Teilaspekt dieses Desasters.
#3 am 18.11.2014 von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Die Überschrift finde ich einfach unverschämt!
#2 am 18.11.2014 von Gast
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Prof. Jünemanns Einschätzung, nur spezielle Kontinenzschwestern (allein dieser Begriff zeugt von einer altertümlichen Sichtweise auf die Pflege) seien in der Lage, "einfachste differentialdiagnostische Schlüsse zu ziehen" muss entgegengesetzt werden, dass es in Deutschland den für die Pflege verbindlichen Expertenstandard "Kontinenzförderung in der Pflege" gibt, wohingegen Österreich Expertenstandards nicht kennt. Die Pflege ist nicht so einfältig, wie mancher gerne glauben machen möchte und durchaus in der Lage auch aufwändigere Assessment- und Diagnoseverfahren zu entwickeln und anzuwenden. Gerade eine neue Generation von akademisierten Pflegekräften wird hier für Bewegung im deutschen Gesundheitssystem sorgen. Allerdings ignoriert Herr Jünemann, dass sich der Mangel an Pflegkräften noch weitaus dramatischer entwickelt, als der Schwund bei den Medizinern. Es wird also in Zukunft auf Klasse, statt Masse Wert gelegt werden müssen.
#1 am 17.11.2014 von Thomas Mayer (Pflegewissenschaftler)
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