Recht auf Tod?

13.11.2014
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Die Debatte um die Legalisierung von Sterbehilfe geht am eigentlichen Problem vorbei. Statt dem Patienten beim Suizid zu assistieren, sollte Ärzte lieber sinnlose Therapien verweigern.

"Die Würde des Mensche ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt." So steht es im Artikel 1, Absatz 1 als Grundrecht im Grundgesetz für die Bundesrepubik Deutschland.

In Würde zu sterben ist jedoch in Deutschland gar nicht so einfach, da der Tod in unserer Gesellschaft zunehmend tabuisiert wurde. War es vor einigen Jahren noch normal, zu Hause im eigenen Bett zu sterben, so findet das Lebensende heutzutage vor allem in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Hospizen, fernab von den Augen der Allgemeinheit statt, da die meisten nicht damit konfrontiert werden wollen, obwohl Leiden und Tod zu unserem Leben dazu gehören und vor allem der Tod unausweichlich ist. Dass Sterben normal ist und auch erlösend sein kann, erleben die meisten Menschen nicht mehr. Was wir jedoch nicht kennen, macht uns nur mehr Angst.

Aktuell wird öffentlich und politisch debattiert, ob aktive Sterbehilfe, also der ärztlich assistierte Suizid in Deutschland unter bestimmzten Voraussetzungen legalisiert werden sollte. Dabei werden gerne Argumente ins Feld geführt, dass man bei Tieren sinnloses Leiden aufgrund einer nicht behebbaren Gesundheitsstörung durch Euthanasie verhindert, während Menschen dieser Weg versperrt bleibt. Doch sind Krankheit, Siechtum und Schmerzen wirklich würdelos? Oder nimmt vielmehr der Tod auf Bestellung in unserer stromlinienförmigen Leistungsgesellschaft dem Leben und Leiden die Würde? Ist das Ziel ein sozialverträgliches Frühableben? Und wer soll darüber entscheiden, bei weichen Patienten die Prognose wirklich so aussichtslos und das Leid so groß ist, dass die Anleitung zum Selbstmord indiziert ist? Trifft dies nur auf Menschen mit körperlichen Gebrechen zu oder auch auf chronisch psychisch Kranke? Schließlich sehen auch Menschen mit schweren Depressionen oft keinen anderen Ausweg als sich selbst zu töten. Soll ihnen dann ärztlich dabei geholfen werden können?

Früher war es nicht ungewöhnlich, dass ältere Menschen an irgendeinem Punkt das Essen und Trinken einstellten und in Folge kurz darauf verstarben. Man nannte das dann Altersschwäche. Die Minderung der Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit ist ein Teil des natürlichen Sterbeprozesses. Was passiert heutzutage häufig in solchen Fällen, nicht zuletzt auch in Seniorenpflegeheimen? Diese Menschen bekommen eine perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG), werden quasi zwangsernährt und leben weiter, ohne dass dies die Lebenqualität der Betroffenen wirklich steigert.

Als Urologe werden mir immer wieder Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen zur Harnableitung vorgestellt, die tumorbedingt eine meist asymptomatische Harnstauung mit oder ohne erhöhten Retentionswerten entwickeln und deren Prognose letztlich infaust ist. Dass ein Tod durch Urämie möglicherweise würdevoller ist als ein protrahiertes Tumorleiden und dass eine Harnleiterschiene oder sogar eine perkutane Nephrostomie die Lebensqualität im Einzelfall erheblich einschränken können, wird dabei nicht bedacht. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele dieser Patienten gar keine invasive Therapie mehr wünschen, wenn man diese Problematik offen mit ihnen bespricht. Leider haben jedoch auch viele Ärzte Hemmungen, ein möglicherweise früheres Sterben billigend in Kauf zu nehmen und damit die eigene Hilflosigkeit in bestimmten Situationen sich selbst einzugestehen und auch vor dem Patienten zuzugeben. Infolgedessen gibt man sich zweifelhaftem Aktionismus hin.

Auf der anderen Seite ist die Palliativmedizin in den meisten Fällen sehr effektiv in der Lage Schmerzen und anderes krankheitsbedingtes Leid am Lebendende zu kupieren. Kaum einer muss wirklich Angst vor unnötigem Siechtum haben.

Beihilfe und sogar Anstiftung zum Selbstmord bleiben in Deutschland bereits unter geltendem Recht straffrei. Eine darüber hinaus gehende juristische Regelung, die den ärztlich assistierten Suizid zur gangbaren Behandlungsmethode erhebt, halte ich für eine bedenkliche und nicht wünschenswerte gesellschaftliche Entwicklung. Jakob Augstein schreibt in diesem Zusammenhang auf SPIEGEL Online sehr zutreffend: „Wenn das Schule macht, wird die Frage "Wohin mit Oma" bald einen anderen Tonfall bekommen. Wer schützt Alte und Kranke vor dem äußeren - oder inneren - Druck, die anderen und sich selbst von der Last und den Lasten des eigenen Leids zu befreien? In Wahrheit ist der Tod auf Bestellung kein Gewinn an Freiheit. Sondern eine Kapitulation - vor dem Leben und vor dem Geist des Zwecks. Ärzte und Konzerne helfen uns mit chirurgischen und kosmetischen Mitteln dabei, das Altern zu verlernen. Nun sollen wir uns von Schmerz und Leid abwenden. Es lebe die Effizienz, es lebe die Optimierung!”

 

Bildquelle (Außenseite): Leo Leung, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 29.11.2014.

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Lernt man den Quatsch mit Infusionen als "Diplompflegeexpertin" ? Na klar gibt es noch "natürlichen Tod", heute Gott sei Dank viel später als früher, Dank an unsere Ärzte.
#46 am 29.11.2014 von Gast (Gast)
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Tod auf Bsstellung ist sicher genau so fraglich wie Tod künstlich zu verlängern. Z.B. Infusion im Sterbeprozess ist mehr Qual als hilfreich. häufig kann die Flüssigkeit vom Körper gar nicht mehr richtig resorbiert werden und die körpereigenen Endomorphine werden weniger ausgeschüttet. Ein natürlicher Tod (gibt es das noch?) wäre für mich die beste Alternative. Aufgabe der Pflege und Ärzte präsent sein, gute Mundpflege mit zerstossenem Lieblingsgetränk, Schmerzbehandlung, Empathie... sonst nichts Leider wird in der Gesellschaft lieber über Extreme diskutiert, Pille zum Sterben oder Lebensverlängerung, alles andere ist nicht spannend. Wie schade!
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Gast, da ich ehrenamtlich in der Sterbebegleitung tätig bin, kümmere ich mich um Menschen, die niemanden mehr haben, der sich um Sie kümmert. Leider ist das bei uns in Deutschland so, weil sich in manchen Fällen, kein Familienangehöriger mehr zuständig fühlt. Es ist grausam, wie einsam manche Menschen sterben.
#44 am 23.11.2014 von Heilpraktikerin Gabriele Hübscher (Heilpraktikerin)
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@Heilpraktikerin Gabriele Hübscher, es ist ungerecht gerade auf Krankenhäuser zu schimpfen, in denen heute die Mehrzahl der Menschen stirbt, eher sachlich NICHT gerechtfertigt, weil sich "andere" darum nicht kümmern möchten.
#43 am 20.11.2014 von Gast (Gast)
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aus den vielen Beiträgen ist immer wieder erkennbar, dass der einfache Begriff "palliativ" nicht verstanden wird. Ältere Menschen haben nicht selten KEINE Angst vor dem Tod, aber Angst vor den unangenehmen Begleiterscheinungen, insbesondere den Schmerzen, aber auch ein nicht seltener (Tumor-) Darmverschluss ist eine Qual um es drastisch zu formulieren, wenn die Scheiße oben rauskommt. "Palliativ" heißt daher vom Begriff NICHT heilend, oder eine Behandlung, die das Leben verlängern soll, sondern LINDERND, und damit auch menschenwürdig zu sterben. Ein uraltes Prinzip, nichts neues, dazu gehört imho auch ein künstlicher Darmausgang oder eine Nierenableitung. Und es ist wie hier von einer Betroffenen geschildert völlig realistisch, dass bei Schmerzfreiheit "plötzlich" der Wunsch zu sterben verschwunden ist.
#42 am 20.11.2014 von Gast (Gast)
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Für mich persönliche Wünsche ich das Recht über das Ende meines Lebensweges selbst bestimmen zu können. Bei auf Grund schwerer somatischer Erkrankung nicht mehr zu erreichender Heilung und bei Spontanverlauf restlicher Lebenserwartung über wenige Monate (6) wünsche ich keinerlei medizinische Maßnahmen mehr die diesen Verlauf verlängern könnten und die freie persönliche Entscheidung wann ich diesem letzten Weg ein Ende setzen möchte um kein protrahiertes Leiden erleben zu müssen. Sollte ich persönlich nicht mehr in der Lage sein diesen letzten Schritt selbst zu tun hoffe ich einen verantwortungsvollen Menschen zu finden dem ich diese Last übertragen kann. Am liebsten einen der Menschen die mich auch in den guten Zeiten meines Lebens am intensivsten begleitet haben: meine Frau und meine Kinder mit der Hilfe eines barmherzigen Kollegen. Den die Würde eines Menschen ist nicht antastbar. Auch nicht vor dem Tode
#41 am 19.11.2014 von Dr. med Herbert Hagen (Arzt)
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Ich glaube das liegt an einem weitverbreiteten Missverständnis. Anerkannt und gelehrt wir das zu einem Sterben in Würde das Prinzip kein Durst und kein Schmerz gehört. Das mindeste ist einem durstigen Sterbenden die Lippen zu benetzen und kleine Schlucke zu trinken anbieten wenn er noch kann und mag. Klassische Pflege eben und nicht die Zwangsbewässerung per Infusion oder noch schlimmer die Zwangsernährung durch PEG. Tröstlich war ein Satz den ich vor kurzem bei einem an einem Magen-CA mit Darmverschluss sterbenden vom behandelnden Arzt/Chirurgen! gehört habe: die Weitergabe von Lösungen über die PEG macht keinen Sinn mehr, es wird nur noch der Tumor ernährt. Welch eine Last der Entscheidung wurde den Angehörigen durch diesen Satz genommen. Gesunder Menschenverstand und einfühlsame Einzelfallentscheidungen sind das einzige was zählt und geht. Viele Ärzte und Pflegende in der Medizin haben das längs verstanden. Dazu braucht es keine Gesetze.
#40 am 19.11.2014 von Dr. med Herbert Hagen (Arzt)
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Sorry, Herr Dr. Staudenmeier, dass ich mich erst jetzt melde. Meine Erfahrungen gehen dahin, dass Menschen die spüren, dass der Tod naht, bewusst keine Nahrung und Flüssigkeit mehr zu sich nehmen und dadurch die Nieren nicht mehr belasten. Es macht absolut keinen Sinn in der sterbe Phase noch Infusionen zu geben. Aber ich erlebe es leider immer wieder in der Pflege sowie in den Krankenhäusern.
#39 am 19.11.2014 von Heilpraktikerin Gabriele Hübscher (Heilpraktikerin)
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Gast
Palliative Beträuung nach Wunsch des Patienten ja, falls aber alles ablehnt u. "Gehen" möchte, sollte dies Jeder, sowohl ein Mediziner, als auch die Regierung akzeptieren. Warum müssen Ärzte bei unterlassen,wenn dies ausdrücklich vom Kranken gewünscht wurde,von Maßnahmen von Seiten des Gesetzes immer noch Angst u. Bedenken haben. Wer nimmt sich das Recht heraus zu bestimmen, wie lange Jemand zu leben hat u. ab wann er seiner Meinung nach endlich gehen darf? Jeder Mensch sollte ab Stand der Volljahrigkeit in schriftlicher Form festhalten müssen wie er dazu bei sich denkt u. dies alle 10 Jahre erneuern müssen! Entsprechende Vorlagen sollten dann jedem Hausarzt vorliegen!
#38 am 19.11.2014 von Gast
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@ #36: Sofern er dazu in der Lage ist, der Patient im Dialog mit seinem Arzt. Es reicht jedoch nicht, dem Patienten die Optionen aufzuzählen und dann mit der Entscheidung allein zu lassen. Die meisten sind über eine klare Empfehlung froh. Ansonsten hilft in den meisten Fällen der gesunde Menschenverstand.
#37 am 19.11.2014 von Gast (Gast)
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Wer entscheidet, was eine sinnlose Terapie ist?
#36 am 18.11.2014 von Gast (Gast)
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@ #34: Wie Sie selbst schreiben, war Ihre Todessehnsucht ein Resultat nicht suffizient therapierter Schmerzen. Wenn ich Sie richtig verstehe verging dieses Gefühl, als die Schmerzen im Griff waren. Was wäre, wenn Sie dem Todeswunsch zu früh nachgegeben hätten?
#35 am 18.11.2014 von Gast (Gast)
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Gast
Ich bin Schmerz Patientin, Gott sei dank habe ich es Dank Fentanyl im Griff bekommen, aber jemand der diese Schmerzen noch nie selber Durchlebt hat, kann gar nicht mit reden, wie groß die Sehnsucht nach dem Tod ist, sowas kann nur ein Betroffener, selbst ein Arzt kann sich das nicht im Geringsten Vorstellen, ich denke wenn es keine Schmerzfreie Lösung für den Menschen gibt, und er das Verlangen nach dem Tod hat, sollte man ihn darin unterstützen.
#34 am 18.11.2014 von Gast
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Urodoc
@#31: Danke für den Hinweis. Manchmal treibt die Autokorrektur-Funktion die merkwürdigsten Stilblüten. Korrigiert.
#33 am 18.11.2014 von Urodoc (Gast)
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Urodoc
@Klempner: Der demente Patient mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom und Urosepsis aufgrund einer infizierten Harnstauungsnjere ist sicherlich ein problematischer Fall, bei dem nur eine individuelle Entscheidung aus der akuten Situation heraus getroffen werden kann. Man kann sich insofern mit der Indikation zur Harnanleitung etwas leichter tun, als es sich um eine symptomatische Stauung handelt. Aber die Grenzen zwischen unterlassener Hilfeleistung und passiver Sterbehilfe sind nun einmal verschwommen.
#32 am 18.11.2014 von Urodoc (Gast)
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Gast
"Die Würde des Mensche ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller stattlicher Gewalt." So steht es im Artikel 1, Absatz 1 als Grundrecht im Grundgesetz für die Bundesrepubik Deutschland." Die Gewalt mag ja stattlich sein, der Schreibfehler aber auch!
#31 am 18.11.2014 von Gast
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auch von nem Klempner: @Blogverfasser: Ich finde diesen Einwurf, der Tod in der Urämie sei ja eigentlich auch was schönes, ziemlich problematisch. Sie haben natürlich recht, ein noch intellektuell "fitter" Patient kann sicherlich nach entsprechender Aufklärung eine DJ- oder Nephrostomieeinlage ablehnen. Aber was machen Sie mit einem dementen Patienten ohne Angehörige im Notdienst mit ausgeprägter aber noch nicht fulminanter Urosepsis bei beidseitiger Harnstauung bei metastasiertem PCa??? Sämtliche Theorien zu solchen Situationen bei noch aufklärbaren Patienten sind eigentlich wenig zielführend da völlig anders gelagert. Wer spielt Gott für die sich nicht äußern könnenden Betroffenen??? Mir geht diese Diskussion zum Thema Sterbehilfe an solchen "Knackpunkten" zu oft vorbei ...
#30 am 17.11.2014 von Gast (Gast)
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auch von nem Klempner: Und hier müssen wir uns ein wenig der täglichen Realität stellen und wie im Strafrecht entscheiden, ob wir lieber Betroffenen ggf. unnötig leiden lassen wollen (also keine Sterbehilfe) oder ob wir eher in Kauf nehmen wollen, Lebenswillige die sich nicht klar äußern können ggf. "Hinzurichten". Da helfen uns alle Theorien zu der Bettenzahl in der Palliativmedizin oder der Schmerzfreiheit oder dem möglichen Verhungern/-dursten nur begrenzt weiter ... sobald diese Entscheidung getroffen wurde, kann man auch eine rechtliche Regelung finden
#29 am 17.11.2014 von Gast (Gast)
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auch von nem Klempner: Schöner Beitrag. Ich denke, dass die Frage eigentlich nicht die ist, ob Sterbehilfe legal sein sollte oder nicht. Das zugrundeliegende Problem ist doch vielmehr, dass keiner garantieren kann, dass eine wie auch immer geartete Rechtsvorgabe mißbraucht wird bzw. nicht in allen Fällen richtig ist. Natürlich gibt es Menschen mit Erkrankungen, die Ihrem Leben ein Ende setzen wollen und es für diese auch gut so ist (ALS, Locked-In-Syndrome, fortgeschrittene Krebserkrankungen oder so), aber es genau so auch Menschen gibt, für die eine Legalisierung der Sterbehilfe das Todesurteil gegen ihren Willen darstellt.
#28 am 17.11.2014 von Gast (Gast)
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es gibt ein Recht auf Leben, ja dazu ist man verurteilt, macht einfach das beste draus.
#27 am 17.11.2014 von Gast (Gast)
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Frau Hübscher: können auch Sie aus Ihrer Erfahrung bestätigen, was mir eine Altenpflegerin versichert hat: nämlich dass der Tod durch Verdursten nicht nur Teil der Sterbephasen ist, sondern auch durch Nahrungs- und insb. Flüssigkeitskarenz der Sterbeprozess durch den Betroffenen selbst einleitbar ist? Und allem Anschein nach sei solch ein Tod ohne großen Todeskampf, sozusagen sanft.
#26 am 17.11.2014 von Dr. Bertram Staudenmaier (Medizinphysiker)
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Das spricht mir aus dem Herzen! Ich arbeite ehrenamtlich als Hospizhelferin in einem Altenheim für Demente im Endstadium. Wenn ich sehe, wie viele Menschen nur noch vor sich hin dämmern und keinerlei Interesse am Leben zeigen, wobei jede Menge PEG-Sonden und Infusionen gelegt werden, (es gibt keine Angehörigen mehr oder Sie kümmern sich nicht mehr)dabei kruselt es mich. Die Aussicht auf einen selbst bestimmten Tod ist hier nicht mehr gegeben und lebensverlängernde Maßnahmen, werden routinemäßig angewandt. Ich bin gegen die Sterbehilfe aber auch gegen ein Leben um jeden Preis.
#25 am 17.11.2014 von Heilpraktikerin Gabriele Hübscher (Heilpraktikerin)
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Arzt
@Barbara Schlomann-Schmitter, Sie wissen also auch nicht, was Palliativmedizin ist.
#24 am 16.11.2014 von Arzt (Gast)
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Keine Therapie ist sinnlos, solange der Betroffene sie wünscht. Auch ich denke, dass dies mit Palliativmedizin gar nichts miteinander zu tun hat. Jeder Mensch, der dem Tod durch seine Erkrankung schon sehr nahe ist, sollte m. E. selbst bestimmen dürfen, ob und wann er seinen Leidensweg beenden will. Nicht mehr und auch nicht weniger...
#23 am 16.11.2014 von Barbara Schlomann-Schmitter (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Arzt
Man muss bitte "Therapie", von manchen hier verkündete "sinnlose Therapie" von palliativer Behandlung trennen. Wer nicht versteht was palliative Therapie bedeutet, sollte hier nicht mitreden. Wer Fremdtötung erlaubt muss auch mit Missbrauch rechnen. Todesurteile können auch Fehlurteile sein. Es ist (nicht nur) in der heutigen Zeit mehr als scheinheilig, hier nicht auch an ökonomische Wünsche zu denken. In der Realität habe ich übrigens deutlich mehr "Spannungen" zwischen den Generationen erlebt, wenn der betagte Kranke NICHT mittellos war.
#22 am 15.11.2014 von Arzt (Gast)
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@Dr. Wolkerstorfer: Der Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung ist aber schon allein dadurch nicht erfüllt, wenn der Patient darin einwilligt, auf lebensrettende, respektiv -verlängernde Maßnahmen zu verzichten. So hat ein Zeuge Jehovas, der eine Transfusion ablehnt, das Recht zu verbluten.
#21 am 15.11.2014 von Gast (Gast)
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Ein Problem mit dem "Sterben lassen" stellt auch der Tatbestand der "unterlassenen Hilfeleistung" dar. Für alle und jeden, nicht nur für den Arzt! Wo fängt sie an? Wo hört sie auf?
#20 am 15.11.2014 von Dr. Martin Wolkerstorfer (Psychologe)
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@ Gast #5 "Gnadentod": Gnadentod für Mensch? Sie sind wohl von Vorgestern, Heil! Wussten Sie, dass unter TierärztInnen eine deutlich erhöhte Suizidrate besteht, da sie häufig Tiere "einschschläfern", die sie gut kennen und Jahre lang betreut haben - samt Besitzern (die oft ebenfalls heftigst leiden)? Das billige T61, das häufig verwendet wird (darf ja nix kosten) führt überdies oft zu einem gräßlichen Todeskampf.
#19 am 15.11.2014 von Dr. Martin Wolkerstorfer (Psychologe)
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Vgl. meine persönliche Meinung zur Sterbehilfeproblematik auf „Schätzlers Blog auf DocCheck“ mit einem Offenen Brief an den Kollegen Uwe-Christian Arnold, der sich selbst „als Facharzt für Urologie aus Berlin und in Deutschland als Sterbehelfer bekannt“ tituliert. http://news.doccheck.com/de/blog/post/1822-persoenliche-meinung-zur-sterbehilfeproblematik/
#18 am 15.11.2014 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Fortschritt Teil 1 Das Problem entsteht doch in seiner Massenhaftigkeit erst durch die "Fortschritte" in der modernen Zivilisation. Alles in Lebewesen hat eine Funktion. Diese werden zurückgefahren, wenn sie nicht benötigt werden. Eine Frage der Sparsamkeit unseres exklusiv praktischen Körpers. Nun schicken wir gesellschaftlich verordnet, die immer länger lebenden Menschen, massenhaft in die berentete Untätigkeit. Obendrein begeben wir uns immer weiter in die selbst gewählte Abseitsfalle. Singles statt Familien, überall. Ursprünglich haben die Alten die Jungen betreut. Beide profitierten. Besser alle profitierten, weil die Schaffensphase der Eltern so gesichert und gleichzeitig keine gesellschaftsweite Verwahrlosung der Nachwachsenden zu befürchten war. Heute ist Verwahrlosung der Standard.
#17 am 15.11.2014 von Karl-Heinz Licht (Medizinjournalist)
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Fortschritt Teil 2 Verwahrlosung ist aus Sicht der Evolution bereits ein Zustand - wie bei uns - in angeblich modernen Gesellschaften, in denen bezahlte Betreuer die absolut wichtigste Phase von zahlreichen Kindern in Einrichtungen kostenorientiert abwickeln. Was für eine Tragödie. Menschenkinder benötigen direkte verwandschaftliche, anhaltende Bindung an wenige immer gleiche Personen, in denen Sie sich ausprobierend entwickeln und so zu gefestigten Individuen werden Nur so kann sich in ihnen eine gereifte, nach innen gespiegelte Umgebung als Landkarte für ihr zukünftiges Leben herausbilden. Smartphones erziehen nicht. Sie fördern nur Selbstverliebtheit, da sie keine Forderungen stellen und auch keine durchsetzen. Charakter und Persönlichkeit sind die gesellschaftstragenden Elemente in Großgesellschaften, wie sie es in Sippen und Gruppen waren. Der gesellschaftliche Verfall ist genau hier verursacht.
#16 am 15.11.2014 von Karl-Heinz Licht (Medizinjournalist)
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Fortschritt Teil 3 Die wirtschaftlichen Interessen der Gesellschaft stehen vorne, das Interesse an Menschen und ihren Qualitäten ganz hinten. Außer funktionieren, indem sie Geld einbringen, wird nichts erwartet. Steuerzahler und Hochfrequenzkonsumenten. Kinder haben noch kein eigenes Geld und Alte geben es nicht mehr aus. Deshalb macht es Sinn, Kinder in Betreuungen zu quetschen und Alte arm werden zu lassen, da Sparvermögen und Altersreserven ja nicht konsumierend eingesetzt werden. Und man kann die in der Schaffensphase auspressen - bis Blut kommt. Richtig viel Geld, machen die vereinsamten Alten, wenn man Sie nicht sterben lässt, sondern therapiert bis zur lebenden Mumie. Achtung! Wenn die Kostenexplosion gefährlich wird, ändert sich die derzeitige Zurückhaltung bei der Sterbehilfe radikal und schnell. Die kürzliche Bundestagsdebatte zeigte schon Ansätze zur ökonomischen Vernunft, wie es dann heißen wird.
#15 am 15.11.2014 von Karl-Heinz Licht (Medizinjournalist)
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Urodoc
@Paul Musiol: Die Annahme, dass eine PEG zu einer Steigerung der Lebensqualität bei Demenzkranken führt, ist durch Studien widerlegt. Literatur: Synofzik M. PEG-Ernährung bei fortgeschrittener Demenz - Eine evidenzgestützte ethische Analyse. Nervenarzt 78: 418-428 (2007)
#14 am 15.11.2014 von Urodoc (Gast)
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Gast
Paul Musiol Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich kann Ihre Argumentation mit meinen Erfahrungen mit Demenzkranken nicht teilen. Gerne können Sie das Beiblatt der Patientenverfügung MEDDOK® dort kostenlos herunterladen: http://www.meddok.info/images/Patientenverfuegung-Beiblatt.pdf Meine Wertvorstellungen im Umgang mit dem alterskranken Menschen, der keine Nahrung essen und keine ausreichende Flüssigkeitsmenge trinken kann sind dort nachzulesen. Lassen wir doch dem Patienten in seiner Patientenverfügung selbst bestimmen, wie er seinen letzten Lebensabschnitt leben / erleben will. Schöne Grüße vom Bodensee - Paul Musiol
#13 am 15.11.2014 von Gast (Heilpraktiker)
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Vielen Dank für diesen Beitrag! Sinnlose Therapien einstellen ist ein wesentlicher Beitrag zu einem natürlichen Sterbeprozess, der vielen Menschen leider verwehrt wird. Es gehört allerdings dazu, dass die Einstellung von Therapien multidisziplinär diskutiert wird - das geschieht zwar auch durchaus bereits jetzt, aber eben leider noch zu selten. Ein weiterer wesentlicher Punkt, der leider nicht erwähnt wurde, ist die Notwendigkeit einer massiv gesteigerten Bettenzahl in der Palliativmedizin. Häufig genug werden Therapien ja auch durchgeführt, weil niemand die Verantwortung für die Leiden der Agonie übernehmen will - das betrifft Ärzte und Angehörige gleichermassen. Übrigens halte ich Jakob Augstein in diesem Zusammenhang nicht für zitierfähig.
#12 am 14.11.2014 von Michael Heins (Arzt)
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Paul Musiol
Ihr Artikel Recht auf Tod . . .# Die Patienten sterben nicht an ihrer Demenz sondern an den Folgeerkrankungen der Mangelernährung und verhungern und verdursten. Mit den Folgeerkrankungen durch die Mangelernährung beginnt das eigentliche, unermessliche Leid der Patienten. Die Patienten sterben nicht kurz darauf. Haben die Ärzte aus der Zeit des Deutschen Reiches von 1933 bis 1945 nichts gelernt? Mit der Indikationsentscheidung bei Demenzerkrankten, die medizinische Basisversorgung an Nahrung und Flüssigkeit einzustellen, machen sich die Ärzte die Finger nicht schmutzig und nehmen den Patienten doch das Leben . . . Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht so qualvoll über viele Monate Krankheitsdauer einer Demenz aus dem Leben scheiden müssen. Für Angehörige ist es ein traumatisches Erlebnis das langsame Sterben miterleben zu müssen.
#11 am 14.11.2014 von Paul Musiol (Heilpraktiker)
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Conny Kramer
Ein Votum für passive statt aktive Sterbehilfe. Danke!
#10 am 14.11.2014 von Conny Kramer (Gast)
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Es ist doch immer ein Stück Verleugnung der Sterblichkeit dabei, in der Politik oft die Verlogenheit. Menschen, die krankheitsbedingt oder altersbedingt ihr Leben beenden wollen, werden zum Weiterleben "genötigt". Wenn's ans Sterben für Volk und Vaterland, i.e. Wirtschaftsinteressen geht, dann gibt's kaum Probleme, junge Menschen hinschlachten zu lassen. In einem lesenswerten Buch ("Wie wir sterben") wird das Thema der medizinischen Machbarkeit von einem Chirurgen problematisiert. Sein Schlüsselerlebnis war eine über 80 jährige Frau mit Darmkrebs, die er überredete, sich operieren zu lassen. Es wurde dann der Bauchraum eröffnet und wieder geschlossen, weil alles voller Metastasen war. Der Kommentar der alten Dame, die nun zusätzlich geschwächt war und Schmerzen hatte: "Nun, junger Mann, war das jetzt nötig?" Jeder Einzelfall ist genau zu prüfen - ohne Verleugnung der Sterblichkeit und therapeutischer Hilflosigkeit.
#9 am 14.11.2014 von Dipl.-Psych. Bernd Kuck (Psychotherapeut)
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Das individuelle Recht eines Menschen, seinem Leben ein Ende zu setzen, hat mit einer Legalisierung aktiver Sterbehilfe nichts zu tun. Auch die Beihilfe zum Suizid bleibt straffrei. Ein Patient, der sein Krankheitsleiden beenden möchte kann und darf dies auch. Wenn er selbst dazu nicht in der Lage ist, kann man sich als sogar helfen lassen. Aber eine ärztlich "Therapie" sollte es IMHO nicht sein.
#8 am 14.11.2014 von Gast (Gast)
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Gast
Die Gedanken im Artikel finde ich gut. Auch ich sehe häufig betagte und hochbetagte Patienten die von einer zur anderen Chemotherapie gehen. Es ist halt einfacher über die noch weiter mögliche Chemotherapie oder einen palliativen Eingriff zu sprechen, als mit dem Patienten das Gespräch über den Tod zu suchen. In der heutigen Medizin ist es oft nicht die Frage was noch getan werden kann, sondern wann nichts mehr getan werden sollte, vor allem bei Betagten.
#7 am 14.11.2014 von Gast (Arzt)
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Danke für diesen Artikel. Er trifft die Lage ziemlich gut. Allerdings hat auch der Gastkommentator 5 für Einzelfälle Recht. Genau das wird die Kunst sein, diese Gratwanderung zu durchschreiten. Vor genau 2 Wochen ist mein Cousin, 45 Jahre alt, Vater dreier minderjähriger Kind an einem disseminierten Magen- Ca mit Peritonealkarzinose 10 Monate nach Diagnosestellung verstorben. Zu Hause, im Kreise seiner Familie. Dank suffizienter palliativmedizinischer Betreuung schmerzfrei bis zum letzten Tag. Dank vernünftiger ärztlicher, nichtärztlicher und familiärer Betreuung würdevoll ohne protrahierter Zwangsernährung und Bewässerung. So soll es sein wenn wir nicht mehr anders helfen und heilen können. Niemand wünscht einem anderen Leiden zu müssen wie ein " Vieh". In ganz begründeten Ausnahmefällen kann dann auch einmal eine wie auch immer geartete Strebehilfe notwendig sein.
#6 am 14.11.2014 von Dr. med Herbert Hagen (Arzt)
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Gast
"Auf der anderen Seite ist die Palliativmedizin in den meisten Fällen sehr effektiv in der Lage Schmerzen und anderes krankheitsbedingtes Leid am Lebendende zu kupieren. Kaum einer muss wirklich Angst vor unnötigem Siechtum haben." Das ist meines Erachtens der wesentliche - von der Palliativmedizin gerne verbreitete - Irrglaube. Sehr wohl gibt es Patienten, die erheblich leiden müssen trotz maximaler palliativmedizinischer Behandlung. Ich habe das schon des öfteren miterleben müssen. Ein sterbenskrankes Tier bekommt den Gnadenschuss oder wird vom Tierarzt eingeschläfert, damit es nicht leiden muss. Soll uns Menschen dieser Gnadentod nicht gewährt werden, wenn wir ihn uns denn wünschen? Sollen wir - im Gegensatz zum geliebten Haustier - den "Kelch des Leids" austrinken müssen, auch wenn wir dies für uns nicht wünschen? Ich meine, hier sollte gelten: Jeder darf, keiner muss.
#5 am 14.11.2014 von Gast
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Ich wünsche niemand, dass er in eine solche Situation selber kommt das das Leid und die Schmerzen so groß sind und die Situation ausweglos ist (Metastasen die inoperabel sind). Dann nämlich Glaube ich wünscht sich das jeder nicht dahin zu siechen sondern erlöst zu werden.
#4 am 14.11.2014 von Anke Faber (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Der mündige aufgeklärte Patient, sonst durchaus erwünscht, wird seiner Freiheit beraubt. Die Alten und Gebrechlichen der Urvölker entfernten sich von der Gemeinschaft, um durch Nahrungskarenz und Flüssigkeitsmangel das Ende herbeizuführen. Das ginge einfacher. Oder steht der mündige Patient der Gewinnoptimierung der Palliativ- und Intensivmedizin entgegen?
#3 am 14.11.2014 von Dipl.- Stom. Theres Vette (Zahnärztin)
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Jeder Mensch definiert doch für sich selbst die Begriffe Lebensmüdigkeit, Überdruß an Einschränkungen (Gehfähigkeit, Sehen, eigene Haushaltsführung usw.), Resignation im Angesicht einer tödlichen Erkrankung. Oftmals ungewollte Lebensverlängerung führt nicht zu einer Verbesserung der Lebensqualität, sondern höchstens zur Gewinnoptimierung von Pharmafirmen und Kliniken.
#2 am 14.11.2014 von Dipl.- Stom. Theres Vette (Zahnärztin)
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Danke für diesen Beitrag! Glücklicherweise ist meines Wissens die Mehrheit der Ärzteschaft in Deutschland gegen aktive Sterbehilfe.
#1 am 14.11.2014 von Gast (Gast)
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