Neue Antibiotika: Ein Fliegenfänger für Bakterientoxine

03.11.2014
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Ein internationales Forscherteam hat eine neue Substanz entwickelt, um schwere bakterielle Infektionen ganz ohne den Einsatz von klassischen Antibiotika zu behandeln. „Damit könnten künftig auch Antibiotika-Resistenzen vermieden werden“, sind sich die Forscher sicher.

Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit zu. Bei uns längst als besiegt geglaubte Krankheiten wie Tuberkulose, Gonorrhoe und Co. treten derzeit einen ungeahnten Siegeszug rund um die Welt an. Und viele unserer Antibiotika - die einstigen Wunderwaffen gegen bakterielle Infektionen - sind bereits unwirksam oder schwächeln spürbar. Der sorglose Umgang mit Antibiotika in der modernen Medizin fördert diese Entwicklungen, sodass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar schon vor Zuständen wie in der prä-antibiotischen Zeit warnt. Doch haben wir überhaupt wirksame Alternativen? Mit der Entdeckung des Forscherteams unter der Leitung von Eduard Babiychuk und Annette Draeger vom Institut für Anatomie der Universität Bern könnte sich tatsächlich ein neues Kapitel im Kampf gegen Antibiotika-resistente Keime öffnen.

Der Ansatz der Forscher: Aus Liposomen - das sind künstlich hergestellte Nanopartikel, die aus Bestandteilen der Fettschicht von Körperzellen gebildet werden – entwickelten sie einen „Schutzschild“. Dieser fängt die von den Bakterien ausgestossenen Giftstoffe ein und neutralisiert sie sehr effektiv. Dadurch werden die Bakterien für den Menschen ungefährlich und können von den Zellen des Immunsystems attackiert und unschädlich gemacht werden.

Das ist ein unwiderstehlicher Köder für Bakterien-Gifte

Liposomen werden unter anderem verwendet, um Medikamente in den Körper zu schleusen. Die Berner Wissenschaftler setzten nun Liposomen ein, welche bakterielle Giftstoffe anziehen und so die Körperzellen vor diesem gefährlichen Giftcocktail schützten.

„Mit unseren Liposomen haben wir tatsächlich einen unwiderstehlichen Köder für bakterielle Toxine entwickelt. Die Gifte greifen bevorzugt diese Liposomen an und werden dort gezielt eingefangen und unschädlich gemacht. Schäden an unseren Körperzellen treten dann praktisch nicht mehr auf“, sagte der Studienleiter Eduard Babiychuk begeistert.

„Das Tolle daran: Da sich die Wirkung der Liposomen nicht gegen die Bakterien, sondern deren Giftstoffe richtet, kann sich auch keine Resistenz entwickeln“, fügte Annette Draeger hinzu. Im Tierversuch überlebten mit Liposomen behandelte Mäuse eine ansonsten tödliche Blutvergiftung und wurden auch ganz ohne Antibiotika wieder vollständig gesund.

Mit Patent zur Anwendung?

Der neue Wirkstoff ist bereits zum Patent angemeldet worden. Die neue Substanz wird als Medikament unter dem Namen „CAL02“ von der Genfer Biotechnologiefirma LASCCO SA weiterentwickelt und für die klinischen Studien und die Anwendung am Menschen vorbereitet. Eine erste klinische Studie ist bereits in Planung mit Patienten, die an einer schweren Lungenentzündung durch Streptokokken leiden.

 

Quelle:

Henry BD et al. Engineered liposomes sequester bacterial exotoxins and protect from severe invasive infections in mice, Nature Biotechnology, 2.11.2014, doi:10.1038/nbt.3037

Bildquelle (Außenseite): Ryan Albrey, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.11.2014.

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Das waere auch etwas für mich.
#1 am 04.11.2014 von Gast (Gast)
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