Wir müssen Ebola emotional an uns heranlassen

30.10.2014
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Die Krankheit ist für uns in Deutschland weit weg und das merken Hilfsorganisationen, wie die Ärzte ohne Grenzen, an der eher niedrigen Spendenbereitschaft. Für die Menschen in Afrika aber bedeutet die Seuche noch weitaus mehr als nur Leid und Tod. Das öffentliche Leben in den betroffenen Staaten bricht zusammen, Überlebende werden stigmatisiert und ausgegrenzt – auch Kinder sind davon betroffen.

 „Ebola ist eine harte Prüfung – auch für die Helfer“, sagt Dr. Matthias Grade, der im Sommer aus Liberia zurückgekehrt war. In Liberia war er für Ärzte ohne Grenzen aktiv und versorgte 147 Patienten. „Eine Stunde in diesen gelben Anzügen ist das absolute Maximum. Sie beginnen zu schwitzen und die Brille beschlägt“, so Grade. „Das Schlimmste aber ist die enorme psychische Belastung. Dort werden Familien durch Ebola auseinandergerissen und Sie tragen jeden Morgen tote Kinder aus den Isolierstationen.“ Seine Worte berühren, doch vorstellen kann man sich das, was Dr. Grade erlebt hat, nur schwer. „Sie können dort nicht länger als 4 Wochen im Einsatz bleiben. Es macht Sie körperlich und seelisch kaputt.“ Dennoch gibt der Arzt Hoffnung, denn Ebola ist eine behandelbare Erkrankung, aber eben nicht kurativ behandelbar.

Information in Deutschland hilft, Ängste zu verringern

Die Hilfe vor Ort ist das Wichtigste, was wir den Menschen in Westafrika jetzt geben müssen. Doch um wirklich helfen zu können, brauchen Hilfsorganisationen Geld. „Das Spendenaufkommen in Deutschland ist noch sehr gering“, ergänzt Prof. August Stich von der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit. Die beste Prävention für Deutschland - wie für den Rest der Welt - bleibt, die Epidemie vor Ort zu bekämpfen. „Wir werden einzelne Ebola-Fälle auch in Deutschland sehen. Aber wir sind gut aufgestellt, um das einzudämmen“, sagt Prof. Stich. Sehr viel problematischer wird es sein, dass gerade in den Wintermonaten sehr viele Heimkehrer aus Afrika nicht selten einen Schnupfen oder eine fiebrige Erkältung entwickeln werden. „Es wird dadurch gehäuft zu Fehlalarmen kommen.“ Daher sei es jetzt besonders wichtig, gezielt die deutsche Ärzteschaft über Ebola aufzuklären. Das Gesundheitsamt Frankfurt stellt beispielsweise zu diesem Zweck Informationsmaterial auf seinen Seiten zur Verfügung (www.frankfurt.de/ebola). „Die Ärzte haben aber neben allen Maßnahmen und Veranstaltungen, die wir für sie planen, eine Abholpflicht für die Informationen“, sind sich Prof. René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamtes Frankfurt und Prof. Reinhardt Burger vom Robert-Koch-Institut, einig.

Ein Patient beschäftigt 30 Pfleger und Ärzte

Wir werden einige Patienten in Deutschland sehen.Bisher waren dies drei Erkrankte, die zur Therapie aus Westafrika nach Frankfurt, Hamburg und Leipzig eingeflogen worden waren. „Ich habe so viele Jahre auf diesen Tag hintrainiert“, merkt Dr. Stefan Schmiedel von der Berhard-Nocht-Klinik in Hamburg an, „Doch als der Patient schließlich eintraf, war alles so viel anders.“ Und was genau war anders? Insgesamt braucht es bis zu 30 Pfleger und Ärzte, die sich im Schichtdienst um einen einzigen Ebola-Patienten kümmern. Allein, um einen Menschen nach der Arbeit wieder sicher aus dem Schutzanzug zu bekommen, braucht es zwei weiterer Kollegen. „Ebola erfordert einen enormen materiellen und personellen Aufwand“, sind sich Dr. Schmiedel sowie seine zwei Kollegen aus Leipzig und Frankfurt, Prof. Bernhard Ruf und Dr. Timo Wolf, einig. Aus diesem Grund sind in allen Isolierstationen in Deutschland wohl kaum mehr als jeweils ein bis maximal zwei solcher Patienten zeitgleich zu behandeln. Ein Grund mehr, den Ausbruch mit allen verfügbaren Mitteln vor Ort in Westafrika anzugehen und einzudämmen.

Quelle: Ebola in Afrika – Ebola in Deutschland, Symposium vom 22.10.2014 in Frankfurt am Main

Bildquelle (Außenseite): NIAID, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.12.2014.

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SCHMIDT
Ebola ist eine durch das Magnetfeld der Erde, verursachte Krankheit. Die Moleküle haften aneinander,- unter dem Mikroskop sieht man eine Virusstruktur. Die Diffusion der Teilchen (Viren) ist nicht möglich, Totalausfall der Organe ist die Folge.
#13 am 29.11.2014 von SCHMIDT (Gast)
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Helfen auch die Rotschilds von Ihren Milliarden? Oder sin nur wir gefragt von unsere 1200€ Lohn was abzugeben?
#12 am 05.11.2014 von keine Eva Jungbluth (Apothekenhelferin)
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Walter Linder, der Ebolabeauftragte der Bundesregierung, hat gerade nach seiner Rückkehr aus den Ebola-Gebieten entscheidende Probleme in einem Tagespiegel-Interview (02.11.) benannt: - Viele Menschen wollen ihren erkrankten Angehörigen... die Hand halten beim Sterben. - Hauptübertragungsweg in Westafrika sind Bestattungen - Riten und Traditionen bieten der Übertragung des Ebola-Virus einen fruchtbaren Nährboden. - 60 bis 70 Prozent der Erkrankten haben sich bei Beerdigungen angesteckt. - Muslime waschen ihre Toten, andere kleiden sie an und halten ihnen die Hand. Wenn sie das nicht tun, ist nach ihrem Glauben die Seele des Toten verloren. "Wie soll man diese Menschen überzeugen, dass sie auf ihre Bräuche verzichten sollen? " Aufklärungsarbeit vor Ort ist das A&O - keine leichte Aufgabe!
#11 am 03.11.2014 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
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Gast
Im Grunde ist es eigentlich nicht getan, in den unterentwickelten Ländern Feuerwehr zu spielen. Viel wichtiger wäre es, dort Strukturen zu ändern, bzw. vernünftige Strukturen aufzubauen. Man könnte sich auch fragen, warum dort Soldaten helfen sollen und man könnte auch an ein Geschäftsmodell der Pharma (spart sich langjährige Erprobung der Impfungen und macht ordentlich Kohle damit, ungeachtet der Wirksamkeit) denken!
#10 am 03.11.2014 von Gast
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#9 am 03.11.2014 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt)
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Besucher
Zustimmung für #6. Diesen gefährlichen Nonsens braucht keiner.
#8 am 02.11.2014 von Besucher (Gast)
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warum muss ich bei brutal und Ressourcen immer an unsere besten Freunden die Amerikaner denken, die so gerne Bomben werfen?
#7 am 02.11.2014 von Gast (Gast)
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epikritos
Sekunde zum Überlegen: Wo ist / was ist/ wollen wir rationale Lösungen bei Katastrophen? Warum eine "Seuche an sich ... heranlassen"? Wenn es in dem viele 100 Mio Bevölkerungs-Westafrika um eine Katastrophe geht, geht es nicht ums Spendensammeln, sondern um brutalen Wettbewerb um Ressourcen. Wer kommt wie auf die Idee, dass ein paar Industrielaender Katastrophen der Welt aufhalten werden? Wenn sie es schaffen, dann sind das eben keine Welt!-Katastrophen. Dass Staaten zusammenbrechen ist keine Neuigkeit, man muss nur hinschauen. "Failing states" machen auch Seuchen. Bitte noch einmal den Bilderbuchvergleich wie aus der Trainings-Sandbox nachvollziehen: Haiti links und Dominikanische Republik rechts. Alles auf der gleichen Insel. Jetzt noch einmal von vorn. EBOLA ist eine gefährliche Tropenkrankheit!
#6 am 02.11.2014 von epikritos (Arzt)
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Auf der Grundlage der Forenregel des Reklameverbotes.
#5 am 01.11.2014 von Gast (Gast)
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Dr.Bayerl
Liebe Redaktion, kann man diese Spam-Beiträge über "Miracle Mineral Solution" (MMS) nicht verhindern?
#4 am 01.11.2014 von Dr.Bayerl (Arzt)
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ich weiss, dass dieses hilfe absolut notwendig ist. schön wäre es, wenn solch ein aufruf und politischer einsatz auch für die 50000 in krankenhäuser mit MRSA infizierten funktionierten würde
#3 am 31.10.2014 von Dr. med. Inge Eisenmann-Stock (Ärztin)
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Gast
# 1 Lieber Herr Feix, na, toll, nicht zu glauben, daß die das in Afrika nicht wissen, was Sie da wissen !! Vielleicht liest das jemand vom Bernhard-Nocht -Institut, weiß, was CDL/CDS usw. ist und schon ist das Ebola-Problem gelöst. Oder ?
#2 am 31.10.2014 von Gast
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Gast
Dann sollte Ärzte ohne Grenzen deutlich um Spenden bitten. Bisher kam eher die Äußerung: "Geld ist nicht das Problem, am Geld liegt es nicht." Das hat möglicherweise viele Privatleute wie auch mich vom Spenden abgehalten. Ich spende dann jetzt.
#1 am 31.10.2014 von Gast
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