Renaissance des Doktortitels- ein zweischneidiger Diskurs

26.10.2014
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Auf dem Markt der unzähligen Publikationen, die jeden Tag veröffentlicht werden, sinkt der Wert der einzelnen Studie. Dabei war der Doktortitel früher mit umfangreicher wissenschaftlicher Arbeit verbunden, die nicht anschließend in Schubladen verstaubte.Und doch scheint sich ein Trend abzuzeichnen, der eine Renaissance des Doktortitels nach sich führt.

Fast möchte man meinen, die Debatten über den Wert des Doktortitels und der sich dahinter verbergenden Promotion seien so alt wie die Medizin selbst. 

Dabei war der Doktortitel früher mit umfangreicher wissenschaftlicher Arbeit verbunden, die nicht anschließend in Schubladen verstaubte.

Auf dem Markt der unzähligen Publikationen, die jeden Tag veröffentlicht werden, sinkt der Wert der einzelnen Studie. Es sei den, es handelt sich um große Multizenterstudien namhafter Professoren und Institute oder um Studien, die von sich Reden machten. Erstaunlicherweise ist die Lobby hinter den Studien heute längst nicht mehr nur der jeweilige Fachkreis, sondern auch das Laienpublikum. 

Parallel dazu verschwimmen die Bezeichnungen der Mediziner mit und ohne Doktortitel. Und doch scheint sich ein Trend abzuzeichnen, der eine Renaissance des Doktortitels nach sich führt. Ähnlich der allgemeinen Verschiebung der Werte in der Gesellschaft, rücken Werte wie Titel und Ansehen wieder in den Vordergrund. Wenn man nicht mit Studien glänzen kann und sich dennoch auf dem Wissenschaftssektor behaupten will, kommt man um den Doktortitel nicht herum. Ganz zu schweigen um die sich anschließende Dissertation. Immerhin muss man sich auch gegen all jene Bachelor- und Masterabschlüsse behaupten, die allein durch ihre Bezeichnung in der Gesellschaft das Titeldenken wieder in den Fokus schieben. Wo bleibt da der doktorlose Mediziner?! Es bleibt ihm folglich nichts anderes übrig als sich der Dissertation zu widmen. Gleich ob er in der Endphase des Studiums steckt oder die Studienzeit schon weit hinter sich gelassen hat. Ist es im Studium schon schwierig parallel zum Studienablauf zu promovieren so wird es im Arztalltag fast unmöglich. Und dennoch widmen sich junge wie alte Ärzte der Promotion. Da sie anders als die klassischen an der Promotion arbeitenden Studenten nicht mehr zwangsläufig an der Universität angestellt sind, ist ihr Doktorvater eher ein pro forma, was notwendig ist, um rechtlich gesehen promovieren zu können. Die Betreuung der Promovenden ist damit aber nicht gegeben und sie werden allein gelassen mit all den Tücken des medizinischen Schreibens, die von der Konzeption und Themenfindungen über die Statistik zur Texterstellung reichen. Wer bis dahin keine grauen Haare hatte, hat sie spätestens jetzt. Umso wichtiger ist es, alle zur Verfügung stehenden Ressourcen zu nutzen. Hier bieten zahlreiche Ghostwriting-Agenturen ihre Dienste an. Anders als deren Name es vermuten lässt, nehmen die dem Promovenden nicht die Arbeit ab. Vielmehr nehmen sie die Stellung des klassischen Doktorvaters ein, indem sie den Promovenden begleiten und beratend zur Seite stehen, um das Projekt Dissertation in kurzmöglichster Zeit effizient und exzellent umsetzen zu können. Der Promovend kann dabei auf einen Pool an fachkompetenten Beratern zugreifen, die auch mit dem entsprechenden Fachbereich der Dissertation vertraut sind. In diesem Sinn lässt sich der Medizin-Ghostwriter vergleichen mit dem Lektor eines Verlages, der seine Schützlinge betreut und antreibt, damit das geplante Werk auch fertiggestellt wird. In der Gesellschaft sind Ghostwriting-Agenturen assoziiert mit Plagiaten und gefälschten Arbeiten, was nicht der Realität und vor allem auch nicht dem rechtlichen Rahmen einer Ghostwriting-Agentur entspricht. Zumal man hier einwerfen sollte, dass man für ein Plagiat keine Agentur benötigt. Wer plagieren will, tut es mit und ohne Betreuung und sollte dafür zur Rechenschaft gezogen werden, da es all die korrekt arbeitenden Wissenschaftler in den Schatten stellt. Welche Arbeit heutzutage ob der Fülle der Informationen ein Plagiat ist oder nicht ist dem nicht im Thema stehenden Leser nicht ersichtlich. Und selbst unter Wissenschaftlern ist man davor nicht gefeit. 

Rechnet man das alles zusammen und wägt es gegeneinander ab so muss man sich fragen, warum der Hype des Doktortitels aufflammt. Denn letztlich sagt er heutzutage nichts mehr aus über Qualifikationen und Befähigungen. Mitunter steckt nicht einmal ein hoher wissenschaftlicher Anspruch dahinter. Die Arbeit und Mühe, die der Promovend in seine Arbeit steckt, korreliert nicht unbedingt mit dem Ansehen, was er durch den Titel erlangen wird. Wen wundert es da, dass es vor allem als Welle aus dem Ausland immer populärer wird, Arbeiten fremdschreiben zu lassen. In einigen Ländern gehören Ghostwriter bereits zum Alltag der Schüler wie Nachhilfelehrer und Babysitter. Hier ist der Schlupfwinkel unseriöser Ghostwriter, die im wahrsten Sinn des Wortes ghostwriten und dem Promovenden die fertige Arbeit in den Briefkasten legen. Doch wie sollen diese Promovenden ihre Arbeiten verteidigen? Sie schmücken sich mit fremden Federn, ernten Titel, die ihnen Ansehen versprechen und haben praktisch nichts dazu getan. All das kann ernüchtern wenn man die eigene Dissertation betrachtet und die schlaflosen Nächte, die einem Statistiken und Literatursuchen gekostet haben. Wert und Arbeit haben sich voneinander getrennt, wenn Dissertationen und Co fremdverfasst werden können. Bei diesem Trend wäre es eher ratsam, dem Mediziner mit Erhalt der Approbation den Doktortitel zuzusprechen.

Doch so lang dies nicht der Fall ist, sollte die Dissertation wenigstens aus persönlichem Interesse erfolgen und nicht weil uns die Gesellschaft danach beurteilt, ob wir einen Doktortitel tragen oder nicht. Der Schweiß der Arbeit sollte wenigstens uns selbst stolz machen. Und für die Gesellschaft bleibt zu hoffen, dass sich das Ansehen der Wissenschaftler und Mediziner nicht mehr über Titel definiert und dass wissenschaftliches Arbeiten und das Anfertigen einer Dissertation wieder gewürdigt wird in ihrem Tun und nicht nur in den Resultaten, die mehr Schall als Rauch sind.

Bildquelle (Außenseite): hxdbzxy, thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 07.11.2014.

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Gast
@ 11: Dr. rer nat / Dr. med hat vollkommen Recht: Auch, wenn eine halbstündige Reflexion mit dem Ergebnis der Entdeckung einer Ultimativtherapie für Krebs sicherlich einem Wunder gleich wäre, verdient dies NICHT die Verleihung eines DoktorGRADES (im Übrigens sollten sich mal bitte alle darüber klar werden, dass der immer wieder auftauchende Begriff des DoktorTITELS hier vollkommen fehl am Platze ist; schlechte Recherche!). Promotion ist Bestandteil einer Postgraduiertenausbildung, bei der selbständiges (!!!) wissenschaftliches Arbeiten gelernt und mit der Dissertationsschrift und bestandenen Disputation erwiesen wird. Die Qualität einer Promotion bemisst sich also NICHT nach der "Bahnbrechendheit" ihrer Ergebnisse. Das, was viele Medizinstudierende so nebenbei machen (ich weiß, es gibt ruhmreiche Ausnahmen; Chapeau!), ist jedoch viel zu häufig ein echter Schlag in's Gesicht aller seriösen Wissenschaftler.
#13 am 07.11.2014 von Gast
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Dr. rer nat / Dr. med
@#11 Bei der Doktorarbeit geht es darum wissenschaftliches Arbeiten zu lernen und das lernt man nicht an einem Tag! Das lernt man auch nicht wenn man nebenher promoviert oder die TA für sich promovieren lässt. Wissenschaft ist ein Vollzeit Job, dem man sich für eine gewissen Zeit hingeben muss, um ihn zu erlernen. Darüber hinaus ist es tatsächlich egal, ob man 3 Jahre oder 6 Jahre promoviert oder was am Ende dabei rauskommt. Hier gilt: Der Weg ist das Ziel! Aber man muss ihn eben gehen ;-)
#12 am 07.11.2014 von Dr. rer nat / Dr. med (Gast)
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Dr. rer nat / Dr. med
@#10 Die Hochnäsigkeit gegenüber dem Dr. med resultiert aus dem äußerst geringen Niveau der meisten - wohlgemerkt nicht allen - medizinischen Dissertationen. Natürlich braucht man medizinische Forschung, aber doch bitte von Leuten, die das können - das sind in der Regel Wissenschaftler. Die Leute, die die Medizin in den letzten Jahrzehnten am meisten vorangebracht haben, waren Physiker (die ganze Bildgebung etc.) und (Bio)chemiker (Targets bei Tumorerkrankungen etc.). Mediziner sollen Medizin machen und Wissenschaftler forschen. Beides zusammen geht nicht gut. Es kommt doch auch niemand auf die Idee einen Wissenschaftler als Arzt aushelfen zu lassen nur weil der im Studium Pharma und Physiologie hatte?
#11 am 07.11.2014 von Dr. rer nat / Dr. med (Gast)
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PM
Außerdem verstehe ich schon garnicht, warum man eine Dr-Arbeit immer an der Quantität bewertet: wieviele Jahre, wieviele Seiten, wieviele Quellen? Warum interssiert keinen die QUALITÄT!? Wenn z.B. jemand auf einer einzigen Seite darlegt, wie man Krebs heilt und dafür nur einen Tag gebraucht hat, dann ist dies doch weitaus mehr wert, als eine Arbeit von 300 Seiten, die 4 Jahre gedauert hat und bei der am Ende kein verwertbares Ergebnis herauskommt. Was meint ihr?
#10 am 07.11.2014 von PM (Gast)
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Dr. rer nat / Dr. med ich habe hier im Forum und auch sonst immer nur Hochnäsigkeit gegenüber dem "Dr.med." erlebt nie umgekehrt. Woran das nur liegt? Wenn ich schon den Satz lesen muss: "...sollte die Dissertation wenigstens aus persönlichem Interesse erfolgen..." wie schon #5 schrieb, auch Medizin brauch Forschung und Doktoranden. Stören tuts vielleicht die moderne AOK.
#9 am 05.11.2014 von Gast (Gast)
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Dr. rer nat / Dr. med
Im Prinzip trifft der Artikel den Nagel auf den Kopf - Mediziner müssen promovieren um Karriere zu machen, haben aber in der Regel keine Lust dazu. Berechtigter Weise - sie sollen sich ja auf ihre klinische Tätigkeit konzentrieren. Gebt den Medizinern den Titel mit dem Staatsexamen, dann weiß jeder Bescheid und wir brauchen das ganze Kino nicht mehr!
#8 am 02.11.2014 von Dr. rer nat / Dr. med (Gast)
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Dr. rer nat / Dr. med
Sehr geehrter Gast, ich habe Chemie und Medizin studiert und in beiden Fächern promoviert. Zuerst 4 Jahre in Chemie unter prekären Arbeitsbedingungen (halbe E13 Stelle, mehr als volle Arbeitszeit), die heute in der Regel leider nicht mehr von öffentlichen Forschungsgeldern finanziert wird. Sehr viel Zeit verbringt der Doktorand heute mit dem Einwerben von Drittmittelprojekten und der eigenen Stelle! Wirklich kein einziger Medizinstudent aus meinem Jahrgang hat mehr als 1 Jahr ausgesetzt um sich voll und ganz der Forschung zu widmen. Warum auch? Meine zweite Promotion habe ich in 2 Semestern "nebenbei" angefertigt, zum einen, weil mir die praktische Arbeit von TAs abgenommen wurde, zum anderen weil die Anforderungen an eine medizinische Promotion ungefähr so hoch sind wie für eine Seminarfacharbeit in der 10. Klasse. Ich habe Verteidigungen erlebt, in denen mancher Mediziner nicht mal wusste, was die TAs für sie gemacht haben.
#7 am 02.11.2014 (editiert) von Dr. rer nat / Dr. med (Gast)
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da is nix zweischneidig! sondern alles freiwillig.
#6 am 01.11.2014 von Gast (Gast)
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Die "Nichtmediziner" möchten bitte vor ihrer eigenen Haustüre kehren. Was uns heute ausgewachsene "Klimaforscher" einschl. ausgewachsener Max-Planck-Instit.-Direktoren etc. als "Wissenschaft" präsentieren, ist skandalös!!! Und kostet uns "politisch" Billionen! Die halten CO2 für einen Schadstoff. Da würde jeder Mediziner im Examen durchfallen. Wo seid ihr alle, ihr Dr. rer. nats? Habt ihr alle Clausius, Wien, Stefan-Boltzmann und Max Planck vergessen? Von Kut Angström ganz zu schweigen, damals schrieb man noch in Deutsch :-)
#5 am 01.11.2014 von Gast (Gast)
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Die Doktorarbeit ist so etwas wie der Einstieg in wissenschaftliche Arbeits-/Denkweise. Sozusagen: "Ich habe hiermit den Nachweis geliefert, dass ich zu streng wissenschaftlicher Arbeitsweise in der Lage bin." Das Ergebnis ist eigentlich eher zweitrangig. Natürlich werden viele Doktoranden für Knechtsarbeit ihrer Dr.-Väter missbraucht. Anderseits würde universitäre "Forschung" ohne billige Doktoranden wohl zusammenbrechen.
#4 am 01.11.2014 von Dr. med. Wolfgang P. Bayerl (Arzt)
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Gast
Die Promotion geschenkt? Für welche Leistung denn? Wie bereits gesagt, die Promotion ist freiwillig. Dass viele Mediziner promovieren hat seinen Ursprung selten in Forschergeist sondern eher Gruppenzwang und Angst von Kollegen nicht akzeptiert zu werden. Natürlich gibt es auch qualitativ hochwertige Dissertationen unter den medizinischen, aber die Mehrzahl reicht über den Umfang einer naturwissenschaftlichen Diplomarbeit nicht hinaus. Ich promoviere (rer. nat.) an einer Medizinischen Fakultät und wenn unser Medizinerdoktorand sagt er sei bei uns in der AG (wo er wirklich naturwissenschaftlich arbeitet), weil er keine Lust auf eine "Promotion-light" hat, dann sagt das einiges aus. Latente Überheblichkeit von Chemikern und Physikern? Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass sich Mediziner ungemein (und unberechtigt) viel auf ihren Titel einbilden...und weder ist es mit 2-3 Jahren im naturwissenschaftlichen Bereich getan, noch ist gute Betreuung obligat...
#3 am 30.10.2014 von Gast (Apotheker)
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Marcel Thra, B.A.
Ich möchte an dieser Stelle gerne an die beiden vorhergehenden Kommentare anknüpfen; es ist in der Tat so, dass die Qualität bzw. der Umfang der medizinischen Dissertationen eine gewaltige Streuung aufweist; am unteren Ende in einem Umfang, der einer Bachelorarbeit in anderen Fachgebieten nicht genügen würde. Ich kann die Bedenken der Doktoranden aus anderen Fachgebieten daher gut nachvollziehen; wenn die Promotions-Bedingungen in der Medizin nicht gut sind, es besteht kein Zwang zur Promotion. Es gibt schließlich die Möglichkeit anderer wissenschaftlicher Abschlüsse, die Medizin scheint - dank entsprechender Lobby-Arbeit - über die üblichen Wege erhaben.
#2 am 29.10.2014 von Marcel Thra, B.A. (Gast)
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Naja, ich habe in der Chemie promoviert und wir haben stets über die 'Dr. med.' geschmunzelt, die sich mit einer besseren Hausarbeit ihren Titel 'erarbeitet' haben...
#1 am 29.10.2014 von Gast (Gast)
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