Auf der Suche nach meiner Identität

26.10.2014
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Das sollte irgendwie ein Einstieg zu meinem Blog sein. Ich kann ja nicht einfach drauf los schreiben und dachte, dass ich vielleicht erstmal ein wenig von meiner Persönlichkeit preisgeben sollte Für konstruktive Kritik bin ich natürlich immer offen !!

Jeder angehende Arzt, musste es machen: Das Krankenpflegepraktikum.

Natürlich wurde ich davon nicht verschont. Wie jeder andere Student auch habe ich also drei lange Monate im Krankenhaus gearbeitet und da ist mir aufgefallen, dass ich mich noch nie mit einer entscheidenden Frage beschäftigt habe und zwar: Wo gehöre ich hin? Bin ich Deutsche oder doch vielleicht Ausländerin? Kann ich auch beides sein?

Auslöser war ein netter älterer Herr. Eines Tages kam ich ins Zimmer rein und fingen, so wie jeden Morgen eigentlich, an über die Nachrichten zu reden. Ein sehr heikles Thema war zu dem Zeitpunkt der Nahe Osten. Daraufhin hat mich der Patient gefragt, wo ich denn eigentlich herkommen würde, welche Landsmännin ich denn sei?

Nach ein paar Sekunden, antwortete ich verdutzt: Deutsche.

Patient: Wie Deutsche? Sie sehen aber nicht Deutsch aus!

Ich: Ich bin halb Deutsche und halb Araberin. Bin aber hier geboren und aufgewachsen, bin dann in ein arabisches Land gezogen und habe da 10 Jahre gelebt.

Patient: Dafür können Sie aber echt gut Deutsch reden. Ja sogar fast akzentfrei. Wie lange sind Sie wieder in Deutschland?

Ich: Seit 2 Jahren.

Nach meiner Antwort war der Patient schockiert, weil ich anscheinend so gut Deutsch gesprochen habe und das obwohl ich erst seit ein paar Jahren wieder hier lebe.

 

Aber mal ganz ehrlich: Was erwarten Deutsche von einem "Ausländer"? Wie definiert man Ausländer? Oder anders gefragt: Was macht Deutsche überhaupt aus?

Erwarten sie, dass Ausländer gebrochenes Deutsch reden? Dass man uns an unserer Kleidung identifizieren kann?

Was ist mit Kindern, die aus einer Migrantenfamilie stammen? Oder "Mischlinge", so wie ich es einer bin? Wo gehöre ich hin und wo ist mein zu Hause?

An manchen Tagen philosophier ich ein bisschen rum. Und eines Tages habe ich endlich die Antwort auf meine Fragen gefunden: Man fühlt sich zu Hause, wo man sich wohl fühlt, wo man Freunde und Familie hat, die sich um einen kümmern. Empfinde ich meinen Hintergrund als Nachteil? Ganz im Gegenteil: Ich kann mir das Beste aus zwei Kulturen rauspicken und damit das Fundament meiner Persönlichkeit etablieren. Jedes Land, jede Kultur und jede Tradition hat sein Vor- und Nachteile. Die Kunst ist es, dass Beste daraus zu schaffen!

 

Um eins nochmal klar zu stellen: Ich bin mir sicher, dass der Patient einer der Menschen war, der das nicht böse meinte. Ich beschuldige keinen, dass er rassistisch ist. 

Es ist einfach nur so, dass ich mir diese Fragen oft stelle... Ich hoffe, dass ich einigen hier einfach nur aus der Seele spreche 

Bildquelle (Außenseite): Alfons P. Levrier, thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 29.10.2014.

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