PR: Burnout-Syndrom: Modekrankheit oder ernstzunehmende Diagnose?

01.10.2014
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Glaubt man den Medien, so gewinnt das Burnout-Syndrom an zunehmender gesellschaftlicher Bedeutung. Dies erscheint angesichts einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt, der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse und den erhöhten Anforderungen an Flexibilität und Mobilität zunächst logisch. Jedoch gibt es keine aussagekräftigen Prävalenzdaten und Statistiken, die dies belegen könnten. Was aber ist das Burnout- Syndrom? Nur ein Medienhype oder doch mehr? Wie drückt es sich aus? Und wie kann man ihm vorbeugen? Wir sagen es Ihnen.

Burnout – Was ist das?

Das Burnout-Syndrom hat eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Doch gibt es bis heute weder eine einheitliche Definition des Begriffes, noch handelt es sich um ein anerkanntes Krankheitsbild. Dies liegt zum einen an der Vielzahl von Erklärungsmodellen, als auch an der Heterogenität der beschriebenen Symptome, sowie der zum Teil fehlenden Trennschärfe in der Abgrenzung des Burnout-Syndroms gegenüber anderen psychischen Erkrankungen.

Allen Erklärungsversuchen gemein ist jedoch die Feststellung, dass es sich beim Burnout-Syndrom um einen durch den Arbeitsplatz hervorgerufenen seelischen  und körperlichen Erschöpfungszustand handelt, der mit einer verminderten Leistungsfähigkeit und einer Abnahme des sozialen Einfühlungsvermögens (oft als Depersonalisation oder Zynismus bezeichnet) einhergeht.

Wer ist betroffen?

Herbert Freudenberger, der als Erstbeschreiber des Burnout-Syndroms gilt, gründete sein Krankheitskonzept auf der Feststellung, dass Angehörige helfender Berufsgruppen gehäuft unter Erschöpfungssymptomen litten. Lange Zeit galten daher insbesondere Pflegepersonen, Ärzte, Lehrer und andere im sozialen Bereich Tätigen als besonders gefährdet. Aktuelle Erklärungsansätze gehen jedoch davon aus, dass die Entwicklung eines Burnout-Syndroms jeden Menschen treffen kann, unabhängig von seiner jeweiligen Profession.

Erklärungsansätze für das Burnout-Syndrom

Individuenzentrierte Entstehungsmodelle

Freudenberger und andere Autoren sahen spezifische Persönlichkeitsmerkmale als maßgebliche Ursache für die Entwicklung eines Burnouts. Betroffene werden von Vertretern des persönlichkeitszentrierten Ansatzes daher häufig als idealistisch, hoch motiviert, engagiert und perfektionistisch beschrieben. Pines et. al  (1981) formulierten den Satz:

Das Ausbrennen wird in diesem Erklärungsmodell als Resultat widerkehrender Frustrationserfahrungen gedeutet, die der Betroffene in der Konfrontation mit der Realität seiner Arbeitswelt erlebt.

Arbeits- und organisationspsychologische Entstehungsmodelle

Vertreter des arbeits- und organisationspsychologischen Ansatzes rücken den Arbeitsplatz in den Fokus der Betrachtung. Ihnen zu Folge ist das Burnout-Syndrom die Folge einer arbeitsplatzbedingten Stressbelastung. Unter Rückgriff auf das Stressmodell von Lazarus argumentieren sie, dass die dysfunktionale Bewertung von Stress und das Fehlen individueller Bewältigungsstrategien zu einer andauernden Stressreaktion führt, die ihren Ausdruck in der Burnout-Symptomatik findet.

Als arbeitsplatzbedingte Stressoren kommen dabei unter anderem mangelnde Einflussnahme, Unter- oder Überforderung, hohe Arbeitsbelastung bei geringer Entlohnung (Modell beruflicher Gratifikationskrisen), geringe Aufstiegsmöglichkeiten und Mobbing in Frage.

Exkurs: Transaktionales Stressmodell nach Lazarus

In seinem Stressmodell erklärte der Psychologe Richard Lazarus, wie Stress durch Kognitive Bewertung unterschiedlich wahrgenommen wird. Es beruht darauf, dass wir unsere wahrgenommene Umwelt einem ständigen Bewertungsprozess unterziehen, den Lazarus  in 3 Schritte unterteilt.

Wie macht sich ein Burnout-Syndrom bemerkbar?

Wie eingangs erläutert gibt es keinen einheitlichen Kanon über das Beschwerdebild des Burnout-Syndroms. Entsprechend vielfältig sind die beschriebenen Symptome:

Die Entwicklung der Beschwerden geschieht dabei meist über einen längeren Zeitraum hinweg und mündet häufig in einer ernstzunehmenden Folgeerkrankung, etwa einer Depression oder Angststörung.

Merke: Das Burnout-Syndrom ist keine Depression, kann aber die Vorstufe zu einer Depression sein.

Charakteristisch ist dabei eine Beschwerdepersistenz während der Erholungsphasen. Die Fähigkeit der Erholung geht verloren und ist selbst an Wochenenden und im Urlaub nicht gegeben.

Wie wird das Burnout-Syndrom diagnostiziert?

Es existieren verschiedene Inventare, die die Diagnose eines Burnout-Syndroms ermöglichen sollen. Das wohl bekannteste, das Maslach-Burnout-Inventory (MBI), ist ein Selbsteinschätzungsinstrument mit 22 Items zu den Dimensionen „Emotionale Erschöpfung“, „Depersonalisation“ und „Eigene Leistungsfähigkeit“. Es existiert in vielen verschiedenen berufsgruppenadaptierten Spezifikationen.

Allen Testinstrumenten ist gemein, dass sie nur subjektive Angaben und keine objektiven Kriterien berücksichtigen und keine durch Studien validierten Cut-off-Werte besitzen. Es liegt demnach im Ermessen des Arztes, ein Burnout-Syndrom zu diagnostizieren oder nicht.

Zudem erschwert die Überschneidung mit anderen psychiatrischen Erkrankungen die Diagnose. Ein fortgeschrittenes Burnout-Syndrom kann in vielen Fällen nicht mehr von einer Depression unterschieden werden.

Welche Therapien gibt es?

So unterschiedlich die Ausdrucksformen des Burnout-Syndroms sein können, so unterschiedlich gestalten sich die Therapieansätze. Neben  psychotherapeutischen Sitzungen können im Falle einer psychiatrischen Folgeerkrankung stationäre Heilbehandlungen und die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva erforderlich sein.

Zur Entscheidung einer Behandlung sollte daher der Hausarzt oder sogar ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu Rate gezogen werden.

Welche Möglichkeiten der Prävention gibt es?

Maßnahmen zur Vorbeugung des Burnout-Syndroms umfassen die Verminderung von beruflichem Stress durch geeignete Ausgleichsaktivitäten (z.B. Sport, soziale Kontakte), ausreichend Schlaf und erlernbare Entspannungstechniken. Zudem soll eine regelmäßige Selbstreflexion über berufliche Ziele und den persönlichen Umgang mit arbeitsbedingtem Stress helfen, rechtzeitige Verhaltenskorrekturen vorzunehmen, um dem „Ausbrennen“ entgegenzuwirken.

Personen der helfenden Berufsgruppen sollten hierzu die Möglichkeit von Supervisionsangeboten (z.B. Balintgruppen) nutzen, sofern sie vom Arbeitgeber angeboten werden.

Fazit: Das Burnout-Syndrom ist keine Volkskrankheit

Der Ausdruck Burnout-Syndrom wird innerhalb der Medienlandschaft häufig undifferenziert und inflationär verwendet. Dementsprechend entsteht der Eindruck einer neuen Volkskrankheit, die das Burnout-Syndrom de facto nicht ist. Es wird vielmehr als gesellschaftsfähige Ersatzdiagnose für die noch immer stigmabehafteten psychischen Erkrankungen verwendet, deren Inzidenz stetig zunimmt.

Das Burnout-Syndrom ist wie gezeigt kein eindeutig definiertes und sicher diagnostizierbares Erkrankungsbild. Dies macht die Diagnose selbst für Experten schwer. Die zuhauf angebotenen Selbsttests, die im Internet kursieren, sind aus diesem Grunde mit Vorsicht zu genießen.

Bei Anzeichen einer beruflichen Überlastung, die sich in den vielfältigen Symptomen des Burnout-Syndroms niederschlagen kann, sollte dennoch nicht gezögert werden und ein Arzt hinzugezogen werden.

Bild: “Smoking candle” von jordanmit09. Lizenz:CC BY 2.0

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.11.2014.

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Medizin, Psychiatrie
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