Heiße Luft aus dem Heißluftballon!

28.08.2014
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Der Chef der derzeitigen APO (können Sie sich noch an die "Außerparlamentarische Opposition" erinnern?), Christian Lindner, macht sich als neuer, selbsternannter „Gesundheits- und Krankheitsexperte“ der FDP öffentlich Sorgen um das Ende der freien Arztwahl durch gesetzlich vorgeschlagene „Terminvergabestellen“ der Kassenärztlichen Vereinigungen.

In einem Gastbeitrag schreibt er: „Aus liberaler Sicht bedenklicher für die Patienten ist der hinterhältige Angriff auf die freie Arztwahl, die hinter diesem Gesetzesvorhaben steckt. Die Verantwortlichen verschweigen, dass der Patient nur ein Anrecht auf diese schnelle Terminvermittlung hat, wenn die medizinische Indikation - zum Beispiel durch den Hausarzt gestellt - stimmt.“ … „Das Kernproblem ist, dass der Patient eben nicht den Termin bei dem Facharzt seines Vertrauens oder seiner Wahl erhält, sondern mit der ‚Beauftragung‘ der Terminservicestelle seine freie Arztwahl aufgibt. Für einen freiheitlich denkenden Menschen ist es aber ein hohes Gut, dass ich mir meinen Arzt selbst aussuchen darf, weil dieses Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient die Qualität unseres Gesundheitssystems ausmacht. Und dieses Bürgerrecht muss aus Sicht der FDP im Interesse der Patienten verteidigt werden.“

Dazu fällt mir folgende Geschichte ein:

Ein Heißluftballon muss notlanden und stürzt auf freiem Feld ab: Der Ballon-Pilot steht unter Schock, mehrere Verletze liegen und krümmen sich, sitzen herum und stöhnen vor Schmerzen. Zufällig kommen in ihren Dienstwagen verschiedene Minister vorbei. 

Der Bundes-Justizminister, typisch Jurist, herrscht den kaum ansprechbaren Ballonfahrer vorwurfsvoll an: "Wie konnten Sie hier überhaupt landen, Sie wissen doch, dass das hier streng verboten ist!" 

Der Bundes-Gesundheitsminister murmelt etwas von der dringenden Notwendigkeit, hier eine "Terminvergabe-Stelle" für bevorzugt ambulante Facharzt-Behandlungen einzurichten, um problemloser Krankenhausbetten einsparen zu können. 

Der Bundes-Außenminister beruft einen Krisenstab und eine Hotline für Journalisten ein, weil möglicherweise internationale Lufthoheitsinteressen verletzt worden seien, und er sich als erfolgreicher Krisenmanager bestätigt wissen will. 

Der Bundes-Innenminister schließt vorschnell einen terroristischen oder ausländerfeindlichen Hintergrund aus, obwohl der Ballonkorb aus sibirischer Weide geflochten bzw. die Ballonhülle aus chinesischer Ballonseide gefertigt sind. 

Die Bundes-Verteidigungsministerin spricht mit ernster Miene von einem möglichen Militärschlag einer ihr noch völlig unbekannten Splittergruppe, die damit die Ballonhülle aufgeschlitzt haben könnte. 

Der Bundes-Finanzminister regt an, die Verletzten nicht ins Krankenhaus, sondern in umliegende Hotels zu verfrachten. Das würde der "notleidenden" Hotellerie aufhelfen und wäre wegen des hälftigen Mehrwertsteuersatzes noch billiger. 

Die Bundes-Arbeitsministerin ruft zur Beachtung des Mindestlohns bei der Bezahlung der freiwilligen Helfer auf. 

Und während noch zahlreiche Ärztinnen und Ärzte in ihren Limousinen (kleiner als die Oberklasse-Fahrzeuge der Minister) heraneilen, die ihre Praxistätigkeit wegen des Katastrophenfalls unterbrechen und ihre Patienten mit Zivilisationskrankheiten völlig unzumutbar lange warten lassen, um Erste Hilfe zu leisten. Während Feuerwehren, Rettungsdienste und das THW aus der nahen Stadt mit Blaulicht und Martinshorn anrücken und ein improvisiertes Feldlazarett aufgebaut wird, kommt - welch ein Zufall - der Chef der derzeitigen außerparlamentarischen Opposition (APO), FDP-Vorsitzender Christian Lindner, hinzu und gewährt ein Interview: 

Er erklärt, dass hier im Gegensatz zu liberalen Parteigrundsätzen, die „Freie Arztwahl“ in völlig unangemessener Weise eingeschränkt oder gar aufgehoben sei, die Einholung einer Zweitmeinung unterdrückt und die Zwangsbewirtschaftung von fachärztlichen Terminen initiiert werde. Dass das aber alles angesichts der Vertragsarzthonorare mit Budgetierung und Regressrisiko nur der heißen Luft entspricht, die kurz zuvor dem Heißluftballon entwichen ist, darüber wird kein Wort verloren.  

Bildquelle (Innenseite): Abendhimmel Copyright Praxis Dr. Schätzler

Bildquelle (Außenseite): David Berkowitz, flickr / CC-by

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.11.2014.

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Leider ist das die Realität, das ist das Anspruchsdenken der heutigen Patienten, auch wenn der Termin dann nicht eingehalten wird, Hauptsache einen bekommen zu haben; die Auswirkung auf die anderen Patienten ist denen völlig egal
#4 am 02.09.2014 von Arzt Tobias Spiegel (Arzt)
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Sorry, aber die ersten beiden Kommentare enthalten zu viele Realsatire. Denn so kann nur jemand schreiben, der das gar nicht richtig gelesen und verstanden hat?
#3 am 30.08.2014 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Recht haben Sie. Termineinhaltung- pro Tag ca. 2- 3 Pat. erscheinen nicht. Terminangebot: ..da kann ich nicht, muss zum Friseur, ins Ballet, in.... Übrigens, bei angefordertem Notfalltermin. Lindner hat Recht, was das Aufgeben der freien Arztwahl angeht. Nur ist das ein kleines Teilproblem. Das Gesundheitswesen fährt gegen die Wand, die Geldgier der Bürokratie, der Kassen, der Politik wird ein Disaster hervorbringen.
#2 am 29.08.2014 von Gast
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Gast
Erstens enthält der Beitrag zuviele Schreib- und Grammatikfehler. Zweitens ist der Kalender voll, eine "Zwangsbewirtschaftung" keineswegs akzeptabel. Ich fände es sinnvoll die angemeldeten Pat. anzuhalten, ihre Termine auch wahrzunehmen. Ich verliere im Schnitt 2 h / Woche durch solche "hochdringenden" Ersttermine, die ohne jede Entschuldigung nicht wahrngenommen werden. In der Zeit könnte ich vier Neue ansehen.
#1 am 29.08.2014 von Gast
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