Patientengeheimnis und Minderjährige

28.08.2014
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Die absolute Horrorversion – wenigstens nicht bei mir in der Apotheke passiert – und das kann es auch nicht. Jedenfalls nicht so. Das erkläre ich noch.

Sehr grosse, sehr gut frequentierte Apotheke zur Mittagszeit.

Die Frau um die 40 stürmt in die Apotheke. In der Hand eine Packung Norlevo (das ist hier die Pille danach).

Frau (aufgebracht): “Das hier  …” (wedelt mit der Packung) “habe ich im Zimmer meiner minderjährigen Tochter gefunden! Das hat ihre Preisetikette drauf! Ich will wissen, ob sie das von Ihnen bekommen hat!”

Apotheker: “Das … darf ich ihnen nicht sagen.”

Frau: “Aber Sie können das sicher nachschauen. Sie heisst …”

Apotheker: “Das könnte ich nachschauen, aber das werde ich nicht.”

Frau: “Was? Wieso? Ich bin die Mutter! Ich muss das wissen – und sie ist minderjährig! Sie ist 15! Sie hätten das ohne meine Erlaubnis nicht abgeben dürfen!!”

Apotheker: “Das stimmt so leider nicht. Falls wir ihrer Tochter etwas abgegeben haben, fällt das unter das Patientengeheimnis. Auch wenn ihre Tochter noch nicht 18 ist.

Und die Pille danach dürfen wir auch an unter 16 jährige abgegeben werden, soweit die Jugendliche mündig ist im Sinne von: versteht um was es geht und wie man das anwendet.”

Die Frau hat dann noch einen Riesen-Aufstand gemacht, aber nichts weiter erreicht.

Übrigens, das sollte bei mir nicht passieren. Nicht, weil ich das nie an unter 16jährige Abgeben würde (ich würde, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind). Ich gebe bei der Pille danach meist den Prospekt der Firma mit. Eventuell auf Wunsch noch die Packungsbeilage. Die ganze Packung nicht (aus Gründen wie dem oben) und die Pille selber lasse ich grad in der Apotheke schlucken.

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.09.2014.

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Pharmazie
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Ja - wie richtig bemerkt wurde (und in der Blogbeschreibung steht), bin ich Schweizer Apothekerin. Und bei uns sieht uns das Gesetz tatsächlich als die Medizinalpersonen an, die wir sind. Wir sind für so Sachen aus- und weitergebildet und das Gesetz erlaubt uns die Abgabe der Pille danach nach einer persönlichen Beratung sowie in Ausnahmefällen die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten auch ohne Rezept. Bei uns gibt es auch die Möglichkeit von Vorbezügen und Dauerrezepte.
#5 am 09.09.2014 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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Gast
bevor hier weitere Pseudojuristen mit deutschen Gesetzen argumentieren, sollte beachtet werden, daß Pharmama aus der Schweiz kommt!
#4 am 06.09.2014 von Gast
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Gast
Rechtswidrig!! Die Abgabe eines Arzneimittels ist nur als Einheit zulässig!!! Dazu zählt Verpackung und Beipackzettel. Vielleicht ist dem einen oder anderen noch der Zusatz bei einer Verordnung bekannt: "sine confectione". Der Arzt wollte das in der Apotheke der Beipackzettel entfernt wird (ohne Wissen des Patienten). Dies ist schon lange nicht mehr zulässig. Die Abgabe der Pille danach an unter 16 jährige halt ich für zulässig: Patient hat ja eine Verordnung- und der verordnende Arzt hat (sicherlich :-) ) entsprechende Aufklärung betrieben- was mich natürlich nicht davon abhält zu beraten etc. Apotheker
#3 am 03.09.2014 von Gast
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Ihr Abgabeverfahren halte ich für rechtswidrig. Sie sind meiner Meinung nach nicht befugt, einer Minderjährigen ein Medikament zu verabreichen. Sie dürfen ihr lediglich die verschriebene Arznei in vollständiger Verpackung aushändigen, die Entscheidung, ob, wann, wo und wie sie die Pille einnimmt, muss ihr überlassen bleiben.
#2 am 02.09.2014 von Christa Fraatz (Selbstst. Apothekerin)
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sehr problematisch bei Minderjährigen!
#1 am 02.09.2014 von Gast (Gast)
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