Kein Generikum aus medizinischen Gründen?

19.07.2014
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Mein endgültiges Urteil zu dem Rezept-Aufdruck ist noch ausstehend. Was haltet ihr davon?

Da steht: Ich übernehme für die Abgabe von Generika ohne meine ausdrückliche Verordnung eines Generikums keine Verantwortung. Wenn auf diesem Rezept ein Originalpräparat verordnet ist, habe ich kein Generikum aus medizinischen Gründen verordnet.” (Emphasis übernommen)

Wer will, kann mir jetzt schon, ohne weiterlesen zu müssen sagen, was er davon hält (auch Bauchgefühl-Antworten sind interessant). Für den Rest kommen hier noch ein paar Zusatzinfos.

Bei uns in der Schweiz gibt es keine Rabattverträge. Die Apotheke wird aber dem Patienten ein Generikum für sein Medikament anbieten, wenn das möglich ist: Das heisst, wenn es welche gibt, wenn ein Austausch verantwortbar ist (dazu gehört, dass man es bei manchen Klassen nicht einfach so macht – darüber habe ich hier schon geschrieben), wenn der Patient damit einverstanden ist (und er versteht, was ich da mache – bei manchen muss ich hier einfach passen, wegen Sprachschwierigkeiten oder Verständnisproblemen).

Der Arzt hat auch bei uns die Möglichkeit von sich aus einen Austausch zu verhindern. Er kann auf das Rezept schreiben “sic” (So will ich das), oder besser: “aus medizinischen Gründen keine Generika” – wenn das handgeschrieben (!) draufsteht, dann sollte die Krankenkasse auch dann nur 10% Selbstbehalt verlangen statt der sonst 20% für ein (einiges teureres) Originalpräparat. Vor-Aufdrucke auf dem Rezept zählen dafür übrigens laut einem Urteil vor ein paar Jahren nicht. Stempel eigentlich auch nicht.

Der Arzt hier verschreibt (berufsbedingt) viele psychoaktive Medikamente. Da ist eine Einstellung nötig und Wechsel in der Medikation (auch zu Generika) können problematisch sein. Von daher … verstehe ich den Nachsatz. Allerdings würde ich das als verantwortungsvolle Apothekerin genau aus dem Grund sowieso nicht so einfach machen hier. Das heisst … irgendwo fühle ich mich dadurch ein bisschen beleidigt. Und ich finde das auch ziemlich irritierend für den Patienten selber, der das liest.

Und zuallerletzt: Was mache ich jetzt mit dem Sequase XR 50? Mir ist schon klar, was er will: Vom Seroquel XR 50 (dem Original) das Generikum – am liebsten das Auto-Generikum. Nur … Sequase XR gibt es noch gar nicht. Was es gibt wäre das Quetiapin Actavis XR … nur: will der Arzt das? Hier ist der Nachtrag doch arg verwirrend.

Also: gefragt ist Eure Meinung (ob Fachperson oder nicht): Was denkt ihr, wenn ihr das auf dem Rezept lest?

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.07.2014.

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Pharmazie
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@Apothekerin Pharmama richtig. Der erste Satz reicht völlig. Der Doktor SOLL auch keine Verantwortung übernehmen für das was ANDERE entscheiden. "Politiker" hätten das natürlich gerne.
#16 am 23.07.2014 von Gast (Gast)
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Frau Ulrike Kraft, sehr schlechte Antwort, sehr unsachlich, wie soll man da noch offene Fragen diskutieren dürfen? Ist nun die medizinische Versorgung in USA besser und billiger, oder schlechter und trotzdem teurer?
#15 am 23.07.2014 von Gast (Gast)
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Entschuldigen Sie bitte vielmals Herr/Frau Gast. Ich habe natürlich vergessen zu erwähnen das alles in den USA sehr schlecht ist und in Deutschland natürlich alles vom Feinsten. Meine Absicht war ein Beispiel aus einem anderen Land zu geben. Wenn man als Apotheker in mehreren Ländern arbeitet bekommt man über die Zeit einen recht guten Einblick. Es ist eigentlich traurig das man nur auf Grund der 3 Buchstaben USA häufig sehr generalisierte negative Kommentare bekommt.
#14 am 23.07.2014 von Frau Ulrike Kraft (Apothekerin)
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Danke vielmals für die interessanten Kommentare! Natürlich haben wir dem Arzt angerufen um das abzuklären. Interessant war ja auch noch die Dosierung: nur 1 Tablette am Samstag rsp. Sonntag morgen? - das erklärte sich, dass das ein Versuch war, wie der Patient reagiert. Er war dann auch ganz einsichtig und hat sich für die Nachfrage und Info bedankt. Dennoch finde ich so einen Rezeptaufdruck nicht wirklich ideal. Zumindest an der Formulierung könnte/sollte man noch arbeiten.
#13 am 23.07.2014 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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@Frau Ulrike Kraft, darf man sich vielleicht darauf verständigen, dass die USA verglichen mit Deutschland ein soziales Entwicklungsland ist? Es ist vor allem teurer!
#12 am 23.07.2014 von Gast (Gast)
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In den USA gibt es von den Kassen unterschiedlich eingeteilte Gruppen von Medikamenten. Je nach Original, Generikum, Preis und anderen Gründen. In Massachussets muß ich als Apotheker immer ein Generikum abgeben. Sollte der Arzt ein original wollen, muß er es auf das Rezept schreiben und der Patient hat unter Garantie eine höhere Zuzahlung. Auch kann es passieren, das die Kasse eine Erklärung vom Arzt fordert ( prior authorization ). Kommt häufig vor. Da kann ich nur warten bis die Kasse das ok gibt oder der Arzt seine Meinung ändert. In den wenigsten Fällen ist es medizinisch notwendig. Aber bei zum Beispiel Schilddrüsen oder transplantations Medikamenten fragen viele Kassen gar nicht und die Zuzahlung ist gleich. Bei seroquel allerdings muß der Kunde kräftig in die eigene Tasche greifen. Am Besten finde ich was auf einigen Rezepten steht : dieses Medikament wurde verschrieben auf Wunsch des Patienten. Da frage ich mich manchmal we hier bei wem in Behandlung ist.
#11 am 23.07.2014 von Frau Ulrike Kraft (Apothekerin)
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@Möglicher Kunde, Sie wechseln vielleicht gleich den Arzt, wenn Sie ihn nicht leiden können.
#10 am 22.07.2014 von Gast (Gast)
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Der dickgedruckte Teil im Rezept reicht doch. In der Kürze liegt die Würze. zu#8 stellen Sie sich vor, Ärzte machen das trotzdem, auch jetzt noch und werden sogar dafür beschimpft, außer vom Patient natürlich.
#9 am 22.07.2014 von Gast (Gast)
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Gast
Hatten wir vor Jahren in Deutschland auch. Aut idem verboten oder "kein Austausch" etc, War mit Inkrafttreten der Rabattverträge schlagartig vorbei. Die KVen hatten kommuniziert, dass die Ärzte eib aut idem Kreuz aus ihrem Budget bezahlen müssten.Damals ging es den Ärzten um den Erhalt der Therapiefreiheit. Dies gilt aber nur solange es nichts kostet,
#8 am 22.07.2014 von Gast
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Möglicher Kunde
Empfehlung: Absichern und beim Arzt nachfragen (z.B. mit Email oder dem zuvor erwähnten Fax-Formular). - Das würde ich vielleicht sogar als, möglicherweise einmal davon selbst betroffener, Kunde selbst übernehmen, wenn ich so ein Rezept bekomme und merke, dass sich die Apotheker (die Experten!) nicht sicher sind. Das mag nerven ("Zeit ist Geld"), aber ich denke, dass nur so auch ein Lerneffekt beim Arzt einsetzt, der dieses Rezept ja letzten Endes verantwortet. (Oder etwas böse formuliert: vielleicht überlegt der Arzt beim nächsten mal genauer und schreibt nicht gleich nach dem Besuch des Pharmavertreters das tolle neue Medikament auf, dass demnächst auf den Markt geworfen wird.)
#7 am 22.07.2014 von Möglicher Kunde (Gast)
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Also wenn er auf dem Originalpräpart besteht, dann sollte er wenigstens in der Lage sein es korrekt benennen zu können, ansonsten hängen Sie juristisch in der Luft. Da wir dieses Problem zur Genüge kennen, haben wir dafür ein Rückfragefax-Formular. Im Zweifel hilft ihnen da nämlich nur was Schriftliches.
#6 am 22.07.2014 von Robert Dreher (Apotheker)
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Krankenhausarzt
Ich habe mal auf meine Entlassungsberichte für den Hausarzt einen Stempel gemacht: "nicht für die Weiterleitung an die Krankenkasse bestimmt". Die Hausärzte fanden das gut.
#5 am 21.07.2014 von Krankenhausarzt (Gast)
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völlig o.k. wer entscheidet, trägt die Verantwortung.
#4 am 21.07.2014 von Gast (Gast)
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Im Interesse de Patienten ist dieser Hinweis durchaus in Ordnung. Als Arzt muss ich wissen, ob eine Umstellung des Medikamentes (Zusatzstoffe sind bei Generika oft unterschiedlich) für den Patienten verträglich ist. Vielleicht, um Apotheker nicht zu kränken könnte man den Rezeptzusatz etwas charmanter und nicht im Juristendeutsch gestalten, z.B.: "Bitte nur Originalmedikament abgeben!" oder ähnlich.
#3 am 21.07.2014 von Wilhelm Benedict (Medizinjournalist)
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Gast
Den Arzt mal ganz nett im Beisein des Kunden fragen, was er möchte😉 wenn dann eine Umstellung erfolgen muss, haben die das Telefonat wenigstens mitbekommen und sind nicht auf uns stinkig. Wir müssen zur Zeit viele Kunden auf deren eigenen Wunsch umstellen auf ein Generika, da die Krankenkasse neue Festbeträge eingeführt hat zum 1. Juli und die Patienten jetzt teilweise über 60€ für das Medikament zahlen müssen.
#2 am 19.07.2014 von Gast
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ist halt typisch für eine gewisse Grundeinstellung von Ärzten gegenüber Apothekern zusätzlich zu der Problematik das das korrekte ausstellen von Rezepten schwierig ist. Hauptsache ich kriegs bezahlt und nicht von der Krankenkasse auf null retaxiert
#1 am 19.07.2014 von Jürgen Unger (Apotheker)
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