Diagnose: Fussball

24.06.2014
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Die Fussballweltmeisterschaft bringt uns in der Praxis ein wenig in die Bredouille. Nicht weil wir nicht wissen, für welches Team wir sind oder weil die Fussballspiele teilweise mit unseren Praxiszeiten kollidieren (das ist zwar auch ein Problem, wer bei den Spielen in der Praxis bleiben muss, welches wir ganz fair mit Schnick-Schnack-Schnuck lösen)- unser Hauptproblem sind die "Patienten", die kommen und einen Krankenschein wollen- wegen Fussball.

Es ist ja nicht so, als würden wir es ihnen nicht gönnen, nur wenn einer zu mir kommt und sagt, er braucht eine Krankschreibung, damit er in Ruhe die Spiele gucken kann, gibt es darauf nur eine Antwort: Nein. Und wenn ich dann angemault und angemeckert werde, dann ist das zwar nicht schön, aber bei aller Liebe- Fussball ist keine Krankheit.

Und die Fussballweltmeisterschaft kam auch nicht völlig unerwartet. Die teilweise sehr späten Spielzeiten waren auch vorher klar. Jeder hat das Recht, seinen Urlaub für Fussball zu verbrauchen. Aber einen Krankenschein fürs Hobby- es heißt ja nicht ohne Grund KRANKENschein. Nagut, eigentlich heißt es Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aufgrund von Krankheit, aber krank sollte diese Person schon sein.

Natürlich kann ich nicht verhindern, dass Patienten eine Krankheit erfinden, wie Rückenschmerzen oder Magen-Darm-Infekt. Und ich bin auch nicht in der Position zu bewerten, ob er nun die Wahrheit sagt oder nicht. Im Zweifel bin ich immer für den Patienten. Und sicher habe ich manchmal einen Verdacht, wenn Patienten am Tag nach einem Deutschlandspiel mit plötzlich eingesetztem Magen-Darm-Infekt bei mir sitzen. Aber wenn sie mir ins Gesicht sagen, dass sie nichts getrunken haben- kann ich ihnen das nicht nachweisen.

Fair Play ist so etwas aber trotzdem nicht. Nicht nur dem Arzt gegenüber, sondern auch gegenüber der normal arbeitenden Bevölkerung, von den Kosten mal ganz abgesehen, die diese "Krankheitstage" verursachen.
Deshalb liebe Fussballfans: Bitte nehmt Urlaub oder geht einfach arbeiten. Von mir bekommt ihr jedenfalls keinen Schein.

Bildquelle: Thomas Northcut, thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.12.2014.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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Gast
Es sollte unbedingt und bald nicht mehr möglich sein,wann immer man es wünscht,eine Krankmeldung zu bekommen.Wie sonst können Arbeitnehmer,denen gekündigt wurde problemlos die gesamte Kündigungsfrist einfach so vier oder sechs Wochen krankgeschrieben werden auf Kosten der Allgemeinheit?Und selbst wenn man dann den medizinischen Dienst der Krankenkasse informiert,dieser den "Patienten" nach langem hin und her einbestellt um ihm zu bescheinigen,dass er gesund ist,dieser am nächsten Tag eine neue Krankmeldung vorlegt?Ist kein Einzelfall und durch die Umlage unser aller Geld.
#3 am 19.12.2014 von Gast
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Gast
@Gast #1 Respekt! Super Ansatz und finde ich es klasse, dass Sie den beschriebenen Symptomen direkt, gezielt auf den Grund gehen und somit die Erkrankung direkt an der Wurzel packen und ggf. eine gezielte Therapie ansetzen könnten - wenn es denn mal nicht zur Spontanheilung in der Praxis kommt! ;-)
#2 am 13.08.2014 von Gast
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Gast
Liebe Kollegin - heftige, gern auch rezidivierende Magen-Darm-Infekte sind bei meiner Klientel (Ki.- u. Jugendärztin) sehr beliebt bei mäßig motivierten Azubis der Gastro-Branche. Die Anamnese lautet immer ähnlich - heftige Durchfälle, mindestens stündlich! Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, die Jugendlichen zu bedauern, aber klar zu stellen, dass im Sinne der Allgemeinheit ratsam ist, hier den Erreger zu erfassen - und gebeten, dass er sich noch so lange ins Wartezimmer setzt, bis "es wieder soweit ist" und dann meine Helferin informiert, damit wir eine Probe nehmen können ... trotz sicher 50 ähnlich gelagerter Fälle letzten Herbst konnten wir nicht eine Probe gewinnen. Die Jugendlichen genasen sozusagen spontan in meinem Wartezimmer!
#1 am 04.07.2014 von Gast
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