Kaffee fürs Langzeitgedächtnis

29.05.2014
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Heiß, schwarz und lecker: Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Bisher wurden viele kurzfristige Effekte auf die Gedächtnisfunktion beschrieben, doch beeinflusst Kaffee auch das Langzeitgedächtnis? Forscher der Johns Hopkins Universität nähern sich dieser Frage mit einem neuen Studiendesign.

Heiß, schwarz und lecker: Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Durchschnittlich konsumiert jeder Bundesbürger rund 150 Liter Kaffee jährlich, das ist mehr als der Verbrauch von Mineralwasser (131 Liter) oder Bier (109 Liter). Schon seit langer Zeit beschäftigen sich Forscher mit dem Einfluss von Kaffee auf die Gesundheit und auf physiologische Körperfunktionen.

Einfluss auf Gedächtnisfunktion

Haben Sie soeben einen Kaffee getrunken? Dann lesen Sie diesen Artikel möglicherweise mit erhöhter Aufmerksamkeit und Ihre Verarbeitungsgeschwindigkeit für neue Informationen ist tendenziell gesteigert. Aber führt der Konsum des beliebten Heißgetränks auch zu langfristigen Veränderungen? Bisherige Studien bezweifeln das. Ein Grund dafür ist die schwierige Interpretation von Studienergebnissen. Trinken Probanden vor einem Lerntraining Kaffee, so schneiden sie beim Abrufen der erworbenen Inhalte besser ab. Das kann entweder durch eine gesteigerte Vigilanz und Verarbeitungsgeschwindigkeit während des Lernens begründet sein oder aber durch direkte Effekte auf das Langzeitgedächtnis und dessen Aufrechterhaltung.

Neues Studiendesign

Eine Forschergruppe um Daniel Borota von der Johns Hopkins Universität in Baltimore wendet nun ein neues Studiendesign an, um die Interpretationsschwierigkeiten zu umgehen. Die Probanden bekamen in einem Test Bilder von Alltagsobjekten gezeigt und mussten zuordnen, ob diese üblicherweise im Haus oder draußen vorkommen. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Probanden noch nicht, dass ihr Gedächtnis auf diese Inhalte später getestet werden soll. Direkt im Anschluss an diesen Durchlauf erhielten die Probanden entweder eine Koffein- (200mg) oder eine Placebotablette. Einen Tag später wurden erneut Bilder von Alltagsobjekten präsentiert. Dieses Mal mussten die Probanden allerdings zuordnen, ob ein Objekt bereits am vorherigen Tag gezeigt wurde, ob es sich um ein neues Bild handelt oder ob es einem Objekt von Tag 1 sehr ähnlich ist. Probanden, die Koffein anstatt eines Placebos erhielten, schnitten signifikant besser ab.

Interpretation der Ergebnisse

Um mögliche Fehler bei der Interpretation zu vermeiden, haben die Forscher um Borota den Koffeinspiegel der Probanden überwacht. Vor dem zweiten Test lag der Spiegel bei allen Probanden auf dem Nullniveau, sodass ein besseres Testergebnis durch erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentration in der Koffeingruppe ausgeschlossen werden kann. Überraschender Weise fanden die Wissenschaftler in einem anderen Kontrollexperiment heraus, dass eine Koffeingabe vor dem Abruftest an Tag 2 keine Verbesserung der Testergebnisse hervorruft. Um eine Dosis-Wirkungsbeziehung zu untersuchen, wurden in einer weiteren Testgruppe verschiedene Koffeindosierungen von 100, 200 und 300 mg untersucht. Die niedrigste Dosierung zeigte keine nennenswerte Auswirkung auf den Gedächtnisabruf, während hingegen 200 und 300 mg ähnliche Resultate lieferten.

Insgesamt betrachtet, sprechen die Ergebnisse für einen Einfluss von Koffein auf die Formation von Langzeitgedächtnisinhalten. Das applizierte Koffein führt nur zwischen dem ersten und dem zweiten Test zu erhöhten Blutspiegeln, nicht jedoch während der eigentlichen Durchläufe. Über welchen Mechanismus dieser Effekt vermittelt wird, bleibt unklar. Weitere Studien zur Untersuchung molekularer Signalwege sind nötig. Übrigens: Dass Kaffee eine positive Auswirkung auf die Entstehung einer Demenz vom Alzheimer Typ hat, zeigten bereits große Populationsstudien. Menschen mit einem durchschnittlichen Kaffeekonsum von 3 – 5 Tassen pro Tag haben ein um 65% reduziertes Risiko für das Auftreten der Alzheimerkrankheit.

 


Link zur Studie

Bildquelle (Außenseite): 55Laney69, flickr / CC-by

Bildquelle: 55Laney69, flickr / CC-by

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.06.2014.

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#3 Das würde ich eher eine unbewiesene Theorie nennen. "Homöostase" ist ein Schlagwort, was soll das denn sein? "Psychologisch" ist der Mensch natürlich ein "Gewohnheitstier", aber das ist was anderes. Über "Kaffee" gibt es wirklich viele 1000 Arbeiten, kaum noch zu überblicken, sogar bei herzinsuffizienten Patienten. Einen wirklichen Nachteil konnte man meines Wissens bisher nicht nachweisen. Im Leistungssport ist die Wirkung tatsächlich so positiv, dass man coffein DESHALB auf die Dopingliste gesetzt hat. Dagegen sind stimmulierende "Amphetamine" wirklich gesundheitsschädlich, im Sport (Radfahren) hat es deshalb schon Todesfälle gegeben.
#4 am 19.06.2014 von Gast (Gast)
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Es entwickelt sich wie bei allen Drogen ein Gewöhnungseffekt, durch Homöostase.Was die Konzentration(denken) bei Abstinenz möglicherweise schlecht beeinflusst.Also jeden tag Kaffeetrinken bringt nur die Aufrechterhaltung(der gleichen Leistung) der Homöostase des Gehirn.
#3 am 18.06.2014 von Gast (Gast)
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Nun, jedenfalls können die Kaffee-Trinker mit gutem Gewissen weiter trinken.
#2 am 09.06.2014 von Gast (Gast)
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Ich finde die Studien nicht ganz einwandfrei: Ueber den Lebensstil der Probanden wird nichts gesagt. Es gibt viele Faktoren, die eine Rolle mitspielen könnten, zB die Nachtruhezeiten, die diätetische Gewohnheiten, die Zufriedenheit im Alltag etc. Es könnte sein, dass Menschen, die gar keine Substanzen (Kaffee, Tee, cacao, Alkohol, Tabak, Drogen) nehmen, die das ZNS beeinflussen, mindestens gleich starke Gedächtnisleistungen erbringen. Kaffee reizt die Magenschleimhaut, und ist für das gastrointestinale System nicht gerade gesund. Es lohnt sich deswegen, ohne Kaffee auszukommen.
#1 am 04.06.2014 von Stud Edith Meyer (Studentin der Humanmedizin)
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