Love is in the air

27.05.2014
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Ich weiß nicht, woran es liegt. Am Frühling, an den Patienten, an mir- Jedenfalls hat es sich in den letzten 4 Wochen doch irgendwie gehäuft. Erst war da dieser Patient mit einem Alkoholproblem, der aufgrund einer akuten, anderen Erkrankung ein paar Tage hintereinander kommen musste. Wir kamen ins Gespräch, ich habe mir Mühe gegeben, ihn von der Notwendigkeit einer regelmäßigen ärztlichen Behandlung und einer Entziehungskur etc. zu überzeugen. Die Entziehungskur möchte er nicht machen, aber am liebsten würde er jetzt jeden Tag kommen und mich sehen. Bei den letzten Malen hat er immer versucht, mir einen Handkuss aufzudrücken oder eine Umarmung. Beides konnte ich gerade noch abwenden. Jetzt haben die Schwestern Order, genau nachzufragen, warum er gerne zu Fr. Dr. möchte, und wenn ihm nichts einfällt, dann ihn nicht durchzulassen, beziehungsweise ihn zu meiner Kollegin zu schicken.

Der Ehemann einer anderen Patientin, schwer krank, rief nun immer an, weil er unbedingt Hausbesuche für seine Frau wollte. Bei den Hausbesuchen war aber nie wirklich etwas Wichtiges, dann fing er an, alleine in die Praxis zu kommen, um über seine Frau zu sprechen. Auch das hat mich noch nicht stutzig gemacht. Als er mir aber jetzt zweimal vor der Praxis aufgelauert hat, um "kurz mit mir zu reden" und auf meine Nachfrage, warum er da ist, nur mit Ausreden geantwortet hat ("Ich brauche eine Visitenkarte", "Ich wollte nur gucken, ob ich letztes Mal alle Rezepte mitgenommen habe"), mache ich mir nun doch ein wenig Gedanken, was dahinter steckt. Auch hier dasselbe Spiel, wenn ich nicht da bin, braucht er nie einen Hausbesuch und auch kein Gespräch.

Der dritte Patient und auch Ehemann einer etwas kränkeren Patientin ist noch weiter gegangen. Er hat mir seine Nummer zugesteckt und mir in mein Ohr geraunt, ob wir uns nicht einmal ganz alleine, ohne seine Frau oder sonstwen treffen könnten. Äh nein.

Ich weiß nicht, was los ist. Beim ersten Patienten mit dem Alkoholproblem konnte ich das noch nachvollziehen, das kenne ich aus der Psychiatrie, solche Patienten fixieren sich oft auf den Behandler. Aber die anderen beiden? Sie sind jetzt auch überhaupt nicht meine Altersklasse, alle 20-30 Jahre älter als ich. Und ich würde mich vom Aussehen her auch eher als Durchschnitt bezeichnen, mein Kleidungsstil ist immer sehr zurückhaltend, und übermäßig freundlich war ich auch nicht.

Im Krankenhaus ist mir das in solch einer Ausprägung noch nie passiert. Vielleicht liegt es wirklich am Frühling? Vielleicht haben die Pollen, die hier auf dem Land in massiver Konzentration vorkommen, noch eine andere, unbekannte "Liebes-"Wirkung?

Ich hoffe, es ist bald Sommer.

Bildquelle: Ximagination, thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.06.2014.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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Sie müssen aber hübsch sein
#2 am 17.06.2014 von Gast (Gast)
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Oh ja, wir alle bekommen unsere Fangemeinde. Mit mittlerweile viel Übung darin gehe ich persönlich den schmalen Pfad der Annahme und Abgrenzung. Nicht jeder Mann sucht nur das Eine, mitunter ist einfach Gespräch und Zuwendung gefragt. Das ist in der langjährigen Ehe mit der kranken Frau oft komplett verloren gegangen. Freundlich und aufrichtig gesetzte Grenzen, und sei es der Zeitfaktor, werden bei mir für gewöhnlich akzeptiert. Unzweideutige Anmachen sind nicht akzeptabel. Leider sind wir auch als Durchschnittsfrauen immer attraktiv für älter Männer :-(
#1 am 29.05.2014 von Ute Lowitz (Physiotherapeutin)
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