Sie liebt mich, er liebt mich nicht...

15.04.2014
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Gestern stand die Tür meines Zimmers ein Stück auf, der Patient war gerade gegangen. Draußen hörte ich die Stimme einer Patientin, sie war auch schon ein paar Mal bei mir. Die Schwester fragte gerade: "Muss es Frau Doktor persönlich sein oder ginge auch wieder Frau Doktor A.?" "Nee, Frau Doktor persönlich." "Warum? Waren Sie mit Frau Doktor A. nicht zufrieden?" Kurze Pause- "Hm doch, aber mit Frau Doktor komm ich doch besser zurecht."

Ich muss sagen, dass mich das doch etwas getroffen hat, denn wir hatten uns die 3,4 Mal, die ich sie behandelt habe, doch gut verstanden und ich hatte das Gefühl, das wir auf einer Wellenlänge wären. Nun gut, es gibt 1000 Gründe, warum sie nun doch zu meiner Chefin wollte, wovon viele nicht einmal etwas mit mir oder meinen ärztlichen Fähigkeiten zu tun haben müssen.  Und selbst wenn, auch das kommt natürlich vor. Mit manchen Patienten komme ich nicht auf einen grünen Ast und bin dann auch ganz froh, wenn sie beim nächsten Mal wieder zu meiner Chefin gehen oder sich von vorneherein weigern, von mir behandelt zu werden. Oder mir rutscht eine falsche Bemerkung heraus oder ich mache einen Fehler, weswegen die Patienten nicht zufrieden waren und deshalb wieder rüberwechseln, auch das kommt vor.

Schwierig ist es, wenn ich mir keiner Schuld bewusst bin und ich eigentlich auch das Gefühl hatte, der Patient wäre mit mir zufrieden gewesen. Das hat mich gerade in der Anfangszeit schon manchmal getroffen, wenn solche Patienten dann doch nicht mehr zu mir wollten.  Mit der Zeit habe ich gelernt damit umzugehen, gerade weil das meistens überhaupt nichts mit mir als Person zu tun hatte. Manchmal sicherlich doch, dass ist eine Eigenart des niedergelassenen Arztseins. Während wohl kein Patient wegen eines bestimmtes Assistenzarztes ein anderes Krankenhaus aufsuchen würde, wird der niedergelassene Arzt oft genau wegen solch "zwischenmenschlichen" Problemen gewechselt, gerade im hausärztlichen Bereich. Dort hat der Patient in den meisten Regionen noch wirklich eine Wahl, zu welchem Hausarzt er möchte, bei Terminen bei anderen Fachärzten sieht diese Situation schon wieder anders aus. Oftmals wird dort mangels Auswahlmöglichkeiten der erstbeste Termin genommen, Hauptsache, Facharzt.

Es ist natürlich super, wenn der Patient die Wahlmöglichkeit hat, es kratzt aber schon am Selbstbewusstsein, wenn man Patienten an den Kollegen verliert. Eine ganz andere Dimension dieser Bewertung des Arztes auch als Person ist durch die Arztbewertungsportale hinzugekommen. Mir war gar nicht bewusst, dass man meinen Namen dort mittlerweile auch finden kann.

Darauf gekommen bin ich erst, als mich eine Patientin aus dem Notdienst noch einmal anrief und meinen vollen Namen wissen wollte. Ich dachte erst, sie wolle sich über mich offiziell beschweren und mir lief es schon kalt den Rücken herunter, aber nein, sie war sehr zufrieden mit mir und wollte mich im Internet bewerten. Daraufhin musste ich mich erstmal selber nachschlagen und siehe da, es gab schon ein paar Bewertungen.

Ich bin gespannt, wie sich das mit diesen Arztbewertungsportalen in den nächsten Jahren entwickelt. Vielleicht spielen die irgendwann mal eine sehr große Rolle und wir müssen alle auch noch auf unseren "virtuellen" Ruf achten. Anderseits, wenn man den Zahlen und Prognosen der kassenärztlichen Vereinigung glauben darf, haben wir eh bald so wenig Hausärzte, gerade auch in ländlicheren Regionen, dass der Patient dann froh ist, wenn er überhaupt zum Arzt vordringt, egal wie dessen Bewertung im Internet aussieht...

Bildquelle: Dusty Cline, thinkstock

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.10.2014.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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Gast
1. Die Bewertungsportale sind nicht neu und das Internet gibt es auch nicht erst seit gestern! 2. Der Grundgedanke ist ja nicht schlecht. Der "unabhängige MDK" prüft ja auch ambulante und stationäre Einrichtungen etc. und veröffentlicht Prüfnoten. Das kann als gutes oder schlechtes Marketing verwertet werden. Warum sollte das für die Ärzte nicht auch möglich sein. Das Problem bei den Bewertungsportalen für Ärzte ist, dass die Betreiber die Ärzte aktiv bewerben auf ihren Portalen Marketing zu betreiben! Das ist absolut unseriös! Kein Arzt bezahlt die Musik und möchte das der Zufall entscheidet was gespielt wird, oder? 3. Wirst du als Arzt von Patienten mit Beschreibung des Sachverhaltes öffentlich an den Pranger gestellt, genügt bereits ein Brief und schon wird der "böse Text" vom Portalbetreiber entfernt. Die haben nämlich keine Lust auf Rechtsstreit. Hier liegt die Beweislast zum Sachverhalt zunächst beim Protalbetreiber und der kann in der Regel gar nicht beweisen!
#6 am 13.08.2014 von Gast
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Auf Bewertungsportalen im Internet können diejenigen, die bewerten, sich nur selbstschädigend verhalten, wenn sie respektlos den Arzt, der sie behandelt hat, in seiner Ehre verletzen mittels herabwertender Sätze. Die Grundwerte, Ethik und Moral im Sein bleiben wichtig über alles: Besser lässt man sich nicht 'runterspielen. Es gibt auch bestimmt viele Leute, die in die Portals schauen, und sich ernsthafte Gedanken machen über leichtsinnige Herabwertungen. Jedem das Seine...
#5 am 21.04.2014 von Stud Edith Meyer (Studentin der Humanmedizin)
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Gast
Die Ärzte verzapfen doch alle das gleiche, da sucht Patient sich doch wenigstens den der zu einem passt oder auch mal das Problem ohne Kleidung anschaut und nicht nach der Beschreibung Medikamente verteilt.
#4 am 18.04.2014 von Gast
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Gast
"haben wir eh bald so wenig Hausärzte, gerade auch in ländlicheren Regionen, dass der Patient dann froh ist, wenn er überhaupt zum Arzt vordringt, egal wie dessen Bewertung im Internet aussieht..." - bald ist es wirklich so weit, dann gibt's keine "wählerischen" Patienten mehr!!!
#3 am 17.04.2014 von Gast
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Gast
Wie oft ist es andersherum? Vielleicht kommen ja gerade mehr Patienten auf diese Weise dazu als abwandern? ;)
#2 am 17.04.2014 von Gast
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Gast
Ich habe jetzt schon einige deiner Artikel gelesen und finde das super, was du schreibst. Und vieles erkenne ich wieder aus meiner Famulatur in der Allgemeinmedizin:) Mehr!Mehr!
#1 am 16.04.2014 von Gast
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