"It's sleep that kills"?

15.04.2014
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Die "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition" (EPIC) Studie ist wissenschaftlich ärgerlich. Sie ist eher eine "Follow-up-Studie". Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen werden durch Fragebögen ex post erfasst. Hier hat z. B. eine Studiengruppe die Hypothese vom langen Mittagsschlaf und einer ggf. daraus resultierenden erhöhten Mortalität verifizieren wollen.

Die "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition" (EPIC) Studie mit knapp 450.000 Teilnehmern/-innen ist einfach nur ärgerlich.

"Prospektiv" ist ein Euphemismus - es handelt sich eher um eine simple "Follow-up-Studie". Ernährungs-, Lebensgewohnheiten bzw. Risikoverhalten und Lebensstile werden durch detaillierte Fragebögen ohne Systematik ex post r e t r o s p e k t i v, aber n i c h t prospektiv erfasst.

Die vorliegende Studie zu Auswirkungen der "Siesta" oder des "Napping" (Mittagsschlaf) ausgerechnet bei der britischen Bevölkerung durchführen zu wollen, ist putzig. Denn gerade die mediterranen Länder mit ihrer traditionellen Siesta auszuklammern, ist eine eigenwillige Sicht auf den EPIC-Datensalat.

Die Autoren geben allerdings bereits im Titel zu, dass sie rein retrospektiv im Follow-up-Studiendesign gearbeitet haben ["Daytime Napping and the Risk of All-Cause and Cause-Specific Mortality: A 13-Year Follow-up of a British Population"]. Ihre Daten sind jedoch eher "Abfallprodukte" der EPIC-Studie, die auf ganz andere Fragestellungen abzielt. 

Korrelationen zu Art und Ausgiebigkeit der Mittagsruhe sind nach Risikostratifizierung jedoch völlig beliebig. Man hätte auch nach der täglichen Fernsehdauer, nach Gehhilfen, Sturzneigung oder Hörgeräten, nach schwindender Alltagskompetenz, "Essen auf Rädern", nach Lesehilfen, Mobilitäts- und Kognitionsdefiziten fragen oder ein geriatrisches Basis-Assessment machen können.

Wenn Einschränkungen z. B. nach dem Barthel-Index und/oder Morbiditäts-bedingte Tagesmüdigkeit detektiert werden, sind diese je nach Schweregrad und Ausprägung zusätzliche Morbiditäts-, aber auch Mortalitätsindikatoren. 

Nicht der Mittagsschlaf selbst ist tödlich, sondern die Krankheiten und Multimorbiditäten, die das Schlafbedürfnis auslösen. 

(Bild: Copyright Hubert Kramer - mit freundlicher Genehmigung)

Bildquelle (Außenseite): John Tyler, flickr, CC-by

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.04.2014.

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@ letzter Gast: Leider ist die Bildausschnittfunktion bei DocCheck®Blog nicht so leicht zu handhaben. Aber unter Schätzlers Blog auf DocCheck® ist das Bild mit einem Hut, der ein schlafendes Gesicht verbirgt, vielleicht besser zu erkennen.
#6 am 17.04.2014 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
@ #2: Die BILD benutzt "Morbiditätsrisiko"? Muß vielleicht doch mal wieder reinschauen...
#5 am 17.04.2014 von Gast
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Gast
Was hat das Bild mit dem Artikel zu tun, was stellt das Bild eigentlich dar? Eine Außenseite eines Außenseiters??
#4 am 17.04.2014 von Gast
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450.000 Teilnehmer zu befragen und zu solchen Ergebnissen kommen? Schade um die Arbeit.
#3 am 16.04.2014 von Wilhelm Benedict (Medizinjournalist)
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Gast
Die BILD hat das natürlich prompt (groß) aufgegriffen, wohl aber auch (klein) erwähnt, dass auch zugrunde liegende Krankheiten die eigentliche Ursache der erhöhten Morbidität sein könnten. Ist das nicht schön ? :-)
#2 am 16.04.2014 von Gast
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Dr.Bayerl
Einverstanden! Schlafdauer sollte nur als ganzes, also einschließlich Nachtschlaf bewertet werden. Ist ja so was wie ein Modethema, welches Krankenhaus hat heute nicht sein Schlaflabor und seine stationäre Schmerztherapie. Interessant insofern, dass mal ausnahmsweise nicht über Schlafmangel, sondern offenbar über "zu viel" Schlaf gesprochen wird. Ja, natürlich gibt es auch "statistisch" zu viel, ab spätestens 9 Stunden bei gesunden Erwachsenen steigt Morbiditätsrisiko und sinkt die Lebenserwartung. 7 Stunden ist der "Mittelwert". Daniel F. Kripke et al.
#1 am 16.04.2014 von Dr.Bayerl (Gast)
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