Liebe Pharmavertreter

08.04.2014
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Liebe Pharmavertreter,

jetzt kennen wir uns schon eine Weile. Zeit, einmal ehrlich zu sein. Da ich einen oder zwei von euch sogar fast sympathisch finde, deshalb hier mein total nett und freundlich gemeinter Rat: Lasst es doch einfach. Ehrlich. Ich mein, ihr habt natürlich meinen Respekt, schon allein dafür, dass ihr euch als gesunder Mensch stundenlang in ein Wartezimmer voller kranker, Bazillenverteilender, teilweise streng duftener Menschen setzt, nur um 10 Minuten Privataudienz beim Arzt zu erhalten. Wird euch diese Wartezeit eigentlich bezahlt als Arbeitszeit? Oder werdet ihr nur auf Provisionsbasis oder Erfolgsbasis bezahlt?

Auch seid ihr immer Suuuuper-freundlich, egal wie muffelig ich oder die Damen am Empfang euch behandeln. Nichts wischt das festgeklebte Lächeln aus eurem Gesicht, außer vielleicht,wenn ihr ein Konkurrenzprodukt in unserem Regal entdeckt. Schön ist auch, dass ihr alle in euren Erfolgsseminaren aufgepasst habt und mich deshalb jedesmal fragt, wie es mir geht oder versucht, Gemeinsamkeiten zu finden: "Wo sind Sie geboren?"  "Im Takkatukkaland." "Ach schön, da gibt ja viel Tourismus, ich war als Kind oft dort." "Ich habe als Kind die ganzen Touristen gehasst." Auch schön, dass ihr in euren Unterlagen immer den Überblick behaltet. Und uns jederzeit mit neuen, "spannenden und total wichtigen" Pamphleten, Post-Its, Patientenbroschüren, Fragebögen, Plakaten, Schautafeln, bedruckten Tassen und Kulis versorgt. Notfalls auch gegen unseren Willen.

Kleiner Profi-Tipp von mir: Wenn die Damen vorne sagen, nein danke, wir brauchen keine 10. Patientenbroschüre zum Thema Verstopfung, dann könnt ihr ihnen glauben. Und nicht heimlich doch welche da lassen. Die landen sonst nämlich direkt in der Rundablage.

Ich bewundere auch euer Talent, ein- und denselben Fakt marketingkonform unterschiedlich auszulegen. Wenn Medikament A nur noch einmal statt zweimal am Tag genommen werden muss, dann ist das für Pharmavertreter A ein unschätzbarer, grandioser, die Welt verbessernder Vorteil. Für Pharmavertreter B mit dem Konkurrenzprodukt B, dass zweimal genommen werden muss, ist eine Einmalgabe ein Nachteil, "denn die Patienten fordern ihre Zweimalgabe ein und kommen so besser aus".  Genauso ist es mit kürzerer oder längerer Halbwertszeit, schnellerer oder langsamer Anflutung, mehr oder weniger Geschmack usw. Liegt alles im Auge des Betrachters.

Rückschläge und Ablehnung könnt ihr blitzschnell in Vorteile verwandeln. Wenn ich sage, für Medikament XY gibt es keine Patienten, weil diese spezielle Störung nur sehr wenige haben, da sagt ihr, "Sehen Sie, wir von Pharma XY machen sogar Nischen-medikamente!!"

Eigentlich nichtssaussagende Studien legt ihr teilweise recht kreativ zur euren Gunsten aus, untermalt mit schönen bunten Schautafeln oder ganz modern mit lustigen Animationen auf quietschbunten Tablets.

Ihr gebt euch wirklich viel Mühe. Aber es beeindruckt mich leider nicht übermäßig. Und vor allem taucht ihr einfach viel zu oft im Wartezimmer auf. Wenn ihr wirklich was neues, innovatives habt, könnt ihr gerne vorbeikommen. Aber nur einmal. Und dann ist auch gut. Und wenn wir sagen, danke, kein Bedarf, dann ist das auch so.

Ich möchte wirklich nicht mit euch tauschen und manche von euch kann ich fast leiden, deshalb noch einmal ganz freundlich: Bitte nervt nicht ständig. Davon verschreibe ich auch nicht mehr eure Produkte.

Eine etwas Pharmageschädigte Hausärztin i.A.

Bildquelle: Orin Zebest, flickr, CC by-sa

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.03.2015.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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Gast
Wenn man keinen Boch auf Pharmavertreter hat, warum diese dann überhaupt empfangen? Ich glaube als Arzt/Ärztin fühlt es sich doch auch mal ganz nett an, umschmeichelt und umgarnt zu werden wie ein König/Königin. Insofern liest sich dieser Beitrag reichlich hochnäsig. Zumal einem Arzt/Ärztin folgendes klar sein sollte: Ohne die Pharmaindustrie stünde bei euch zu Hause kein Porsche in der Garage.
#12 am 20.01.2017 von Gast
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Menolly
Ich muss sagen die Ärztin hat recht. Oft kommen die Vertrehter und wollen nur ganz kurz rein und wenn man dann freundlich erwiedert das sie einen Termin brauchen werden viele Sauer. Leider sind die wenigsten nett und sympatisch
#11 am 25.02.2016 von Menolly (Gast)
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Dr. S.
Liebe Kollegin, das Thema ist ganz einfach: Keine PharmaVERTRETER mehr empfangen und nicht mehr ärgern! Unabhängig über Neuerungen informieren kann man sich beileibe anders!
#10 am 14.03.2015 von Dr. S. (Gast)
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Gast
Oh ja, sie behandelt ihre Patienten sicher genauso - wie selbstbestimmt die junge Dame ist - man liest es in jeder Zeile dieses Blogs. Und nein, ich bin wieder das eine noch das andere - und in diesem Fall (Gott sei da vor) auch kein Patient. Liebe Frau Dr. xy - jeder macht seinen Job, mal gut, mal schlecht - sie machen ihn miserabel - denn sie lassen andere Menschen nicht leben - aber als Göttin in Weiss sicher normal!
#9 am 03.09.2014 von Gast
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Super!! Ich habe schallend gelacht. Bin freiberufliche PB und habe möglicherweise größeren Spielraum. Zu Ärzten, die mich nicht empfangen, habe ich schon gesagt, daß sie nun aus meiner Liste fliegen.
#8 am 18.04.2014 von Ina Dehn (Wirtschaftswissenschaftlerin)
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ist ja lustig wenn einige Pharmareferenten sich hier über den Blog aufregen und ihre Werbung-und das ist es definitiv auch noch als Weiterbildung verkaufen wollen, die man dankbar annehmen sollte, vielleicht kann man dann auch die Apothekenzeitung zur Weiterbildung empfehlen oder sich im Aldi Prospekt über eine ausgewogene Ernährung informieren... Mein ehemaliger Chef hat die Vertreter immer nur im Rahmen der Abteilungsfortbildung zu Wort kommen lassen, vorher das Thema bekanntgegeben, jeder hatte Zeit die Studie zu lesen unddann wurde ausführlich gesprochen, da hatte man -auch weiterbildungstechnsich etwas davon-die Schwachpunkter der Studien wurden diskutiert etc., aber in der praxis ist ein Vetreterbesuch ungefähr genaus os toll und informativ wie der vom Vorwerk Vertreter (hier haben wir die neueste Düse), aber der macht wenigstens noch den Teppich sauber...
#7 am 14.04.2014 von Marwa Alkari (Ärztin)
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Gast
Ich kann das alles gut verstehen, aber muss auch betonen dass manch`Pharmareferent wohl mehr Ahnung von Medikamenten hat als mein Arzt oder der Apotheker! ( ich spreche aus Erfahrung) Die Mittel zum Zweck bzw. Marketing/Verkauf und "Gedöns" können sichtlich die Nerven strapazieren.....
#6 am 10.04.2014 von Gast (Studentin der Pharmazie)
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Gast
Ich kenne auch beide Seiten: man stelle sich vor, auch PBs sind Menschen. Ich empfehle einfach, den Job mal einen Monat lang zu machen - man lernt Demut. Würden Sie Ihre Patienten genauso behandeln?
#5 am 10.04.2014 von Gast
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Als Ex-Pharmareferentin und jetzt werdende Ärztin kann ich nur sagen - auch PBs sind Menschen. Würden Sie mit Ihren Patienten genauso umgehen?
#4 am 10.04.2014 von Dr. Natascha Harting (Ärztin)
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Gast
Herrlich
#3 am 10.04.2014 von Gast
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pharma
naja, schon kontrovers u strittig. ich möchte mit manch niedergelassenem auch nicht tauschen. sooo leere wartezimmer, da kann wohl der neid auf verdienst aufkommen. ja und wenn, ... sagen, ... auch viele ärzte sagen, in der diagnose und therapie ... da ist eben doch die zweitmeinung eine gute alternative. schild raushängen - wir empfangen keine pharmas - wir bilden uns selbst weiter na denn
#2 am 09.04.2014 von pharma (Gast)
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hallo, viel mühe gegeben, und doch nur gelabert. ich kene beide seiten, daher nicht einfach nur einsichtig etwas daher labern, ohne den wirklichen einblick auf der anderen seite zu haben. stimmt schon zum teil, ABER, das ist aus der unwissenheit heraus. dann sind sie doch soooo konsequent und empfangen keine pharmavertreter, denn sie sind ja auch auf weiterbildungen verpflichtet. oder überdenken den status und nehmen wissen und information für sich, eben , wie aus den LB, eigene neinung bilden und mit erfahrung verknüpfen. evtl mal über eine symbiose nachdedacht.? also , wer vom segel schreibt, sollte auch selbst segeln. in diesem sinne gute besserung ehem pharmareferent astra onko akt PJ chir
#1 am 09.04.2014 von Gast (Gast)
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