Fettarm? - Armes Fett!

13.04.2014
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Eine aktuelle Metaanalyse zeigt, dass der Konsum von vor allem in tierischen Produkten vorkommender gesättigter Fettsäuren wahrscheinlich nicht so schädlich ist, wie bisher angenommen. Ein Freifahrschein für zügelloses Schlemmen ist dies dennoch nicht.

Der weitgehende Verzicht auf tierische Fette in der Nahrung ist ein Mantra, das seit vielen Jahren von Ernährungsexperten verbreitet wird, da gesättigte Fettsäuren das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen sollen, wohingegen ungesättigte pflanzliche Fettsäuren als gesund gelten. Eine aktuelle Metaanalyse der Universität Cambridge, welche die Ergebnisse von insgesamt 80 Studien mit zusammen über 600.000 Probanden aus 18 Ländern umfasst, stellt diese Empfehlung jetzt in Frage. Es handelt sich dabei um 32 Beobachtungsstudien, in denen der Gesundheitszustand der Teilnehmer sowie deren Ernährung überwacht wurde, 17 weitere Beobachtungsstudien, in denen zusätzlich bestimmte Laborparameter bestimmt wurden, und 27 kontrollierte, randomisierte Interventionsstudien, in denen ungesättigte Fettsäuren (vor allem Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren) in Form von Nahrungsergänzungspräparaten supplementert wurden.

Das Ergebnis dieser Übersichtsarbeit überrascht: Zwar gibt es Hinweise, dass einer hoher Plasmaspiegel zweier bestimmter Omega-3-Fettsäuren, nämlich Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure, mit einem geringeren Myokardinfarktrisiko korreliert sind. Es gibt aber keine Belege dafür, der Verzehr von gesättigten Fettsäuren an sich erhöhe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und eine exogene Zufuhr dieser ungesättigten Fettsäuren in Form von Kapseln kann das Risiko nicht nennenswert senken. Es scheint sogar so zu sein, dass die gesättigte Fettsäure Margarinsäure, welche in Milchprodukten vorkommt, eine gewisse protektive Wirkung hat. Lediglich die schädigende Wirkung von Transfettsäuren, wie sie beim Frittieren und der industriellen Härtung pflanzlicher Fette entstehen, konnte bestätigt werden.

Somit ist dieser Artikel kein Freifahrschein für Völlerei und den Genuss von Fast oder Junk Food. Auf eine ausgewogene Ernähung kommt es wohl an.

Ob aber Butter, Sahne, Käse und Fleisch tatsächlich so ungesund sind, wie angenommen, ist unter Experten umstritten. Die Autoren stellen daher die Ernährungsempfehlungen vieler Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Frage. Diese sieht jedoch trotz dieser (nicht völlig neuen) Erkenntnisse keinen Anlass, ihre zuletzt im November 2013 aktualisierten Empfehlung zur fettarmen Ernährung zu überarbeiten, in der es weiter heiß: "Zu viele gesättigte Fettsäuren erhöhen das Risiko für Fettstoffwechselstörungen, mit der möglichen Folge von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und Fette [...] und daraus hergestellte Streichfette." 

Food for thought...

 

Quelle:

Chowdhury R, Wamakula S, Kunutsor S et al. Association of Dietary, Circulating, and Supplement Fatty Acids With Coronary Risk: A Systematic Review. Ann Intern Med 2014; 160: 398-406

 

Bildquelle (Außenseite): Andres Rodriguez, flickr, CC by-sa

Bildquelle: clearlens-images /PIXELIO.de

Artikel letztmalig aktualisiert am 29.11.2014.

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....Jetzt darf man sich natürlich fragen weshalb unser Körper Zucker und Weißmehl ausgerechnet in die "ungesunden" gesättigten Fette umbaut.....
#12 am 06.05.2014 von Silke Schuster (Ärztin)
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Diese Meta-Analyse steht im Widerspruch zu vielen früheren Studien und den Empfehlungen von WHO, Harvard, Mayo Clinic, US Dietary Guidelines etc. Die ungünstige Wirkung der gesättigten Fettsäuren geht über eine Induktion der Insulinresistenz und über eine Erhöhung des Cholesterins – dem durch Cholesternsenker seit Jahrzehnten entgegengewirkt wird. Wichtig ist, welche Qualität die verzehrten Fette oxidiert?, cis oder trans?) hatten. Welche Lebensmittel wurden ersatzweise für gesättigte Fettsäuren verzehrt? Wer gesättigte Fettsäuren mit Lebensmitten ersetzt, die reich sind an Zucker und Weißmehl (werden bei hyperkalorischer Ernährung zu gesättigten Fettsäuren umgebaut), mehrfach ungesättigten Fettsäuren aus stark erhitzten oder frittierten Lebensmitteln (erhöhen das besonders schädliche oxidierte LDL) oder mehrfach ungesättigten, z.T gehärteten Fettsäuren mit viel trans-Fettsäuren (erhöhen stark LDL), erreicht keine Verbesserung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
#11 am 22.04.2014 von Dr. med. Ludwig Manfred Jacob (Arzt)
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ich bin der meinung, das ausschlieslich der Verzehr von tierischen Produkten die Herz-kreislauf Erkrankung ganz entscheidend zum negativen beeinflust. Das Essen von Obst, Gemüse und gemahlen Getreide , jedoch zum guten für ein gesundes Leben beiträgt.
#10 am 18.04.2014 von keine Lars Ahlborn (Nichtmedizinische Berufe)
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Dr.Bayerl
#6 Gerhard Wilhelm auf Hormone trifft das ganz besonders zu. Zu niedriger Spiegel führt ebenso zu Krankheit wie zu hoher, Beispiel M.Addison/M.Cushing. Leider gibt es bei Tiermast nicht nur Antibiotikaeinsatz, sondern auch hormonähnlich wirkende "Wachstumsbeschleuniger" aller Art, ein ähnliches Problem wie beim Doping, bei der Gesetzgebung und Überwachung nicht immer Schritt hält. Import, besonders aus USA ist daher besonders zu überwachen, denn eine Wirkung auf das "Säugetier" Mensch ist durchaus naheliegend. Fleischqualität spiegelt Futterqualität wieder. Gras ergibt die beste Fleischqualität.
#9 am 16.04.2014 von Dr.Bayerl (Gast)
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Gast
In Deutschland sind Milchkühe weder Mastvieh,noch sind Wachstumshormone bei irgendeinem Rindvieh oder auch sonstigem Nutztier zugelassen.Sie sind auch nicht erhältlich!
#8 am 15.04.2014 von Gast
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Wer sich körperlich ausarbeitet, kann im Grunde essen, was ihm schmeckt!
#7 am 15.04.2014 von Prof. Dr. Wilhelm Niedermeier (Zahnarzt)
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#5, auf Hormone trifft das allerdings nicht zu, unter welchem „Verdacht“ künstliche Wachstumshormone (sollen die Milchleistung der Kuh erhöhen) stehen kann man leicht ergoogeln:-))
#6 am 15.04.2014 von Gerhard Wilhelm (Diätassistent)
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Die Dosis macht das Gift... immer noch!!
#5 am 15.04.2014 von Arnaud Hladnik (Heilpraktiker)
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Vielen Dank Klempner und doccheck! Auf die DGE bin ich auch nicht sonderlich gut zu sprechen. Natürlich spielen gerade bei Übergewichtigen die Kalorien eine Rolle. Es wäre daher sinnvoller eher darauf als auf Anti- "Fleisch" zu setzen. Nur deshalb ist daher der Genuss von Vollmilch und Fleisch mengenmäßig limitiert, von irgendwelchen "Giftstoffen" darin mal abgesehen. Der Hinweis auf wirklich gesundheitsschädliches "gehärtetes" Fett, früher in allen Margarinen, ist immer wieder wichtig. @Dr. med. Susanne Bihlmaier, was "biologisch-dynamisch" nun genau ist, hab ich bis heute nicht verstanden.
#4 am 14.04.2014 von Gast (Gast)
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Mich dünkt, es ist wie es immer schon war: 'Von allem zu viel, ist ungesund'. Der Mensch ist ein Individuum, so kann ich feststellen, ganz ohne wissenschaftliche Studien, dass auch bei weitem nicht jeder Körner'futter' und fettarme Rohkost verträgt. Uns ist ein gesundes Verhältnis zu Lebens-und Nahrungsmitteln abhanden gekommen. Vor allem durch designtes, mir fällt gar kein Wort ein, weil es ja keine LEBENSmittel sind, Essen. Da ist doch ein ehrliches Schmalz- oder Butterbrot diesem allemal vorzuziehen. Oder? Dass Margarine ausschließlich den Herstellern u. Händlern einen Nutzen bringt, ist schon seit langem bekannt. Cholesterin muss auf Gedeih und Verderb gesenkt werden. Dass es eine schützende Wirkung bei Stress hat, ist in Vergessenheit geraten. Mit Bedacht gewählte u. zubereitete Lebensmittel bringen Genuss u. eine gute Ernährung. Die Ge- u. Verbotswissenschaft hat bei mir Küchenverbot!
#3 am 14.04.2014 von Renate Rathmann (Heilpraktikerin)
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Und was auch nicht erwähnt wird: nichtdie Quantität entscheidet über gesund oder nicht gesund, sondern auch auf die Qualität: Demetermilch zeigte 2/3 mehr an Omega-3-FS als die Milch konventioneller Kühe. Letztere liefern, so das Harvard Milk Symposium, vor allem auch östrogensulfatträchtige Milch aufgrund der intensiven Mastviehhaltung. Und das wiederum ist assoziiert mit Brust-und Prostatakrebs. Frage: wer hat diese Studie hier finanziert???
#2 am 14.04.2014 von Dr. med. Susanne Bihlmaier (Ärztin)
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Gast
"Nicht so schädlich, wie bisher angenommen" ist ja nett ausgedrückt. "Nicht schädlich sind" wäre treffender. Und neu ist das natürlich keinesfalls, denn die in der Meta-Analyse aufgenommenen Studien sind ja in den letzten 40 Jahren veröffentlicht worden. Und jeder des Lesens machtig ist, konnte erkennen, dass gesättigte Fettsäuren noch NIE ein nachweisbares Risiko für Herz-Kreislauferrkankungen waren! Nicolai Worm
#1 am 14.04.2014 von Gast
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