Nicht mit mir

15.02.2014
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Auf dem Rezept hat der Arzt aufgeschrieben „Kompressionsstrümpfe Kl II“

Nur dass die Patientin uns mit dem Rezept  einen alten Strumpf unter die Nase hält und sagt: „Ich hätte gerne genau diesen! Der passt mir gut.”

Oookay … aber: der Strumpf stellt sich bei näherer Betrachtung als Klasse 1 Strumpf heraus.

Das bedeutet:

„Ich kann Ihnen auch diesen Strumpf bestellen, aber: Der Arzt hat ihnen eine stärkere Kompression verschrieben … das sollte man eigentlich beachten.“

Frau: „Der Arzt hat den Strumpf nur verschrieben, weil ich ihm das so gesagt habe. Und ich will diesen Strumpf hier!“

Pharmama: „Gut, dann haben wir nur noch ein kleines Problem – Strümpfe der Kompressionsklasse 1 werden von der Krankenkasse nicht übernommen. Wenn Sie also diesen hier wollen, werden Sie ihn selber zahlen müssen.“

Frau: „Aber ich habe ein Rezept dafür!“

Pharmama: „Die Krankenkassen müssen etwas nicht zwingend übernehmen, nur weil es auf einem Rezept steht. Und … Sie haben ein Rezept für einen Strumpf der Kompressionsklasse 2.“

Frau: „Aber diesen Strumpf hier habe ich auch so bekommen. … Sie können ja der Kasse einen Strumpf der Kompressionsklasse 2 verrechnen, wenn die das bezahlen und mir diesen hier abgeben.“

Pharmama: „Sie … wollen also, dass ich für Sie die Krankenkasse betrüge? … Nein, antworten sie nicht. Das mache ich nicht.“

Frau: „Aber das ging schon einmal so.“

Pharmama „Aber ich mach das nicht.“

Frau: „Und jetzt?“

Pharmama „Entweder ich messe ihnen einen Kompressionklasse 2 Strumpf an – so wie der Arzt das wohl auch gedacht hat – und gebe den ab – den kann ich der Kasse verrechnen …. Oder ich bestelle ihnen diesen Strumpf der Klasse 1 hier – und sie bezahlen ihn selber.“

Sie hat dann ihren Strumpf bestellt und bezahlt.

Nein, das fangen wir gar nicht erst an. Wenn man das macht, kommt sie das nächste Mal nicht nur mit “das ging doch auch schon so” … und verlangt das nächstem irgendein Nahrungsergänzungsmittel statt den Tabletten auf Rezept, oder – noch besser – gleich Kosmetika. Das gibt’s. Hab ich schon von Mitarbeitern in Apotheken in der südlichen Schweiz gehört. Speziell natürlich von denen, die derart Praktiken gleich eingestellt haben – von den anderen hört man das kaum.

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.02.2014.

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Pharmazie
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"Außer der Kompressionsklasse 1 sind alle Kompressionsklassen zu Lasten der GKV verordnungsfähig. Pro Jahr werden 2 Paare durch die Krankenkasse übernommen." Quelle http://flexikon.doccheck.com/de/Kompressionsstrumpf ist persönlich mein letzter Stand. Sollte es seitens des deutschen Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenkassen (SpiBu GKV) andere Hinweise geben, bitte ich um entsprechende amtlich verbindliche Quellenangaben. Nur diese sind rechtlich bindend und stellen uns verordnende Ärztinnen und Ärzte Regress-frei. Nicht die allgemeinen EU-Hersteller-Hinweise!
#7 am 22.02.2014 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Swea Menser
@Apothekerin Pharmama: Vielen Dank für den Hinweis. Das war für mich so nicht ersichtlich. Leider hält sich aber auch in Deutschland nach wie vor hartnäckig die Auffassung, dass Klasse I-Strümpfe nicht verordnungsfähig sind, obwohl es seit nunmehr fast neun Jahren anders ist.
#6 am 19.02.2014 von Swea Menser (Geisteswissenschaftlerin)
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@Swea Menser - der Blog wird geschrieben von einer Schweizer Apothekerin (mir :-) und die beschriebenen rechtlichen Grundlagen entsprechen denen in der Schweiz. Nicht denen in Deutschland. Aber schön zu wissen, dass für einmal in Deutschland etwas bezahlt wird, das in der Schweiz nicht übernommen wird :-/
#5 am 19.02.2014 von Apothekerin Pharmama (Apothekerin)
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Swea Menser
Ergänzend zu dem Kommentar von Frau Grimm: Der Blog enthält leider einen Fehler. Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse I sind sehr wohl zu Lasten der GKV verordnungsfähig - und zwar seit der Fortschreibung der PG 17 des Hilfsmittelverzeichnisses der Gesetzlichen Krankenkassen "Hilfsmittel zur Kompressionstherapie" vom 28. Oktober 2005. Nachlesbar auch auf der Internetseite der eurocom (european manufacturers federation of compression therapy and orthopaedic devices) unter www.eurocom-info.de.
#4 am 19.02.2014 von Swea Menser (Geisteswissenschaftlerin)
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Mal ganz davon abgesehen davon, dass der Strumpf ja dann wahrscheinlich seinen Zweck nicht mal ausreichend erfüllt und der Patient sich so unter Umständen selbst schadet. Patienten sehen natürlich nur, dass ein Strumpf mit stärkerer Kompression sicherlich erstmal unangenehmer ist und sich schlechter anziehen lässt und sieht den fachlichen Hintergrund nicht. Schon deswegen sollte man sicher nicht nachgeben.
#3 am 18.02.2014 von Cordula Grimm (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
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So was wird dauernd versucht
#2 am 18.02.2014 von Robert Dreher (Apotheker)
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Das Beispiel ist toll toll und realitätsnah. Die Pat. drängen einen die KK zu betrügen. Ich mach da auch nicht mit !!!
#1 am 17.02.2014 von Dr. med. Gabi Grüterich (Ärztin)
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