Fragwürdige Theoreme der Krebs-Kausalitäten - Kassandrarufe unangemessen!

08.02.2014
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Mehr als 250 Aktionen sollten global an diesem Welt-Krebs-Tag (4. Februar) auf die gesundheitlichen Bedrohungen aufmerksam machen. Und auf Möglichkeiten der Vorsorge, Früherkennung und Therapie hinweisen.

Die Weltkrebs-Vereinigung UICC (Union for International Cancer Control) gemeinsam mit  der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe meinte, ausgerechnet am "World Cancer Day" mit vier Mythen von Sprachlosigkeit, Symptomlosigkeit, Taten-/Machtlosigkeit und Rechtlosigkeit bei den Patientinnen und Patienten aufräumen zu müssen. Auch wenn diese antiquierten Vorstellungen eher dem alten Vorurteil nahekommt, wer an seinen Krebs erstmal "Luft" herankommen lässt, würde zwangsläufig daran sterben müssen. Doch müsste man im postindustriellen Informations- und Medien-Zeitalter mit Google, Facebook, Windows, Twitter, Wikipedia sich nicht eher um zeitgemäße, aktivere und offensivere Aufklärung bemühen, statt „olle Kamellen“ wiederzukäuen?


Mit einer sinnvollen und zielführenden Krebsprävention wäre zunächst einmal verbunden, dass die Experten der jeweiligen Fachgebiete aufhören, die Verursachung von malignen Tumorerkrankungen jeweils monokausal nur für den eigenen Forschungsbereich reklamieren und herunterbrechen zu wollen. Es gibt einfach keine simple Krebs-Schutz- oder Risiko-Diät, keine alleinigen Virusentitäten, keine isolierten Umweltgifte, einen einzelnen genetischen Defekt, eine Krebspersönlichkeit, eine einzige Lebensgewohnheit oder ein bestimmtes Verhaltensmuster, was zu dieser Erkrankung führen könnte. Es gibt auch keinen reinen, wilden "Raubtier"- oder sanften, harmlosen "Haustier"-Krebs. Es ist das Leben s e l b s t, das unsere Gesundheit durch Krankheit gefährdet! Raucher, Alkoholiker und Übergewichtige können sogar krebsfrei bleiben. Sie können aber auch wie manche Krebskranke an völlig anderen Grunderkrankungen sterben. 

Wir alle werden immer älter. Damit steigt die Neoplasie-Wahrscheinlichkeit an, wie auch Prävalenz und Inzidenz von a n d e r e n Krankheiten ansteigen. Oft kommen in meine Praxis Patienten, die sagen, "ich verstehe das gar nicht, ich habe doch immer so gesund gelebt, hatte keinen Stress, keine Aufregung, keine Not. Immer nur naturheilkundliche Dinge angewendet. Warum habe ich Krebs und die anderen, die mit ihrer Gesundheit Raubbau getrieben haben, nicht? 

Es ist die Fülle, die Multidimensionalität von Umwelteinflüssen, belebter und unbelebter Natur, physikalischer, chemischer, genetischer, bio-psycho-sozialer Einfluss- und Stellgrößen, verbunden mit Arbeitslast, Disposition, Vulnerabilität, Reaktions- und Abwehrbereitschaft, Immunität, Mutation, familiärer Krankheits- und Alterslast, persönlichem Leid und Traumatisierung, was die eigentlichen Krebs Problematiken und Verursachungen ausmachen. 

Die WHO belegt weltweit einen Anstieg neu diagnostizierter Krebsfälle zwischen 2008 und 2012. Im Jahr 2012 wurden bei 14,1 Millionen Menschen eine Krebs-Neuerkrankung festgestellt, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 12.12.2013 mit: 

http://www.iarc.fr/en/media-centre/iarcnews/index1.php?year=2013

Das sind elf Prozent mehr als vier Jahre zuvor, als die WHO die letzten Zahlen veröffentlichte. „Die Hauptgründe für den Anstieg sind die wachsende Weltbevölkerung und die insgesamt alternde Gesellschaft“, sagte David Forman, Mitautor der oben zitierten Studie. Die Zahl der Krebstoten stieg zwischen 2008 und 2012 aber "nur" um 8 Prozent auf 8,2 Millionen an. 

Damit wird deutlich, dass die weltweite Steigerungsrate neu diagnostizierter Krebsfälle zwischen 2008 und 2012 mit 14,1 Millionen neuen Krebserkrankungen in 2012, und damit elf Prozent mehr als vier Jahre zuvor, auch mit dem Anstieg der Weltbevölkerung im gleichen Zeitraum von 6,705 Milliarden (2008) auf 7,057 Milliarden (2012) zu tun hat:

http://www.prb.org/Publications/Datasheets/2012/world-population-data-sheet.aspx

11 Prozent mehr Neuerkrankungen bei gleichzeitigem Anstieg der Weltbevölkerung um 5,25 Prozent und einer zeitgleichen Alters-Zunahme der Ausgangspopulation von 6,705 Milliarden Menschen um 4 Jahre bedeuten, dass der größte Anteil der Zunahme von Krebserkrankungen soziodemografischer und krebsepidemiologischer Natur ist. Dass die Krebs-Sterblichkeit im gleichen Zeitraum nur um 8 Prozent zugenommen hat, ergibt einen Hoffnungsschimmer. 

Dagegen verpuffen Aktionen zum Welt-Krebs-Tag wirkungslos, wenn initial Bedrohungsszenarien und Kassandra-Rufe mit "eine halbe Million Menschen werden in diesem Jahr in Deutschland an Krebs erkranken" als Prognosen der Gesellschaft epidemiologischer Krebsregister (GEKID) und des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Robert Koch-Institut (RKI) aufgebaut werden.
(Foto Praxis Dr. Schätzler: Chondrosarkom bei Z. n. TEP re bei M. Perthes - Rö-Befund August 2010)

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.02.2014.

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@Karl-Heinz Licht erlauben Sie mir jetzt mal eine Provokation: es gibt keine biologische NOTWENDIGKEIT zu sterben. "Naturschwärmer" bevorzugen zwar irgendwelche "Eingeborenen" mit einer Lebenserwartung von 31 Jahren, aber einige Mamutbäume haben schon zur Zeit des Baus der ägyptischen Pyramiden "gelebt" und es soll Pilze geben, die größer und älter sind. Deshalb ist "Medizin" nicht unbedingt das schlechteste. Entsprechend interessierte "Forscher" haben z.B. vorgeschlagen, die besonders (alters-)empfindlichen Mitochondrien-DNS in den Zellkern zu verlagern, wo sie besser geschützt seien, das würde vielleicht 100 oder 300 Jahre mehr bringen, man weis es nicht. Den heutigen "medienpolitischen" Mensch erschreckt das nur, da er den Mensch als Risiko empfindet. Sein Fokus ist die (völlig aussichtslose) Klimarettung.
#5 am 22.02.2014 von Gast (Gast)
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Dr.Bayerl
Ein ausgezeichneter Beitrag, wegen seiner Sachlichkeit. Das RKI sollte sich schämen. Irgend eine Krankenkasse wird dann wieder "nachweisen", dass eine wirksame Vorsorge, wie die Koloskopie zu teuer ist und "nichts bringt", na ja, außer Menschenleben natürlich. Weiter so!
#4 am 17.02.2014 von Dr.Bayerl (Gast)
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Lieber Nicht-Kollege Dr. Schätzler, es scheint auch Ihnen so allerhand auf die Nerven zu gehen, insbesondere seltsame Statistiken mit Promotion. Vorhin war ich bei einem Ihrer Kollegen einem praktischen Arzt alias Hausarzt. Im Wartezimmer an der Wand ca. 1 qm Hochglanzpublikationen über Krebs aller Art zum Mitnehmen, ich wollte eigentlich gleich wieder gehen. Ich denke, Sie haben völlig Recht: Wenn insgesamt immer mehr Leute auf der Erde leben und diese immer genauer untersucht werden, gibts auch mehr Kranke, die vorher garnicht wußten, daß sie krank sind und möglicherweise an etwas Bestimmtem sterben werden. Das gilt nicht nur für Krebserkrankungen. Umgekehrt hatte ich einen Bekannten, der hat geraucht wie ein Schlot, auch ein Freund geistiger Getränke, aber völlig gesund bis knapp vor 80. Dessen Gene müssen schon sehr speziell gewesen sein...
#3 am 13.02.2014 von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Unbedingt ein Orden für den klugen Dr. Schätzler Alles richtig. Kürzer jedoch: Die Evolution hatte nie einen Grund (und wird ihn nie haben) über den Zeitraum der Reproduktion hinaus einzelne Mitglieder der Spezies unbedingt gesund zu erhalten. Sie lässt uns einfach eingehen und gibt die nicht mehr benötigte Materie zu möglicher Verwendung für neues Leben zurück in den Pool. Noch kürzer: Macht Kinder und dann Platz!
#2 am 13.02.2014 von Karl-Heinz Licht (Medizinjournalist)
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Wo ist das Problem?? Wegen des "Klimamärchens" wurde der Katalysator mit PALLADIUM in allen Vervrennungsmotoreneingeführt. Da PALLADIUM aus den katalysatoren wird fein verteilt in die Luft ausgeblasen und wir alle atmen es ein. 75% der Menschen sind empfindlich auf Quecksilber, Fluor und PALLADIUM. Nun nacht PALLADIUM alle Probleme, die wir vom Quecksilber kennen (siehe Dunderer). Es wird also an erster stelle das immunsystem geschädigt, Allergien verstärkt und Depressionen verstärkt. In dne letzten Jahren anhmen gerade diese Erkrankungen stark zu, das korreliert perfekt mit dem Anstieg von PALLADIUM IN DER lUFT: So ist es nicht verwunderlich, das auch Krebskrankheiten stark zunehmen.
#1 am 13.02.2014 von Dr. med. Hans Gschwender (Arzt)
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