App der Woche: Radiology 2.0

13.03.2014
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"Ich sehe was, was Du nicht siehst und das ist...." An dieses Kinderspiel mag sich mancher Medizinstudent beim Betrachten eines CT-Scans erinnert fühlen. Die Bilder aus dem Computertomographen richtig deuten und lesen zu können, erfordert regelmäßige Übung. Die App Radiology 2.0 liefert über 60 CT-Scans verschiedener Fallbeispiele, anhand denen Diagnosen geübt werden können.

Der Anwendungsbereich der englischsprachigen App geht weit über die Darstellung eines statischen Bildes hinaus, sondern simuliert die Arbeit an einem PACS-System. Das bedeutet, dass hier 65 Einzelfälle in zusammenhängenden CT-Scans (insgesamt über 7000 Bilder) stufenlos und in Hi-Res per One-Finger-Touch durchgefahren werden können, um sich der Diagnose wie in der Praxis schrittweise zu nähern. Im nachgelagerten Menüschritt findet sich ein detaillierter Diskussionsverlauf der professionellen Analyse mit Annotationen und Markierungen auf den relevanten Bildbereichen.

Eine entscheidende Option - zwei unterschiedliche Lerneffekte

Die App lässt sich in zwei Modi nutzen, die jeweils verschiedene Lerneffekte bedienen und sich auf eine entscheidende Einstellung beziehen:

Beide Menüs verwenden dasselbe Bildmaterial unter dem eine kurze Schmerzbeschreibung durch die Patienten angefügt ist.

Die erste der beiden Einstellungen ordnet alle Fälle in anatomische Kategorien ein und versieht sie mit ersten groben Diagnosen. Sie eignet sich zum Beispiel für bestimmte Fallstudien, die sich anhand des Bildmaterials nachvollziehen lassen. Somit lassen sich für spezielle Krankheitsbilder die passenden CT-Scans auswählen und unter vorgegebenen Ausprägungen analysieren. Da die App jedoch auf Englisch ist und (zumindest bisher) kein Sprachupdate für die deutsche Übersetzung vorliegt, braucht man für manche Termini wohl nochmal einen Dictionary zur Übersetzung.

Der zweite Modus anonymisiert die einzelnen Fälle. Jetzt erscheinen Sie bspw. nur als 'Case 14' und nicht als 'Appendicitis with abcess' - was die Diagnose erschwert. Wie schon im ersten Modus muss anhand der kurz angefügten Patientenbeschreibung und Schmerzlokalisation die entscheidende Stelle per Fingertouch "angefahren" werden, um die relevanten Bildbereiche zu analysieren. Nur mit dem entscheidenden und für den Lerneffekt wichtigen Unterschied, dass in diesem Modus keine Vordiagnose besteht. Die Krankheitsbilder müssen allein vom User eingegrenzt und bestimmt werden.

Des Rätsels Lösung:

Für (möglicherweise) Verzweifelte und vor allem für den Lerneffekt wichtig, gliedert sich als nächster Schritt die Dokumentation der Musterlösung, die professionelle Diagnose an. Im Diskussionsverlauf werden die wichtigen Hinweise detailliert offengelegt. Diese sind interaktiv gestaltet, sodass ein Touch auf den jeweiligen Hinweis ein statisches Bild des Scans öffnet, auf dem die angesprochenen Bereiche mit Pfeilen, Kreisen und anderweitig markiert sind. So lässt sich der Weg zur richtigen Diagnose schlüssig rekapitulieren.

Fazit

Die Qualität der CT-Scans ist ziemlich beeindruckend und ebenso wie leicht sie sich haptisch per Touch scrollen lassen. Die ruckelfreie Abfolge der CT-Scans (bis zu 100 Bilder pro Scan) ermöglicht eine intuitive und sehr angenehme Bedienbarkeit der Fallbeispiele per One-Finger-Touch - und das an jeder beliebigen Stelle des Screens. Was aber für den Lerneffekt sorgt ist vor allem die detaiilierrte Diskussion inkl. der ausgiebig markierten Bereiche. Sie lassen Kausalitäten erkennen und vermitteln die Diagnosen intuitiv und interaktiv.

Was leider fehlt ist eine Option zur Randomisierung der anonymisierten Fälle: hat man bspw. Case 14 einmal behandelt, weiß man um dessen Diagnose. Würde die Option zur Durchmischung der Fälle bestehen, bestünde ein größeres Lernpotenzial. Vor allem da sich die Aneignung fundierter Analysefähigkeiten der CT-Scans rein durch Repitition einstellt und Fälle oft durchlaufen werden müssen. Da wäre es hilfreich bei jedem Fall von Null anfangen zu können.

Ansonsten aber ist die App nicht zuletzt aufgrund ihres Preise unschlagbar: sie nämlich gratis.

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.03.2014.

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