Ernährungsmythen und Gesundheit

15.01.2014
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Dass die Ernährungsweise einen Einfluss auf die Gesundheit haben kann, gilt als gesicherte Erkenntnis. Aber ist wirklich alles, was als ungesund gilt, so schädlich wie vermutet? Ein Update zu zwei Nahrungsmitteln.

Ernährungsirrtümer, also die falsche Vorstellung davon, was gesund oder ungesund ist, gibt es zahlreiche und sie sind teils weit verbreitet.

Über das Thema Kaffee und Gesundheit wurde an dieser Stelle schon einmal berichtet. Ergänzend bin ich nun auf eine schöne Übersichtsarbeit gestoßen, die sich ebenfalls mit dem Einfluss von Kaffee auf die Gesundheit befasst und zwischen Januar 1990 und Dezember 2012 publizierte Arbeiten berücksichtigt: Wichtige biologisch aktive Inhaltsstoffe des Kaffee sind demnach neben Koffein Chlorogensäuren und Diterpene. Es gibt einen messbaen Effekt von Kaffee auf das Kardiovaskularsystem sowie den Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel. Entgegen früherer Annahmen scheinen jedoch eine koronare Herzerkrankung (KHK), Herzrhythmusstörungen oder eine Herzinsuffizienz nicht negativ beeinflusst zu werden. Ferner gibt es Hinweise, dass regelmäßiger Kaffeegenuss die Inzidenz von Diabetes mellitus, Morbus Parkinson und Lebererkrankungen reduziert. Inwieweit die Enwicklung einer Osteoporose gefördert wird, wird derzeit noch untersucht. Der Einfluss auf den Blutdruck ist stark davon abhängig, ob es sich um einen gewohnheitsmäßigen Kaffeetrinker handelt oder nicht, da Koffeintoleranz hierbei eine Rolle zu spielen scheint. Der Effekt bei einer Karzinogenese scheint von der Tumorentität abzuhängen, wobei insgesamt wahrscheinlich von einer Risikoreduktion ausgegangen werden kann. Insgesamt scheint Kaffee die Mortalität zu senken. Die Autoren kommen daher zu dem Schluss, dass die frühere, weit verbreitete Vermutung, Kaffeekonsum sei überwiegend schädlich, überholt sei, da neuere Erkenntnisse über dessen pflanzliche Inhaltstoffe eine andere Sprache sprächen, wobei die klinischen Daten nicht ausreichend seien, um eine abschleßende Beurteilung zu erlauben.

Ein weiteres Lebensmittel, dessen täglicher Konsum als ungesund gilt, sind Eier, welche in dem Verruf stehen, den Cholesterinspiegel zu erhöhen und somit eine Atherosklerose zu fördern. Eine hochrangig im British Medical Journal erschienene Meta-Analyse hat sich nun mit der Frage befasst, ob der regelmäßige Verzehr von Eiern mit einem erhöhten Herzinfarkt- und Apoplexrisiko einher geht. Hierzu wurden insgesamt 17 bis Juni 2012 publizierten Arbeiten eingeschlossen, die 263.938 Patienten mit 5.847 Fällen einer KHK sowie 210.404 Patienten mit 7.579 Schlaganfällen umfassten. Dabei konnte weder für eine KHK, noch für Schlaganfälle ein lineare oder nicht-lineare Korrelation zwischen Eierkonsum und einer koronaren Herzerkankung, respektive apoplektischen Insulten festgestellt werden (p=0,67, bzw. 0,27). Das zusammengefasste relative Risiko für eine koronare Herzerkrankung betrug beim Genuss eines Eis pro Tag 0,99 (Konfidenzintervall: 0,85-1,15), für Schlaganfälle lag es bei 0,91 (KI: 0,81-1,02). Daher folgern die Autoren, dass ein regelmäßiger Verzehr von Eiern (bis zu einem Ei täglich) das KHK- und Schlaganfallrisiko nicht erhöht.

Food for thought.

 

Literatur:

Cano-Marquina A, Tarín JJ, Cano A. The impact of coffee on health. Maturitas 75 (2013): 7-21

Rong Y, Chen L, Zhu T et al. Egg consumption and risk of coronary heart disease and stroke: dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. BMJ 346 (2013): e8539

 

Bild Außenseite: © David Goehring /flickr / CC-by

Bild Innenseite: © Ich-und-Du / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 28.07.2014.

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Gast
Den aktuellen (31/14) FOCUS-Titel ‚Die 50 größten Ernährungs-Lügen’ habe ich spontan kommentiert und freue mich über Ihre Erfahrungen und Meinungen zum Thema #Ernährungslügen. http://www.gesundheit-in-bewegung.com/2014/07/27/kommentar-zur-focus-titelstory-die-50-gr%C3%B6%C3%9Ften-ern%C3%A4hrungs-l%C3%BCgen/ #Ernährung #Ernährungsmythen #Abnehmen #Alkohol #Allergien #Zucker
#11 am 28.07.2014 von Gast
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In zahlreichen Studien wurde bewiesen, dass auch ein hoher Ei Konsum nicht den LDL-Cholesterin Spiegel erhöht; im Gegenteil. Durch das im Ei enthaltene Lecithin wird die Cholesterin Aufnahme des Körper reguliert. HDL kann jedoch sogar steigen. Habe ich selber probiert. Messen Sie doch einmal HDL und LDL., essen Sie einen Monat lang 10 Bio-Eier am Tag. Dann messen Sie noch einmal. Mein LDL ist gesunken, HDL gestiegen.
#10 am 18.01.2014 von Dr. med. C. Claassen (Arzt)
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Paracelsus
Die Dosis macht das Gift.
#9 am 18.01.2014 von Paracelsus (Gast)
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Dr.Bayerl
Für den Ernährungsexperten ein alter Hut, denn Eiweiß ist lebenswichtig, und für die "biologische Wertigkeit" wird Ei-Eiweiß gerne als Referenzprotein genommen, wobei im Eigelb mehr drin steckt als im Eiklar. Wie bei allen natürlichen Eiweißquellen spielen auch etliche essentielle Mikronährstoffe eine Rolle. mfG
#8 am 17.01.2014 von Dr.Bayerl (Gast)
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ein anderer Gast
zu#5: Der Satz muss natürlich mit “Dass“ anfangen! Bei Zweifeln kann man auch mal den Duden oder den Deutschlehrer konsultieren ;)
#7 am 17.01.2014 von ein anderer Gast (Arzt)
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Hervorragende Werbung für Kaffeeröster und Hühnerbauern!
#6 am 17.01.2014 von Dr Matthias Kratofiel (Zahnarzt)
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Gast
Wenn das erste Wort im Text richtig geschrieben wäre (Dass statt Das), würde mir der Text noch besser gefallen. ;-)
#5 am 17.01.2014 von Gast (Medizinjournalist)
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Die Autoren vergaßen, den Begriff "Kaffee" näher zu definieren. Ich bin mir nicht sicher, ob in den meisten Kaffeemehlpfundpaketen überhaupt oder eine annähernd adäquate Menge an realem Kaffeepulver enthalten ist.
#4 am 16.01.2014 von Jürgen Wolf (Arzt)
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Maximilian
Guter Artikel, sehr interessant, als Anmerkung noch Ihr habt hier einen Buchstaben vergessen: Es gibt einen "messbaen" Effekt von Kaffee auf das ;) macht weiter so
#3 am 16.01.2014 von Maximilian (Gast)
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Ob die Steigerungsrate der Magen-Darm-Beschwerden nun wirklich an der Tatsache, dass mehr Obst und Gemüse gegessen wird liegt oder vielleicht doch an den zu jeder Gelegenheit verabreichten Antibiotika, Cortison usw., die die Darmflora schädigen, das bleibt dahingestellt. Jedenfalls ist jedes Nahrungsmittel als ungesund anzusehen, wenn die Person, die es zu sich nehmen möchte darauf eine Unverträglichkeit oder gar Allergie hat. Dies wissen viele Menschen aber erst gar nicht oder "behaupten sie würden alles vertragen" bis dann der Blähbauch da ist. Da man ja alles möglich in sich hineinstopft, ist dann schlecht nachzuvollziehen, was diesen auslöst. Heilpraktikerin Brigitte Gotter
#2 am 16.01.2014 von Heilpraktikerin Brigitte Gotter (Heilpraktikerin)
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Dipl.oec.troph. Uwe Knop
Das ökotrophologische Universalcredo lautet: Nichts Genaues weiß man nicht ... das gilt für alle Erkenntnisse zur Ernährung. Auch für die vermeintlich "gesunden Lebensmittel" ... so muss man auch "Obst und Gemüse als Krankmacher?" hinterfragen -> http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001376 Guten Hunger wünscht Dipl.oec.troph. Uwe Knop
#1 am 16.01.2014 von Dipl.oec.troph. Uwe Knop (Weitere medizinische Berufe)
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