Ach, die Frau Dockta!

08.01.2014
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Vor ein paar Tagen beim Einkaufen: Ich war am Telefon und arbeitete nebenbei meinen Einkauszettel ab. Im Augenwinkel sah ich ein älteres Ehepaar, dass irgendwie immer so auffällig unauffällig zu mir rüberstarrte. Nachdem ich aufgelegt hatte, schaute ich einmal genauer hin. Siehe da, Patienten aus der Praxis.

Ich lächelte ihnen freundlich zu, was die Frau zur Aussage veranlasste : "Ach nee, die Frau Dockta! Gehen Sie auch einkaufen, ja?" Auf diese sehr offensichtliche Frage wusste ich auch keine andere Antwort als freundlich zu nicken und den beiden einen schönen Tag zu wünschen.  Nachdem ich mich keine 3 Meter von ihnen entfernt hatte, berichtete die Ehefrau schon lautstark einer mittlerweile hinzugestoßenen Bekannten von "der Frau Dockta, der neuen, nee der jungen, du weißt doch, Ilse, von der ich dir schon erzählt habe..."

Ein paar Minuten später "erwischte" ich die beiden Damen dabei, wie sie während kurzer Abwesenheit meinerseits den Inhalt meines Einkaufswagens begutachteten.

Ich flüchtete daraufhin in das entgegengesetzte Ende des Ladens, um einem weiteren Dialog a la "Ach Sie essen auch Brot, ja?" zu entgehen.

Begegnungen dieser Art haben in den Monaten, seit ich diese Stelle angetreten bin, massiv zugenommen. Der Ort, in dem ich arbeite, ist ein sehr kleiner Ort, und meine Chefin ist sehr im öffentlichen Leben dieses Ortes präsent. Natürlich wird da auch ein neugieriges Auge auf ihre neue Mitarbeiterin geworfen. Und auch gerne Klatsch und Tratsch verbreitet. Das geht sogar so weit, dass mich meine Chefin am Anfang gewarnt hat, ich soll lieber darauf achten, wie ich mich in "der Öffentlichkeit" präsentiere, sonst kann sowas schnell ein Eigenleben entwickeln.

Ich habe das nicht für voll genommen, denn wer bin ich, dass sich die Leute gerne über mich unterhalten möchten? Die letzten Monate haben mir gezeigt: Offensichtlich bin ich mit meiner neuen Arbeitsstelle interessant genug. Da ich keine Lust habe, zum schnellen Einkaufen mehrere Kilometer weit in den nächsten Ort zu fahren, achte ich jetzt doch darauf, wie ich mich verhalte oder was ich am Handy sage, wenn ich unter Leuten bin. Selbst auf meine geliebten "Es-ist-Samstag-mir-doch-egal-wie-ich-aussehe-Klamotten" verzichte ich inzwischen meistens.

Bis jetzt habe ich die Nähe meiner Arbeitsstätte zu meinem Zuhause immer für einen großen Pluspunkt gehalten, muss aber feststellen, alles hat zwei Seiten. Berühmt oder sowas möchte ich nie werden, das ist ja anstrengend, wenn man sich immer überall zusammenreißen muss! Und die nächste Arbeitsstelle suche ich mir doch lieber wieder ein wenig weiter weg...

Bildquelle: QuinnDombrowski /flickr / CC by-sa

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.12.2014.

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Gast
Bleiben Sie bei Ihren "Ist-mir-egal-wie-ich-am-Samstag-aussehe-"-Klamotten - wenn Sie ihren Job gut machen, werden sie damit genauso respektiert - vermutlich sogar mehr! Gruß von einem, der auch in einem kleinen Ort lebt und IMMER so rumrennt, auch Sonntags. Und Ihren Blog, den lese ich gern. Gruß ...
#2 am 26.12.2014 von Gast
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Gast
Das ist wirklich sehr nett und liebenswert geschrieben. Hoffentlich ist das Leiden nicht zu groß...
#1 am 23.01.2014 von Gast
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