Der Penis weist den Weg

10.01.2014
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Durchblutungsstörungen sind eine mögliche Ursache für eine erektile Dysfunktion (ED). Das Auftreten einer ED kann daher auch Vorbote kardiovaskulärer Ereignisse sein. Ein Grund, über den urologischen Tellerrand zu schauen.

Herr D. ist 49 Jahre alt, hat einen Body Mass Index (BMI) von 35, raucht etwa 20 Zigaretten am Tag, nimmt einen Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten sowie ein Statin ein und leidet an einem Diabetes mellitus Typ II. Den Weg zu mir hat er gefunden, weil er seit einigen Monaten eine zunehmende Verschlechterung seiner Potenz beobachtet hat. Er hat eine zehn jahre jüngere Frau und leidet sehr unter diesem Problem.

"Es gibt doch diese Potenzpillen", sagt er. "Viagra und so. Die sollen doch sehr wirksam sein. Könnte ich das nicht einfach mal ausprobieren?"

"Im Prinzip schon", antworte ich. "Aber ganz so einfach ist das nicht."

"Wieso?"

Ich erkläre es ihm.


Patienten mit metabolischem Syndrom (Adipositas, artereller Hypertonie, Hyperlipidämie und Insullinresistenz) wie Herr D. leiden überdurchschnittlich häufig auch an einer erektilen Dysfunktion (ED). Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass vaskuläre Faktoren in diesen Fällen bei der Genese eine Rolle spielen. Eine Reihe von Studien konnte sogar belegen, dass das Vorliegen einer ED, ähnlich wie Rauchen, Hyperlipidämie oder familiäre Belastung ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse darstellt. So bestand in der Placebo-Gruppe des Prostate Cancer Prevention Trial bei 9.457 Männern, die älter als 57 Jahre waren, ein um 27% erhöhtes Risiko für zukünftige kardiovaskuläre Erkrankungen, wenn eine ED jeglichen Schweregrades bestand.

Aber auch andere epidemiologische Studien wie der Olmsted County Study of Urinary Symptoms and Health Among Men, in der 1.402 Probanden über einen Zeitraum vom zehn Jahren gescreent wurden, zeigten insbesondere bei jüngeren Männern mit ED eine signifikant höhere Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen als bei vergleichbaren ohne ED. In einer Fallkontrollstudie mit 242 lag bei Männern unter 60 Jahren in 68,8% der der Patienten mit ED auch eine koronare Herzkrankheit vor. In einer weiteren prospektiven Studie erlitten 49 von 291 Männern mit Diabetes mellitus Typ II und stummer KHK während des Follow-up von 47 Monaten einen schweren Myokardinfarkt, wobei 61,2% der Betroffenen auch eine ED hatten, während bei den nicht betrofenen Männern nur 36,4% Potenzprobleme hatten. In einer Kohorte von 2.306 Diabetikern war die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen bei 616 Männern mit ED (19,7%) deutlich höher als bei Männern ohne ED (9,5%).

Interessanterweise ist dabei eine penile Atherosklerose eher selten, häufiger und wahrscheinlich als ursächlich für die ED anzusehen ist dagegen eine Obstruktion in Höhe der Beckenarterien: Eine prospektive Sektionsstudie an 31 Männern im durchschnittlichen Alter von 68 Jahren verstorbenen Männern fand in 87,1% eine Koronarsklerose sowie in 77,4% auch eine Stenose der A. iliaca interna, aber nur in 12,9% eine Läsion im Bereich der penilen Arterien, wobei diese nur bei einem Mann isoliert war. Riskofaktor für eine penile Atherosklerose war ein Diabetes mellitus.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine ED die Frühmanifestation einer allgemeinen Gefäßkrankheit sein kann.


Ich habe Herrn D. daher zunächst einmal zum Kardiologen überwiesen. Dieser schickte ihn aufgrund eines pathologischen Belastungs-EKGs zur Herzkatheteruntersuchung mit dem Ergebnis einer korornaren 3-Gefäßerkrankung und der Implantation von Stents. Der Patient nimmt nun zusätzlich ASS und Clopidogrel ein, aber auch bei Bedarf einen PDE-5-Hemmer und ist darunter wieder potent.

Eine weitere Heldentat der Liebe.

 

Literatur:

Miner M, Seftel AD, Nehra A et al. Prognostic utility of erectile dysfunction for cardiovascular disease in younger men and those with diabetes. Am Heart J (2012): 21-28

Ponholzer A, Stopfer J, Bayer G et al. Is penile atherosclerosis the link between erectile dysfunction and cardiovascular risc? An autopsy study. Int J Impot Res (2012) 24: 137-140

 

Titelbild: © Rainer Sturm / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 04.09.2015.

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vanheld
Gebe dem Kardiologen total Recht! Viagra wird viel zu unkritisch verschrieben, und das Schlimme: meistens waren die Patienten vorher weder beim Urologen, noch beim Andrologen! Viele Verbraucher wissen gar nicht, dass potenzfördernde Präparate längst in pflanzlicher Form, sprich ohne Nebenwirkungen gibt. Ich bestelle nur noch bei Greenbeam, und mein Wohlergehen dankt es mir! (Meine Frau auch :-)))
#14 am 04.09.2015 von vanheld (Gast)
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man muss trotz allem richtigen nicht auf "Viagra" schimpfen
#13 am 19.01.2014 von Gast (Gast)
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Kardiologe
Obwohl diese Fakten bekannt sein sollten, erlebe ich immer wieder, dass Viagra & Co. als Life-Style-Drogen insbesondere von Nicht-Urologen einfach unkritisch verordnet werden. Ist ja auch immer auf Privatrezept. Deshalb ist dieser Artikel ein durchaus wichtiger Beitrag.
#12 am 18.01.2014 von Kardiologe (Gast)
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Kardiologe
Obwohl diese Fakten bekannt sein sollten, erlebe ich immer wieder, dass Viagra & Co. als Life-Style-Drogen insbesondere von Nicht-Urologen einfach unkritisch verordnet werden. Ist ja auch immer auf Privatrezept. Deshalb ist dieser Artikel ein durchaus wichtiger Beitrag.
#11 am 18.01.2014 von Kardiologe (Gast)
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teil 3 Für solche Patienten hat unsere Medizin die richtigen Ansätze. Hätten Sie mit Ihren Untersuchungsmethoden die Gefahr eines Herzinfarktes erkannt? Für verantwortungsbewusste Patienten, die sich um ihre Gesundheit kümmern, haben die Mediziner auch gute Ansätze, hier helfen unsere Medizier auch naturheilkundlich und nach besten Wissen und Gewissen. Die muss der Patient aber selbst bezahlen, wie bei Ihnen auch. Ich wünsche mir persönlich, dass auch die Patienten mehr Verantwortung tragen sollten.
#10 am 17.01.2014 von Heilpraktiker Karlheinz Sauer (Heilpraktiker)
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Teil 2 Dieser interessiert sich nicht für seine Gesundheit, kostet aber der Allgemeinheit Geld in Form von Gesundheitskosten. Dieser wird seine Ernährung nicht umstellen und die 20 Zigaretten wird er er rauchen. Hier hat doch der Arzt richtig gehandelt und ihm nicht noch ein Medikament -> Viagra verabreicht. Das hat übrigens auch Nebenwirkungen. Dummerweise müssen Mediziner diesen Patienten behandeln, wir HPs können ablehnen oder weiterreichen. (ich würde hier ablehnen, sofern die Ursachen nicht verändert werden)
#9 am 17.01.2014 von Heilpraktiker Karlheinz Sauer (Heilpraktiker)
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Hallo Frau Gotter, es scheint, dass allein nur die Mediziner mit ihren Medikamenten und OP´s "rumpfuschen". Entweder haben Sie den Artikel nicht ganz gelesen, oder spielen sich als Retter der "armenn Patienten" auf. Wo beschreiben Sie den die Verantwortung des Patienten (BMI 35, so dick wurde er nicht geboren) und er kam nur weil er Viagra haben wollte, damit sein bestes Stück wieder steht. Dieser Patient fühlt sich in seinem Umstand eigentlich wohl, will ganz bequem eine Tablette damit er schnell wieder weiter machen kann.
#8 am 17.01.2014 von Heilpraktiker Karlheinz Sauer (Heilpraktiker)
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Dem Beitrag von Brigitte Gotter kann ich nur zustimmen. Ernährung ändern, gleichzeitig eine Ganzkörper-Entgiftung (ca. 3 Monate lang ) mit REINEM Aloe-Mark ( NUR das FRUCHTFLEISCH ) und Bewegung. Auffüllen aller Vitalstoffkammern und leben. Keinen STRESS mehr aufkommen lassen. Man muß es lernen. ES GEHT!
#7 am 16.01.2014 von Heilpraktiker Tony Mahony (Heilpraktiker)
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an den Gast, der sich fragt warum man mit 49 noch potent sein muß: Es gibt durchaus eine Reihe von Menschen (Männlein wie Weiblein), für die Sex nicht nur was mit Familienplanung zu tun hat!!!
#6 am 14.01.2014 von Dorothee Brocke (Mitarbeiterin Industrie)
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Gast
das ist alles schon LANGE bekannt! warum man allerdings mit 49 Jahren noch potent sein muss ist eine gute Frage, denn die Familienplanung sollte da schon längst abgeschlossen sein.
#5 am 14.01.2014 von Gast (Arzt)
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Interessanter Artikel.
#4 am 14.01.2014 von Martin Jäger (Arzt)
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Gast
So so schwer kranker Patient wieder potent....lesen Ärzte so einen journalistischen Werbemist?
#3 am 13.01.2014 von Gast (Altenpfleger)
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Mein Penis weist mir auch immer den Weg. Hallo Thorsten, ich habe soeben meine Habitilation geschafft :)
#2 am 13.01.2014 von Prof. Dr. med. Stephan Unger (Arzt)
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okay ..... ja bis dann die Stants wieder "zugehen"....... super! Kenne einen Fall, der hat alle Medikamente nach der Herz-OP mit Bypässen und Mitralklappenrekonstruktion abgelehnt. Er hat sich danach auf die Suche nach "Störfaktoren" für seinen Körper gemacht und diese vermieden. Das war vor 5 Jahren. Er lebt damit super, es geht ihm gut und er braucht keine Medikamentem, weder Statine, noch Blutdrucksenker, noch Ass o. ä. Einfach das Leben und die Ernährung so gestalten, dass es dem Körper "gefällt"! Alle Medikamente haben Nebenwirkungen, Leberüberlastung, Mikronährstoffmängel usw. Man sollte dies bedenken!
#1 am 13.01.2014 von Brigitte Gotter (Heilpraktikerin)
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