Ist der Ruf erst ruiniert

06.01.2014
Teilen

Arztbewertungsportale im Internet werden für viele Patienten immer bedeutender, wenn es darum geht, einen neuen Hausarzt oder einen Spezialisten zu finden. Manche Ärzte staunen jedoch nicht schlecht, wenn sie zum ersten Mal lesen, was über sie im Netz steht.

Haben Sie sich als Arzt schon einmal gegoogelt? Vielleicht werden Sie staunen, auf wie vielen Seiten ihr Name auftaucht – im Positiven wie im Negativen.

Es gibt mittlerweile zahlreiche Arztbewertungsportale, auf denen Patienten ihr "Testurteil" über Mediziner und Praxen abgeben können. Sogar die Krankenkassen mischen hier inzwischen mit, beispielsweise mit der AOK-Arztapp. Die Bedeutung von Online-Medien im Allgemeinen – so hat längst nicht jede Facharztprais eine eigene Homepage – und dieser Portale im Besonderen wird jedoch insbesondere von älteren Kollegen häufig noch unterschätzt. Dabei hat eine Umfrage der Universität Erlangen-Nürnberg ergeben, dass sich etwa 65% der Befragten schon einmal aufgrund von positiven Bewertungen für einen bestimmten Arzt entschieden hatten und 50% sich aufgrund negativer Beurteilungen von einem Besuch hatten abhalten lassen.

Wir sind ein Volk von Testern geworden: Ob Bücher, CDs, Elektronikartikel, Filme, Hotels oder eben Ärzte, seit es entsprechende Foren im Internet gibt, ist nichts vor dem subjektiven und in der Regel anonymen Verbraucherurteil sicher, wobei naturgemäß Unzufriedene vielleicht sogar eher geneigt sind, auf diesem Weg ihrem Ärger Luft zu verschaffen. Alles, was man braucht, um seine Stimme abzugeben, ist eine E-mail-Adresse. Entsprechend sind auch die Möglichkeiten zur Manipulation nahezu grenzenlos. Je weniger Beurteilungen es gibt, umso unsicherer und gegebenenfalls irreführender ist deren Aussagekraft. Denn ob hinter der Aussage "Zu kurze Behandlung, hört nicht richtig zu, geht nicht wirklich auf meine Beschwerden ein" wirklich ein enttäuschter Patient oder etwa ein boshafter Konkurrent steckt, lässt sich nicht nachvollziehen. Andere Bewertungen lesen sich wie von einem Werbetexter verfasste Lobeshymnen. Negative Urteile können jedoch im Extremfall sogar die Existenzgrundlage eines Arztes bedrohen.

Die Rechtslage ist kompliziert, da man als Arzt zum Beispiel keinen Anspruch darauf hat, die Personalien eines Kritikers zu erfahren. Gegen unsachliche Negativbewertungen vorzugehen oder die Löschung eines solchen Beitrages zu erwirken, kann daher schwierig sein. Wer sich gegen falsche Behauptungen oder eine scheinbare Rufmordkampagne wehren möchte, sollte zuerst den Portalbetreiber kontaktieren. Seriöse Portale werden die Bewertung dann erst einmal von der Seite nehmen und vom User eine entsprechende Stellungnahme einfordern. Falls dieser sich daraufhin nicht meldet, wird der Eintrag endgültig gelöscht. Bestätigt der Kritiker hingegen die Bewertung, so kann es sein, dass diese wieder online geht. Dann hat der Arzt im Zweifelsfall nur noch die Möglichkeit einer Anzeige gegen Unbekannt, wobei die Erfolgschancen nicht unbedingt gut sind, da der Datenschutz Vorrang haben kann.

Wie soll man also mit Arztbewertungsportalen umgehen? Es ist sicherlich ratsam, diese im Auge zu behalten. Aus Negativbewertungen kann man auch etwas lernen und sogar Verbesserungspotential schöpfen. Es kann aus Marketinggesichtspunkten auch nicht schaden, zufriedene Patienten zu animieren, auf den entsprechenden Internetseiten ein positives Urteil abzugeben. Ein praxisinternes Qualitätsmanagement mit der Möglichkeit der eigenen Umfrage zur Patientenzufriedenheit gibt den Betroffenen das Gefühl, ernst genommen zu werden, und erlaubt Auskunft über den Ist-Zustand.

 

Titelbild: © Petra Bork / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 25.02.2014.

76 Wertungen (4.59 ø)
865 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Gibt es eigenrlich auch gute Portale, bei denen man nicht zuerst Geburtsdatum, Beruf.... eingeben muss, damit der Spam nur so daherflattert?????
#14 am 25.02.2014 von Gast (Gast)
  0
Gast
Ich persönlich habe schon über Bewertungsportale einen Arzt gesucht und bin über die vielen negativen Kritiken überrascht gewesen. Trotz ich in einer Großstadt wohne blieb kein "guter" Arzt übrig. Da bleibt dann doch nur wieder selbst ausprobieren. Allgemein empfinde ich die Bewertung der Leistung eines Arztes als völlig verkehrt. Aus solch einer Bewertung kann ich keinerlei Rückschlüsse ziehen, da ich ein anderer Mensch mit anderen Problemen bin. Eine Einschätzung über Wartezeit, Freundlichkeit des Personals, Atmosphäre und die Zeit, die ein Arzt sich für einen nehmen kann, finde ich dagegen positiv. Als Patient würde ich allerdings lieber in der Praxis einen Zettel ausfüllen oder auf ein bestimmtes Portal hingewiesen werden wollen. Ergebnisse aus solchen Umfragen kann man ja auch zur Weiterentwicklung seines "Geschäftes" benutzen
#13 am 04.02.2014 von Gast
  0
Ich finde man sollte hier einfach mal ein wenig lockerer mit umgehen. Getreu dem Motto: Deutsche Sprache- schwere Sprache. Ist der Ruf erst uriniert.... so wirksam sind die Bewertungsportale, nur ein Buchstabe verdreht und es sieht alles ganz anders aus.
#12 am 13.01.2014 von Dirk Reske (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  0
Gast  Beitrag 7
Ich empfinde es so demütigend unmenschlich unsachlich anonym an den Pranger gestellt zu werden.Ja am Stammtisch reagieren sich Leute ab, es ist klar, daß man nicht jedem Recht machen kann,dann geht jeder eigenen Weg, es klingt irgendwann ab- im Internet nicht. Und alle sogar hohe Politiker leiden unter Cybermobbing. Nicht alles Neue ist auch gut-es entwickeln sich die Regeln dafür, leider auf unserem Rücken. Und wieso dürfen diese Portale schon ab I. Bewertung es öffentlich machen? Man sensibilisiert auch die zufriedene Patienten. Es ist nicht rechtens! Und anonym sich zu äußern geht es einfach-auch mir.
#11 am 10.01.2014 von Gast Beitrag 7 (Ärztin)
  0
Gast
Ich betreibe keine Praxis, jedoch kenne ich Bewertungen diverser Kollegen, welche imho fernab von der tatsächlichen med. Kompetenz der jeweiligen Kollegen liegen (sowohl im Positiven als auch im Negativen), da diese Bewertungen ja meist aufgrund von Vordergründigkeiten abgegeben werden, wie sich aus den schriftlichen Kommentaren oftmals ergibt. Problematisch dabei ist jedoch, dass viele User oder Informationssuchende ja gar nicht erst die Kommentare durchlesen, sondern durch die Anzahl der Sterne o.ä. ja schon mal eine Präselektion treffen in der Meinung es handle sich dabei tatsächlich um ein Anzeichen von Qualität (oder ähnlicher Kategorien). Offenbar meinen viele der User tatsächlich in entsprechenden Portalen relevante Informationen zu erhalten (was systemimmanent ja gar nicht möglich ist), wenngleich der einzige tatsächliche Benefit sich in den Portemonnaies der Betreiber derselben ergibt.
#10 am 10.01.2014 von Gast (Arzt)
  0
Michael Jans
Bei aller berechtigter Kritik an Bewertungsportalen oder Bewertungen ist nur schwer zu verstehen, warum die Ärzteschaft dagegen wettert und ansonsten das Rad der Zeit zurückdrehen möchte. Vielmehr könnte in jeder Praxis ein Blatt mit fachlicher Einschätzung über die wichtigsten Bewertungsportale ausliegen und für eine Bewertung empfehlen. Die Praxishomepage könnte auf seriöse Portale verweisen und kurze Zitate von realen Patienten enthalten. Auch eine Patientenbefragung kann so manche Augen öffnen für Unzulänglichkeiten im administrativen Bereich. Zuviel Marketing / Zuwenig Zeit? Es steht jedem frei ausschliesslich durch die eigene Arbeit zu glänzen und die Deutungshoheit anderen zu überlassen. In jedem Fall kann es auch positiv sein, dass negative Informationen jetzt sichtbar verbreitet werden. Früher passierte dies im Verborgenem - Die Qualität dieser "Stammtisch-Bewertungen" wird kaum besser gewesen sein und die Kritiker konnten mit einer eigenen Stellungnahme nicht erreicht werden.
#9 am 10.01.2014 von Michael Jans (Mitarbeiter Industrie)
  0
Gast
Hallo Herr Graf, ich bin hier genauso anonym wie meine Denunzianten auf den Bewertungsportalen. Wo ist da jetzt das Problem?
#8 am 10.01.2014 von Gast (Arzt)
  0
Gast
Ich bin eigentlich sehr enttäuscht, dass viel noch diese Portale als nützlich sehen. Nach Marketing-Regeln schon bekannt: Der Zufriedener sagt Danke und geht nach Hause, der Unzufriedener - " läßt Luft raus". Ich bin nicht so lange niedergelassen, aber diese Portale machen mich frustrierter, daß ich als noch dazu Alleinerziehende mich darum kümmern soll- macht mich wütend.Früher war man an einem Ort bekannt -und jetzt Bundes weit und weiter. was muß sich noch gefallen lassen? Der Patient kann die heutige Regeln nicht wissen, will auch nicht. Und dann soll man sich für Hausarzt entscheiden? Es wird als schlimmer. Ich sehe kein Sinn in diesen Portalen, nur daß sie damit Geld verdienen, durch Packeterwerb kauft man Schweigegeld -unvorstellbar !!!
#7 am 09.01.2014 von Gast (Ärztin)
  0
@Gast: Sie schreiben ja sehr offen über ihre "Fakemail"-Aktivitäten getreu dem Motto "Wie Du mir, so ich Dir". Ich kann aber nicht verstehen, warum Sie auf auf diesem Portal hier nur anonym als "Gast" auftreten. Hier hat doch niemand Konsequenzen zu fürchten und sollte mit seinem Namen zu seiner Mainung stehen.
#6 am 09.01.2014 von Dr. rer.nat. Stefan Graf (Biologe)
  0
Gast
Diese Portale sind nichts anderes als ein moderner Pranger. Ich habe eine für meine Praxis schlecht abgegebene Bewertung schon selbst mittels einer " Fakemailadresse" relativiert. Ich finde diesen Trend einfach nur albern.
#5 am 09.01.2014 von Gast (Arzt)
  0
Gast: Da bei uns die Ärzteknappheit so gross ist, ergibt sich auch bei negativer Beurteilung eines Arztes keine Alternative. Wartezeit auf einen Behandlungs- termin liegt zwischen 4-12 Wochen
#4 am 09.01.2014 von Ute Kompe (Ärztin)
  0
Gast
"Falsch" ist an den Portalen nur die Tatsache, dass viele Ärzte zig Einserbewertungen pflegen + selbst begründete Schlechterbewertungen binnen kürzester Frist eliminieren lassen; so werden Einser-Sammlungen fragwürdig.....
#3 am 09.01.2014 von Gast (Weitere medizinische Berufe)
  0
Der besondere Mehrwert der Bewertungsportale ergibt sich aus Patientensicht doch dadurch, dass die die Asymmetrie zwischen Verordner/Behandler und Dulder mehr ins Gleichgewicht gebracht werden kann. So gesehen sind die Bewertungsportale ein ganz wesentliches Regulativ und wichtig für die Patientenzufriedenheit. Die Zeiten in denen sich allein aus dem Status und dem Berufstitel Qualität ergibt sind damit vorbei. Es zwingt zu einer stärkeren Patientenorientierung und was kann daran schon falsch ein.
#2 am 09.01.2014 von Prof. Dr. Bernd Reuschenbach (Pflegewissenschaftler)
  0
Gast
Studien zeigen Kollegen mit Durchschnitt 1.0 werden kritischer beäugt als welche mit z.B. 2.3. man sollte die häufigsten Portale ab und zu lesen, sich aber vor Kommentaren auf den Seiten hüten (Schweigepflicht!). bei verletzten Äußerungen ist der Betreiber zur Löschung verpflichtet. Jameda z.B. ist eine Gewinn orientierte Tochter von Bertelsmann! Da kann man auch anonym posten und als Platinkunde ist man in der Suche immer oben - sehr ausgewogen?!
#1 am 09.01.2014 von Gast (Zahnarzt)
  0
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Immer wieder treffen wir auf Patienten im fortgeschrittenen Alter, die sich in einem passablen, guten oder sogar sehr mehr...
In den letzten Jahren haben neuartige Therapiemöglichkeiten die Überlebenschancen von Patienten mit mehr...
„Ich möchte Ihnen heute Haengolin vorstellen, unser neues Präparat zur Behandlung der erektilen Dysfunktion“, mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: