Where is my handy?

03.01.2014
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Anglizismen sind beliebt, vermitteln sie doch Weltoffenheit und Sprachgewandheit. Wer was auf sich hält, spricht denglisch. Seltsam wird es nur, wenn Muttersprachler unser Pseudoenglisch nicht verstehen oder eben ganz anders.

Aus dem Englischen entlehnte Wörter sind aus der Deutschen Sprache, nicht auch zuletzt im medizischen Fachjargon nur schwer wegzudenken. Der Sprachwissenschaftler spricht von Anglizismen. Eine Untersuchung der Universität Bamberg hat ergeben, dass die Anzahl solcher Lehnwörter sich zwischen 1994 und 2004 verdoppelt hat, vor allem auch im Bereich Marketing. Interessanter Weise verstehen aber nur knapp 50% aller Deutschen Englische Werbesprüche wirklich: So wurde der Slogan "Come in and find out" der Parfümerie-Kette Douglas häufig mit "Komm herein und finde wieder hinaus" übersetzt.

Gänzlich skuril wird es, wenn wir Deutschen Englische Worte neu erfinden oder völlig anders einsetzen als die Muttersprachler. Dies kann zu erheblichen Kommunikationsproblemen führen. So ist der Begriff Handy für das Mobiltelefon im Englischen vollkommen unbekannt. Dort spricht man vom mobile oder cell(ular) phone, ein Umstand, über den sich der Britische Komiker Stephen Fry schon lustig gemacht hat.

Den Begriff Handy als Substantiv gibt es im Englischen hingegen nicht. Als Adjektiv bedeutet es geschickt oder auch praktisch. Handyman kann für einen Heimwerker stehen.

Die Basecap gibt es in unserem Sinne auch nicht, sondern nur die baseball cap oder den baseball hat, das andere gibt es im Baumarkt und ist eine Zierleiste; ebensowenig existiert der Begriff Service Point. Als Public Viewing bezeichnet man die öffentliche Aufbahrung einer Leiche, und unter Oldtimer versteht man einen Senioren und kein altes Auto. Letzteres ist ein vintage car. Beamer ist in den USA ein Slang-Ausdruck für einen BMW und heißt auf Englisch ansonsten schlicht projector. Ein findiger Deutscher Händler für Campingausrüstung wollte Rucksäcke als Body Bags statt backpacks oder knapsacks verkaufen, dies sind jedoch Leichensäcke. Die Castingshow ist eine talent show, der Egoshooter ein first person shooter, das Fitnessstudio ein gym(nasium), Outing übersetzt man wörtlich auch mit Ausflug (geläufiger ist daher eher coming out), der Shootingstar ist lediglich eine Sternschnuppe und der Showmaster ein host (Gastgeber).

Letztlich ist es uns wahrscheinlich gleichgültig, ob es haarsträubender Unsinn ist, hauptsache es klingt kühl, ich meine natürlich cool.

 

Titelbild Innenseite: Erwin Lorenzen / PIXELIO

Titelbild Außenseite: CC by David Goehring /flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 29.11.2014.

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Politik Wirtschaft
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Noch´n schönes Beispiel für völliges Denglisch-Mißverständliches: da gibt's die bundesweit vertretene Bäckereikette " back factory". Mein canadischer Kollege fragte, hintergründig feixend, ob dies Rücken-Fabrik auch per Krankenkasse arbeitet. Leider gäbe es dort keine Ersatzrücken, sondern nur Semmeln und Co, mußte ich zurückgrinsen. Eine hämische Nachfrage bei dem Verkaufspersonal stieß -naturlich!- auf völliges Unverständnis; keine Ahnung, auf was wir da anspielten. Ist ja schon so eingefahren, dies Denglisch.
#9 am 11.02.2014 von Dr. Eberhard Stamm (Toxikologe)
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Ähnlich ist es mit "evidenzbasierter Medizin". Evidence (englisch) bedeutet Beweis oder wissenschaftlicher Nachweis. Evidenz (deutsch) ist eine unmittelbare, keines weiteren Beweises bedürfende Erkenntnis oder Gewißheit (wohl auch ohne weitere Begründung) (z.B. lt. Brockhaus), eben aus dem Augenschein. Ich glaube, so eine Medizin brauchen wir nicht. Ich ziehe eine wissenschaftliche Basis vor.
#8 am 14.01.2014 von Dr. med. Gerhard Middelberg (Arzt)
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Gast
Auch in der medizinischen Fachliteratur findet man oft sonderbare Übersetzungen. Da fällt mir spontan ein Beispiel ein, was ich schon öfter gesehen habe, und was sicherlich viele ebenfalls kennen. Die englischen Begriffe mild, moderate, severe werden übersetzt mit den (nun deutschen Worten) mild, moderat und schwer. Da soll man einen milden PEEP anwenden, da besteht eine moderate Hypothermie, da hat jemand ein moderates Schädel-Hirn-Trauma... Mich ärgert das immer, ehrlich gesagt, weil die Begriffe im deutschen doch etwas anderes ausdrücken. So bedeutet moderat laut Duden sinngemäß so etwas wie gemäßigt, maßvoll. Was jedoch an einem mittelschweren Schädel-Hirn-Trauma oder einer mittelschweren Hypothermie gemäßigt sein soll, entzieht sich meinem Verständnis. Nach meinem Verständnis müssten die drei englischen Begriffe mit leicht, mittel bzw. mittelschwer und schwer übersetzt werden. Achten Sie mal drauf :-)
#7 am 09.01.2014 von Gast (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Gast
Einen Bauchladen kenne ich, aber wie sieht verdammt noch mal ein Backshop aus? Oberhalb der Augenbrauen scheint es keine lebenswichtigen Teile mehr zu geben.
#6 am 07.01.2014 von Gast (Chemiker)
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Auch wenn das Handy im Oxford Dictionary steht, so kennen es die wenigsten Muttersprachler als Ausdruck für Mobiltelefon.
#5 am 07.01.2014 von Gast (Gast)
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Hän di koi Schnur?
#4 am 07.01.2014 von Silke Schuster (Ärztin)
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Übrigens gibt es auch genügend Wörter, die vom Deutschen eins zu eins ins Englische übernommen werden. Interessanter Artikel hierzu: http://www.wort-suchen.de/wortwissen/entlehnt-und-zugenaht-wie-es-das-deutsche-ins-englische-schafft/1676177 (abgerufen: 07.01.2014, 16:37)
#3 am 07.01.2014 von Gaby Aurell (Medizinische Dokumentarin)
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Die Aussage, dass das Handy nicht verstanden wird, ist so nicht ganz korrekt: mittlerweile hat das Wort auch in die englische Sprache Einzug gehalten und ist als Eintrag im Oxford Dictionary zu finden: "handy [...] noun (plural handies) (in Europe) a mobile phone. " Quelle: http://www.oxforddictionaries.com/definition/english/handy?q=handy (abgerufen: 07.01.2014, 16:30)
#2 am 07.01.2014 von Gaby Aurell (Medizinische Dokumentarin)
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"YOU CAN SAY YOU TO ME" soll der des Englischen kaum kundige Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl damals mal zur englischen Regierungschefin Margaret Thatcher gesagt haben. Ob sie allerdings daraufhin "YES, YOU CAN" geantwortet hat, ist nicht überliefert
#1 am 04.01.2014 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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