"Wat sind Sie denn überhaupt!?"

25.12.2013
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Eine der Ängste, die vor Jobbeginn hatte, war, dass die Patienten mich nicht ernst nehmen, weil ich neu und noch recht jung bin. Auf dem Land nicht unbedingt förderlich für eine vertrauensvolle Arzt-Patientenbeziehung. Verständlicherweise, wenn ich seit 20 Jahren zum selben Arzt gehe und der mich sehr gut kennt, stehe ich einem neuen Gesicht erst einmal skeptisch gegenüber. Als Patient warte ich dann zunächst ab, ob der oder die Neue überhaupt etwas taugt. Erst recht, wenn diese noch sehr jung ist.

Um es vorwegzunehmen: Ich bin als "die Neue" sehr gut aufgenommen worden. Die meisten Patienten haben sich mit Wohlwollen und einem großen Vertrauensvorschuss in meine Hände begeben. Auch wenn diese Hände gerade am Anfang nicht immer unbedingt wussten, was sie da gerade tun.

Trotzdem gab und gibt es immer mal wieder Patienten, die nicht so ganz verstanden haben, was gerade passiert. Auch wenn ich mich immer am Anfang des Gesprächs bei einem neuen Patienten vorstelle.  Vor einer Weile hatte ich einen noch nicht wirklich alten Patienten, bei dem ein neu aufgefallener Bluthochdruck eingestellt werden sollte. Ich erklärte ihm ausführlich die Genese der Erkrankung, worauf er jetzt achten sollte und welche Medikamente mit welchen Nebenwirkungen nun in Betracht kommen. Ich untersuchte ihn nochmals, schrieb ihm ein Rezept und einen Med-plan, empfahl ihm einen Blutdruckmessgerät für Zuhause anzuschaffen und wann wir uns zur Kontrolle wiedersehen sollten. Während des ganzen Gesprächs wirkte er interessiert und stellte auch Zwischenfragen. Am Ende des Gesprächs angekommen, verabschiedeten wir uns voneinander. Beim Verlassen des Raumes drehte er sich noch einmal um und sagte: "Ach sagen Sie, und was sind SIE nun eigentlich? Arbeiten Sie jetzt hier?" Leicht irritiert antwortete ich: "Na die Putzfrau bin ich nicht, ich bin Ärztin!" "Achso." sprachs und verließ meinen Raum.

Das unerschöpfliche Vertrauen mancher Menschen in alles, was einen weißen Kittel trägt, egal ob Arzt, Putzfrau oder Schülerpraktikantin, ist erstaunlich...

Bildquelle: CC by Erich Ferdinand /flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 10.01.2014.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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Vertrauen ist die einfachste und energiesparendste Variante, die es gibt um eine Gesellschaft organisatorisch in Gang zu halten. In der Rechtswissenschaft wird wenigstens vom ökonomisch wertvollen Vertrauensgrundsatz ausgegangen. Der Patient hat es etwas ungeschickt formuliert, indem er fragte "WAS" Sie nun eigentlich sind! Er hatte Sie aber bestimmt Platz geben wollen in seiner sozialen Privatsphäre. Das ist doch wertvoll, da Sie den Platz denn auch bekommen haben, wie auch immer der eingestuft wurde zu guter Letzt. Der Patient hatte sich aber beraten lassen, also Hut ab: Vergleichen Sie sich doch nie wieder mit der Putzfrau. Auch sie ist ein Mensch mit Lebensgeschichte...
#2 am 10.01.2014 von Stud Edith Meyer (Studentin der Humanmedizin)
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Gast
Oh ja den Schlusssatz kann ich nur bestätigen. Da soll man als Schülerpraktikant die Medikation ändern und solche Scherze.
#1 am 08.01.2014 von Gast
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Leider nützen alle Zahlen, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten dem einzelnen Patienten recht wenig, wenn er oder mehr...

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